Ivan Rakitic war während seiner Karriere einer der wichtigsten Spieler im zentralen Mittelfeld, hat den ​FC Barcelona u. a. zum Sieg der Champions League gebracht. Leon Goretzka ist ebenfalls ein sehr einflussreicher Mittelfeldakteur, der solche Titel aber noch anvisiert. Wir nehmen die Leistungen von Rakitic (Saison 2014/15) und Goretzka (2017/18) und vergleichen ihre bislang besten Spielzeiten miteinander.


Ballbehandlung

Ivan Rakitic


Ivan Rakitic war als Anspielstation stets eine Art Mischung aus einem wichtigen Ruhepol, aber auch mit der Möglichkeit, schnell zur Gefahr für die gegnerische Mannschaft zu werden. Auf dem Feld wurde er von den Kollegen gesucht, um sowohl den Spielaufbau zu stabilisieren, als auch um entscheidende Angriffe einzuleiten, während er den Ball am Fuß hielt. Dabei war er sehr sicher, ruhig und beinahe pressing-resistent. Entscheidende Tempodribblings gehörten allerdings vergleichsweise eher selten zu seinem Repertoire. Verlor er den Ball, war dies eine seltene Erscheinung. 


Auch Leon Goretzka war schon in jüngeren Jahren ein Dreh- und Angelpunkt im eigenen Spiel, in der Saison 17/18 für ​Schalke 04. Wenig verwunderlich, da er ebenfalls sehr ballsicher war. Oftmals wird er als der klassische "Box-to-Box-Player" beschrieben. Kurzum: Er kann sowohl in der Defensive den Ballbesitz behaupten und sein Team absichern, aber auch sicher nach vorne agieren. Dabei dribbelte er auch des Öfteren längere Strecken, in direkten Eins-gegen-eins-Duellen war er jedoch - wie auch Rakitic - nicht der gefährlichste Gegenspieler. Aufgrund der Ruhe, der Souveränität und dem ausgeprägteren Spielstil geht dieser Punkt ganz knapp an den Kroaten.


Abschluss

Leon Goretzka


Was die Gefährlichkeit vor dem gegnerischen Tor betrifft, hat Goretzka die Nase etwas vorne, auch wenn er ein Tor weniger (vier gegen fünf) erzielte als Rakitic. Der gebürtige Bochumer hat in der ausgewählten Saison ganze 45 Schüsse vorzuweisen, wovon 18 direkt auf das Tor gingen. Gute Zahlen für einen Mittelfeldspieler. Auch hier zeigt sich der Einfluss in der Offensive, da der damals 23-Jährige oft die Vorstöße und Wege nach vorne suchte. Teilweise spielte er dabei auch eher in der Rolle des offensiven Mittelfeldspielers auf, als in der klassischen Zentrale. 


Ivan Rakitic war zwar ebenfalls kein zentraler Mittelfeldspieler im ursprünglichen Sinne, doch suchte er nicht ganz so häufig den Zug zum Tor wie Goretzka es tat. Dass er trotzdem ein Tor mehr erzielte, liegt natürlich auch an der Dominanz Barcas, die sie 14/15 ausstrahlten - dort erzielten sie selbstredend deutlich mehr Tore als der S04. Mit 13 Torschüssen ist auch seine Abschluss-Qualität nicht zu vernachlässigen, doch hier hat der deutsche Nationalspieler den insgesamt besseren Eindruck hinterlassen können. 


Passspiel

Primera Division - "Barcelona v Las Palmas"


Rakitic war neben dem Aspekt der Ballbehandlung auch wegen seines eindrucksvollen Passspiels einer der wichtigsten und einflussreichsten Spieler auf dem Feld. Dabei konnte er die kurzen Pässe spielen, aber auch die weiten diagonalen und die gefährlichen tiefen Bälle bereiteten ihm keinerlei Probleme. Dabei verkörperte er die Rolle des Lenkers im zentralen Mittelfeld beinahe perfekt. Zehn Vorlagen in Pflichtspielen unterstrichen diesen Aspekt. 


Auch Goretzka hat seine Stärken im vielseitigen Passspiel. Dabei sind die unterschiedlichen Passformen zwar auch präsent, aber nicht so sicher, souverän und zuverlässig gewesen, wie es bei Rakitic der Fall war. Die lediglich vier gezählten Torvorlagen sind dabei zwar kein direkter Vergleich, aber auch ein Indiz, dass der kroatische Fußballer des Jahres (auch 2015) hier im Vorteil war, sodass er diese Runde für sich entscheiden kann. 


Technik - Antritt - Physis

FBL-EUR-C1-JUVENTUS-BARCELONA-FINAL


Betrachtet man drei vergleichsweise kleinere, aber dennoch sehr wichtige Unterpunkte, so kann keiner der beiden Kontrahenten in allen drei Punkten gewinnen. An Rakitic gehen die Faktoren der Technik und der Physis. Während der Saison 2014/15 konnte er diese beiden Stärken sehr gut miteinander verbinden. Die Technik merkte man vor allem am Passspiel und am Dribbling, während er sich gleichzeitig gut in Zweikämpfen durchsetzen oder absichern konnte. Das war auch wichtig, um nicht nur offensiv Akzente zu setzen, sondern auch um zeitgleich defensiv ein bedeutsamer Akteur zu sein. 


Leon Goretzka


Goretzka überzeugt dagegen eindeutig, wenn es um den Antritt und die Geschwindigkeit geht. Man merkt im normalen Sprint wie auch beim Dribbling selbst, dass er sein Tempo sehr gut einsetzen und mit anderen Stärken kombinieren kann. Viele seiner Tore und Abschlüsse konnte er entweder durch Sprints über dutzende Meter erzielen, oder durch sein Tempodribbling auflegen. Hier gibt es ein 2:1 für Rakitic.


Fazit

Joan Gamper Trophy - "Barcelona v AS Roma"


Auch wenn Ivan Rakitic und Leon Goretzka in den ausgewählten Spielzeiten eine unterschiedliche Rolle im Fußball spielten, so kann man sie doch gut miteinander vergleichen, da sie oftmals eine ähnliche Aufgabe auf dem Feld erfüllten. Im zentralen Mittelfeld waren beide für ihre jeweilige Mannschaft nicht zu ersetzen, sodass sie an den dort erzielten Erfolgen maßgeblich beteiligt sind. 


Natürlich muss man auch die Umstände der Mannschaften in Betracht ziehen, in denen die Werte, Statistiken und Auftritte geliefert wurden. Insgesamt ist Ivan Rakitic dennoch der verdiente Sieger. Völlig zurecht gewann er mit dem FC Barcelona in der Saison 2014/15 das Tripple, völlig zurecht wurde er zum kroatischen Fußballer des Jahres gewählt. Auch wenn Goretzka für Schalke eine enorm wichtige Figur war, so ist der Einfluss und die gesamte Stärke Rakitics doch höher zu bemessen.