​Die Corona-Krise wird auch im Fußball ihre Spuren hinterlassen - das steht außer Frage. Im ​transfermarkt-Interview widmet sich Spielerberater Jörg Neblung Fragen bezüglich des Transfermarkt-Crashs und der unsicheren finanziellen Zukunft einzelner Vereine. Zudem steht die viel diskutierte Situation auslaufender Verträge zur Debatte.


Mit Transferrekorden und teuren Transfers der ​Bundesliga-Stars Kai Havertz und Jadon Sancho sei beispielsweise nicht zu rechnen. Ausbilder-Klubs wie der ​SC Freiburg dürften es nach der Krise deutlich schwieriger haben als die ​Bayern oder der ​BVB

Neblung meint: "Wenn wir es nicht hinbekommen, innerhalb der Zeitfrist die Ligen zu Ende zu spielen, werden wir ein Problem bekommen, das wir nicht einfach so lösen können." Wie geht es mit den Spielern weiter, deren Verträge am 30. Juni auslaufen? Dazu gibt es verschiedene Experten-Sichten. 


​"Vertrag ist Vertrag"

Der 52-jährige Spielervermittler ist sich allerdings sicher: "Die Verträge, die ich prüfe, enthalten zum Großteil die Formulierung ‚Der Vertrag endet am 30.6.‘ Daher besteht für mich nicht die Option, dass dieser einseitig bis in den Juli ausgeweitet wird. Vertrag ist Vertrag."

​Es bedarf also einer internationalen Zustimmung der FIFA und obendrein einer Freiwilligkeit jedes einzelnen Spielers. Ansonsten müssen Vereine bei Ligaspielen im Juli auf Spieler mit auslaufendem Kontrakt verzichten. 

Jörg Neblung (52) berät zahlreiche Profi- und Jugendspieler von der ersten bis vierten Liga



Die Auswirkungen auf den Transfermarkt, die Ablösesummen und Gehälter der Spieler werden immens. Neblung zweifelt an, dass Spieler wie Havertz und Sancho, die einst für dreistellige Millionenbeträge gehandelt wurden, tatsächlich für eine solch hohe Summe wechseln werden.


​Besonders kleine Klubs sind betroffen

​Es sei allerdings nicht nur mit dem Sinken einzelner Ablösesummen zu rechnen. Ganze Vereine müssen um ihre Existenz bangen. Besonders klassische Verkaufs-Vereine. "Klubs, die Spieler günstig einkaufen und ausbilden, um mit Verkäufen Umsatz zu generieren – der SC Freiburg beispielsweise. Die Ablösesummen für Luca Waldschmidt, Robin Koch und Co. werden nicht mehr so hoch ausfallen, wie noch vor ein paar Wochen gedacht. Andere Klubs wie Bayern oder Dortmund haben es dank Einnahmen aus der ​Champions League, Merchandising oder höheren TV-Geldern natürlich leichter", so Neblung.


​Kein Umdenken im Fußball


Den verschiedenen Meinungen eines langfristigen Umdenkens aufgrund der Pandemie widerspricht der Berater jedoch. "Der Fußball an sich wird weiter seine Umsätze generieren, sobald sich die Pandemie entspannt. Dementsprechend werden die Marktmechanismen wieder zu einem erneuten Anstieg der Ablösesummen führen, auch wenn sich der 300-Millionen-Transfer vielleicht noch um zwei, drei Jahre verzögert.