​Die Coronavirus-Krise könnte für viele Fußballklubs existenzbedrohende Ausmaße annehmen. Überall wird jetzt geprüft und gerechnet und kalkuliert, wie man die zu erwartenden Millionenverluste auffangen kann. Von Gehaltsverzichten der Spieler bis zu solidarischen Ausgleichszahlungen der größeren, finanziell besser dastehenden Klubs an die Kleinen, ist eigentlich alles dabei. Der​ BVB will jedoch auch die eigenen Fans ins Boot holen.


Also genau die, die den ganzen Zirkus bislang am Laufen gehalten haben. Denn ohne Fans, machen wir uns nichts vor, gäbe es auch keine an TV-Rechten interessierten Fernsehanstalten, deren Zahlungen für die Übertragungen der Spiele mittlerweile das Gros der Klubeinnahmen, hier und in allen anderen Top-Profiligen, ausmachen.


Umso dreister erscheint in diesem Zusammenhang die Bitte des Klubs an seine Fans, auf eine - juristisch nicht anzufechtende - Kostenrückerstattung (ob Tagestickets oder Dauerabonnement) zu verzichten.


Carsten Kramer, Mitglied der BVB-Geschäftsführung, drückte es in folgenden Worten aus: "Wir würden uns auch freuen, wenn der eine oder andere Euro bei Borussia Dortmund bleibt." 

Nachvollziehbar, aus seiner Sicht. 


Doch gleichzeitig verweist Cramer mit Stolz darauf, den 850 Angestellten des Klubs mitgeteilt zu haben, "dass das Thema Kurzarbeit für uns keines ist". Und spätestens da wird es dann problematisch. Müsste nicht erstmal jeder Klub zunächst bei sich selber alle Einsparungspotentiale abklopfen, ehe er die eigenen Fans darum bittet, ihm quasi Geld zu schenken? Emotionale Bindung mit dem Klub hin oder her - in einer Krise wie dieser, die nebenbei auch noch ohne Beispiel in der jüngeren Menschheitsgeschichte ist und wirklich alle Schichten und Stände der Gesellschaft berührt, dürfte auch dem eingefleischtesten Fan das Hemd näher als die Hose sein. Was nützt es mir, dass es meinem Klub gut geht, wenn ich die hungrigen Mäuler meiner Familie nicht mehr stopfen kann?


Dortmund keine Reiche-Leute-Gegend


Denn das Pro-Kopf-Einkommen ist gerade in Dortmund - im bundesweiten Vergleich - nicht unbedingt im Spitzenbereich der Republik angesiedelt. Das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung wies in einer im vergangenen Jahr veröffentlichen Studie für Dortmund einen Betrag von 18.946 Euro/Jahr aus. Das entspricht fast der Hälfte (!) von dem Wert in München (34.987 Euro pro Jahr). Die Nachbarstadt Gelsenkirchen kommt gar nur auf 16.203 Euro pro Kopf und Jahr. 


Von daher erscheint diese Bitte des BVB beinahe schon fast ein wenig unverschämt. Warum appelliert der Verein denn nicht an die eigenen Spieler? Warum kann man diesen keine höheren Verzichte als die im Raum stehenden 20 Prozent abverlangen? Wir reden über vielfache Einkommensmillionäre, die - selbst bei einem Verzicht von bis zu 70 Prozent (wie es z.B. der ​FC Barcelona seinen Spielern vorgeschlagen hat) - wahrlich nicht am Hungertuch nagen müssten. 

Von daher kann dieser jüngste Vorstoß des Klubs nur als unsolidarisch und unmoralisch gewertet werden. Man darf deshalb auch mehr als gespannt darauf sein, wie die Fans diese Bitte ihres Klubs aufnehmen werden.