​Granit Xhaka kam im Sommer 2012 als kantiges Ausnahmetalent zu ​Borussia Mönchengladbach und ging vier Jahre später als Fohlen-Kapitän zum ​FC Arsenal in die ​Premier League. Keinen anderen Spieler wünschen sich die Anhänger so sehr zurück, wie den mittlerweile 27-jährigen Spielgestalter. 

Ein Jahr nach dem Abgang des Schweizers verpflichtete die Borussia einen jungen Landsmann, der anfangs in der ​Bundesliga sein Talent immer mal wieder aufblitzen ließ und in der laufenden Saison zum absoluten Schlüsselspieler für Gladbach reifte - die Rede ist von Denis Zakaria.


Obwohl beide Spieler ihr Hauptaufgabenfeld in der Mittelfeldzentrale haben, ähneln sie sich in ihren Anlagen und der Interpretation ihrer Rolle nur marginal. Dennoch haben sie eines gemeinsam: Zu ihrer Hochphase waren sie unentbehrlich für ihre Mannschaften.


90min stellt die Leistungen von Granit Xhaka (2015/16) und Denis Zakaria (2019/2020) gegenüber und vergleicht die beiden miteinander. Wer ist der wahre Schweizer Mittelfeld-Boss?


Ballbehandlung 

FBL-GER-BUNDESLIGA-BAYERN-MUNICH-BORUSSIA-MOENCHENGLADBACH

Granit Xhaka hatte ein überragendes Gefühl in seinem linken Fuß. So hart seine Schüsse waren, so genau kamen seine langen Pässe bei den Mitspielern an. Seine Ballverarbeitung war hervorragend und auch aufgrund seiner fehlenden Schnelligkeit hielt er die Kugel immer eng am Fuß.


Wenn Denis Zakaria unbedingt an etwas arbeiten muss, dann an seiner Ballkontrolle. Der 23-Jährige hat eine grundlegend gute Technik, doch sucht er oft noch das richtige Maß aus Körperspannung im Fuß und seinem eigenen Tempo. Annahmen prallen ihm hier und da zu weit weg oder er unterbindet einen vielversprechenden Lauf mit einer ungenauen Ballvorlage. 


Dieser Punkt geht zwingend an Granit Xhaka.


Abschluss

DFB Pokal - "Schalke o4 v Borussia Monchengladbach"

In der Saison 2015/16 schoss Xhaka drei Tore für die Borussia. Erstaunlicherweise war keines davon ein direkter Freistoß oder Distanzschuss - zwei Kopfballtore und ein Elfmeter stehen für ihn stattdessen zu Buche. Generell war Xhaka allein schon positionsbedingt nie ein wirklicher Torjäger, zeigte sich aber vielseitig in der Wahl seiner Abschlüsse.


Denis Zakaria traf in der laufenden Saison bislang zweimal. Er könnte somit den Wert Xhakas noch übertreffen, dennoch fehlt ihm die Vielseitigkeit und besonders die Gefahr bei Standardsituationen. Zakarias Tore entstehen in der Regel aus Läufen in die Tiefe und relativ leicht zu verwertenden Zuspielen seiner Mitspieler. Die Fähigkeit, sich selbst Abschlussgelegenheiten zu erarbeiten, geht Zakaria im Vergleich ab - zudem ist sein Torschuss mindestens ausbaufähig.


Auch dieser Punkt geht somit an Granit Xhaka.


Passspiel

FBL-GER-BUNDESLIGA-MOENCHENGLADBACH-COLOGNE
























Die langen Bälle Xhakas sind mittlerweile Legende im Borussia Park, punktgenau fand er mit Pässen über das komplette Feld die Mitspieler. Im Prinzip konnte er in jeder Lage den Ball zu jedem Mitspieler befördern, egal wo dieser sich auf dem Platz befand - auf kurze oder mittlere Distanz zelebrierte er seine Anspiele auch gerne mit dem Außenrist. Zudem hatte er ein überragendes Timing, seine Bälle kamen meist exakt dosiert.


Zakaria ist auch ein sicherer Zuspieler, geniale Momente mit Pässen in die Schnittstelle der gegnerischen Abwehr oder punktgenaue Seitenverlagerungen sieht man bei ihm aber eher selten. Soll der Ball von A nach B, dann präferiert Zakaria einen dynamischen Antritt, statt die Kugel vom Fuß zu lösen.


Klarer Fall - 3:0 für Granit Xhaka.  


Dynamik - Aggressivität - Zweikampfverhalten

Jacob Bruun Larsen,Denis Zakaria

​In seiner Abschiedssaison in Gladbach holte sich Xhaka in der Liga eine Gelbsperre, zweimal Gelb-Rot und einmal glatt Rot ab. Auch wenn seine Gegenspieler keine Provokation ungenutzt ließen und ihn die Schiedsrichter aufgrund seines Rufs besonders im Auge hatten, fehlte er der Borussia dadurch in sieben Saisonspielen. Das richtige Maß an Aggressivität fand er nicht. Zudem fehlte es ihm an Dynamik und Tempo, so dass er oft zu schnell zur Grätsche greifen musste, um seine Gegner vom Ball zu trennen.


Zakaria hingegen greift im Defensiv-Zweikampf nur dann zur Bodenattacke, wenn er ausnahmsweise nicht schon vorher den Ball mit seiner Geschwindigkeit und puren Physis in Besitz nahm. Was Zakaria an Lautstärke auf dem Platz fehlt, macht er mit seiner exzellenten Balleroberung und Laufbereitschaft wieder wett.


Dieser Punkt geht an Denis Zakaria.



Fazit

Granit Xhaka,Jeff Hendrick,Denis Zakaria


Granit Xhaka war in seiner letzten Saison in Mönchengladbach der absolute Chef im Mittelfeld. Denis Zakaria wird von seinen Anlagen her nie der Lautsprecher werden, der Xhaka einst war. Doch während Xhaka im Vergleich momentan noch vor Zakaria anzusiedeln ist, hat Zakaria mit Sicherheit seine größte Zeit erst noch vor sich. Wenn er an seiner Ballbehandlung und seiner Torgefahr arbeitet, dann könnte es sein, dass er sogar noch ein bisschen mehr vermisst werden wird als Xhaka, wenn er die Anhänger der Borussia aufgrund der Marktgegebenheiten eines Tages verlassen wird. ​