​Der im Zuge der Verpflichtung von Marco Rose ebenfalls zu ​Borussia Mönchengladbach gefundene Co-Trainer René Marić ist, zumindest in der ​Bundesligaein Unikat. In nur wenigen Monaten entwickelte er sich ​vom "Taktik-Blogger" zum Mann an der Seite des Cheftrainers einer Profimannschaft. Im ausführlichen ​Interview mit Spox und Goal sprach der Österreicher kürzlich über seine Trainingsansätze, die Zusammenarbeit mit Marco Rose und Kinderreime. 90min hat für euch die wichtigsten Aussagen zusammengefasst.


Der studierte Psychologe René Marić weiß um die Wichtigkeit der sozialen Fähigkeiten eines Trainers. "Das ist sehr wichtig, weil der Umgang mit Menschen über Methodik oder inhaltlicher Kompetenz steht. Ohne eine gute Beziehung zu Staff und Mannschaft kommt nichts rüber, auch wenn man womöglich viele Informationen in sich trägt. Insofern ist die Rolle eines Psychologen innerhalb eines Trainerteams sinnvoll", sagt der 27-Jährige und hebt hervor, dass die Grundlage für Erfolg gegenseitiger Respekt sei: 


"Am wichtigsten ist jedoch, dass sich jeder seiner Verantwortung im Umgang mit anderen Menschen im Staff, Team oder Verein beim Verfolgen eines gemeinsamen Ziels bewusst ist - nur das führt zum Erfolg", beschreibt Marić die Aufgabe der sportlich Verantwortlichen.


Komplexität ist kontraproduktiv


Um den Spielern die Inhalte und Ideen des Trainerstabs zu vermitteln, bedürfe es laut Marić keiner großen Worte oder komplexer Vorgaben. "Entwicklung und Erfolg - daran sollte sich das Training orientieren. Komplexität der Kompliziertheit willen macht kaum Sinn - eine Lektion, die ich mittlerweile gelernt habe", eine kleine Anekdote verdeutliche dies: 


"Es gab mal einen jugoslawischen Coach namens Ivan "Dalma" Markovic. Er war 40 Jahre lang Trainer und hat seine Spielprinzipien in sehr bildliche und lustige Gedichte verpackt, wie Kinderreime. Die Spieler haben das geliebt und können sie bis heute noch auswendig, 20 Jahre und mehr danach", berichtet Marić und fordert zudem, dass die Spieler sich im Idealfall "selbst coachen" sollen.

Marco Rose,Rene Maric

Rose und Marić im Austausch an der Seitenlinie


Sein Ansatz sei es, dass die Spieler auf dem Platz Entscheidungen treffen sollen, da der Blick von der Coaching-Zone aus ein anderer ist. "Wenn die Spieler sich und die Mitspieler coachen können, ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass sie die notwendigen Lösungen auf dem Platz finden. Von außen zu intervenieren ist nämlich nicht immer ganz einfach. Man sieht die Probleme von außen nie so gut, wie sie die Spieler auf dem Platz erleben", zudem könnten nur die Spieler auf dem Feld die situativen Emotionen wahrnehmen und dementsprechend reagieren:


"Mike Tyson sagte einmal, man hat immer einen Plan - bis man eine auf die Fresse bekommt. Und im Spiel bekommt man sozusagen halt auch einmal auf die Fresse. Daher: Umso mehr Spieler in ihren Aufgaben und ihrem Spielumfeld gemeinsam schnell gute Lösungen finden können, desto mehr können sie ihre Mitspieler unterstützen, was wiederum die Qualität der Lösung steigert", bemüht Marić ein Zitat des berüchtigten Boxers.

Sympathisches Mitglied der Borussia-Familie


Warum er so perfekt in das eher familiäre Umfeld von Borussia Mönchengladbach passt, erklärt ​Marić, indem er sich schlicht selbst beschreibt. "Ich bin meist gut gelaunt, dankbar für den Job und bemüht, ihn bestmöglich zu erfüllen. Der Psychologe Carl Rogers nannte einmal Authentizität beziehungsweise Kongruenz, Wertschätzung und Empathie als wichtige Grundhaltungen. Daran versuche ich mich am ehesten zu orientieren" - Werte, die auch von Vereinsseite aus großgeschrieben werden.

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Nah an den Spielern dran - René Marić


Der bodenständige und reflektierte Co-Trainer ist, wie Rose, ein Glücksgriff für die Borussia, da er nicht nur Know-How und soziale Kompetenz mitgebracht hat, sondern sich auch authentisch und nahbar präsentiert. Wann es für ihn zum Cheftrainer einer Profi-Mannschaft reichen wird, mag Marić noch nicht endgültig vorausschauen.


"Aktuell mache ich die A-Lizenz. Falls ich die bestehen sollte, würde die Pro-Lizenz noch fehlen. Ich muss mich reif fühlen. Ich merke, dass ich noch sehr viel lernen kann und glaube, dass ich das gerade auch von Marco tun kann. Insofern mache ich mir nur Gedanken über die unmittelbare Zukunft." Diese unmittelbare Zukunft kann aus Sicht der Anhänger gerne bei Borussia Mönchengladbach liegen.