Wie groß die Wucht ist, mit der Fußballvereine wirtschaftlich von der Corona-Pandemie getroffen werden, lässt sich derzeit nur erahnen. Trotz alledem kann Borussia Dortmund entspannt in die Zukunft blicken. Auch ohne großen Transfersommer verfügt der Klub über eine hochtalentierte Mannschaft.


Wer an Borussia Dortmund denkt, der denkt ​an einstige Talente wie Mats Hummels, Robert Lewandowski, Marco Reus oder Mario Götze, an Jadon Sancho, Achraf Hakimi, Ilkay Gündogan, Ousmane Dembélé, Pierre-Emerick Aubameyang oder nun Erling Haaland. Der BVB hat es verstanden, Spieler mit hochgradigem Talent ein Sprungbrett in die europäische Spitze zu bieten und sieht sich dabei nicht nur als reiner Ausbildungsverein, sondern selbst als Top-Klub, der um Titel spielt.


Viele Millionen Euro flossen für die unterschiedlichsten Spieler in die Vereinskassen. Das Geld wurde überlegt reinvestiert, verstärkt wurde nicht nur die eigene Mannschaft, sondern auch der Nachwuchs. Von hinten drängen Spieler wie Tobias Raschl, Immanuel Pherai oder der im Winter durchgestartete Giovanni Reyna, während mit Jadon Sancho und Erling Haaland bereits die nächsten Goldbarren im Tresor liegen. 


Auch Dortmund muss sparen


Das Coronavirus legt die Sportwelt lahm. Längst wird nicht mehr nur darüber diskutiert, wann wieder gespielt werden kann, sondern auch, wie viel Geld den Vereinen nach dem Tag X noch übrig bleibt. Schon jetzt verzichten Profis solidarisch auf ihr Gehalt, um die übrigen Arbeitsplätze innerhalb des Klubs zu sichern. Je länger der Ball jedoch ruht, desto größer werden die Sorgen. 


Auf Klubs wie Bayern oder Dortmund trifft das auch zu, wenngleich die beiden Riesen des deutschen Fußballs nicht um ihre Existenz bangen müssen. Allerdings muss auch der BVB sparen. ​"Dieser Sommer wird unlustig", sagte Sportdirektor Michael Zorc gegenüber dem kicker. "Bei allen Klubs herrscht eine große Unsicherheit. Wir müssen erst einmal diese Krisensituation managen. Wir wissen schließlich nicht, wann wieder gespielt werden kann." Eine Transfer-Offensive wie im Vorjahr, als der Klub binnen drei Tagen die Neuzugänge Julian Brandt, Thorgan Hazard und Nico Schulz präsentierte, sei nicht zu erwarten. 


Überall liegen die Transferplanungen trotz zahlreicher Gerüchte, die in Zeiten, in denen der Sportjournalismus sein Fundament verliert, noch intensiver gestreut werden als zur Hochzeit im Sommer, auf Eis. Thomas Meunier soll angeblich ​ablösefrei von Paris Saint-Germain kommen, auch sollen die Bemühungen um Jude Bellingham auf Hochtouren laufen. Ob das 16-jährige Wunderkind von Birmingham City überhaupt wechseln wird, ist ebenso offen wie bei Kai Havertz oder Jadon Sancho.


Qualität in der Spitze und Breite


Das ist für Dortmund Fluch und Segen zugleich, denn einerseits könnte die Mannschaft nicht nach den Vorstellungen der Sportlichen Leitung verstärkt werden - andererseits ist das aber vielleicht gar nicht nötig. Dass Sancho gehalten werden soll und nur für eine exorbitant hohe Ablösesumme wechseln würde, ist hinlänglich bekannt. Der Flügelspieler, der kürzlich seinen 20. Geburtstag feierte, steht für Torgefahr pur, brilliert allein in dieser Saison mit 36 Scorerpunkten in 35 Pflichtspielen. Mit Sancho hat der BVB eine ganz andere Qualität. Dass er nun noch ein Jahr bleiben könnte, erhöht die Titelchancen in der kommenden Saison. 

Jadon Sancho

Ein Verbleib von Jadon Sancho ist wahrscheinlicher denn je



Auch der Winter-Transfer von Erling Haaland macht sich nun bezahlt. Für verhältnismäßig günstige 20 Millionen Euro kam der Norweger von Red Bull Salzburg, erzielte bis dato bereits zwölf Tore. Die angebliche Ausstiegsklausel über 75 Millionen Euro soll noch nicht in diesem Sommer greifen, die Offensive ist daher komplett. Mit Haaland, Sancho, Thorgan Hazard, Marco Reus, Julian Brandt und dem jungen Giovanni Reyna verfügt Dortmund über eine herausragende Qualität.


Das Mittelfeld ist nach der Verpflichtung von Emre Can fast schon überbesetzt, selbst ein Abgang von Bankdrücker Mahmoud Dahoud wäre alles andere als ein Beinbruch - denn so könnte Eigengewächs Raschl weiter gefördert werden. Alles in allem bereitet einzig die Rechtsverteidiger-Position sorgen. 


Ein Fragezeichen, das bald verschwinden könnte


Die Zukunft von Achraf Hakimi ist unklar, womöglich wird Real Madrid wegen der Corona-Krise einen Preis aufrufen, den sich der BVB nicht leisten kann. Sollte Meunier tatsächlich kommen, stünden mit dem Belgier, Mateu Morey und Routinier Piszczek, ​der noch ein Jahr dranhängen soll, aber drei Spieler zur Verfügung. So ginge mit dem Verlust von Hakimi zwar ein Qualitätsverlust einher, aber es gäbe noch immer zwei routinierte Lösungen und ein verheißungsvolles Versprechen für die Zukunft. Vielleicht wird es aber auch trotz der Wettbewerbspause für einen Transfer von Hakimi reichen - wer weiß das schon.

Mateu Morey

Ein Star von morgen? Noch konnte Mateu Morey nicht wirklich auf sich aufmerksam machen



Der 26 Mann große Kader mit einem Durchschnittsalter von 25,5 Jahren strotz nur so vor Potenzial und Qualität. Ja, die aktuelle Situation bereitet Sorgen und bringt unmittelbare Folgen für den Transfermarkt mit sich, der sich in den kommenden Jahren wieder normalisieren dürfte. Aber niemandem bei Borussia Dortmund muss Angst und Bange werden. Weder das Finanzielle noch das Sportliche betreffend.