​Bayern-Legende Mehmet Scholl trug 15 Jahre lang das Trikot des deutschen Rekordmeisters, ehe er im Sommer 2007 seine Fußballschuhe an den Nagel hängte. Seinem Sohn Lucas-Julian Scholl blieb beim ​FC Bayern der große Durchbruch verwehrt. Ende Januar 2017 verließ der offensive Mittelfeldspieler seinen Ausbildungsklub in Richtung Thüringen. Seit einigen Wochen kickt der 23-Jährige vor den Toren Münchens.


Lucas Scholl durchlief einige Jahre lang die Nachwuchsmannschaften der Bayern und galt als großes Talent. Zur Saison 2015/16 rückte der Youngster in den Kader der U23 auf, für die er insgesamt 23 Mal auf dem Platz stand. Der Offensivspieler durfte zuvor bereits unter Cheftrainer Pep Guardiola bei den Profis mittrainieren. Der gebürtige Münchner schaffte es auch zweimal in den Spieltagskader (August und Dezember 2014), zum Profidebüt reichte es allerdings nicht. 


Von Guardiola hat der 23-Jährige dennoch viel lernen können. "Das war mit Abstand der Trainer, der mir am meisten beigebracht hat. Er hat mir viel geholfen", sagte der Rechtsfuß kurz nach seinem Abschied aus München gegenüber der Bild-Zeitung. Ende Januar 2017 schloss sich Scholl dem Regionallisten Wacker Nordhausen an. 


Scholl: "Dieser ganze Hype um mich war einfach zu viel"


"Ich will mich weiterentwickeln, will lernen, Männer-Fußball zu spielen. Nordhausen ist eine Herren-Mannschaft, da geht es schon anders zur Sache als bei einer U23", erklärte der Münchner mit Blick auf seinen Wechsel. Unter Guardiola-Nachfolger Carlo Ancelotti habe Scholl zudem keine Chancen mehr auf den Durchbruch gesehen: "Ich war 17, 18 Jahre alt. Dieser ganze Hype um mich, das war einfach zu viel. Ich war ja noch ein Kind, war noch nicht so weit."


In Nordhausen wollte Scholl nicht nur Spielpraxis sammeln, sondern sich möglichst schnell auch für höhere Aufgaben empfehlen. Seine Entwicklung verlief zunächst recht positiv, ehe er knapp ein Jahr lang von einer Lungenentzündung sowie einem Fußbruch außer Gefecht gesetzt wurde. Im Frühjahr 2019 feierte der 23-Jährige sein Comeback und kämpfte sich wieder in die Mannschaft zurück. In der laufenden Saison bestritt der Rechtsfuß bis zur Winterpause 16 Pflichtspiele, in denen er an neun Treffern (drei Tore/sechs Vorlagen) direkt beteiligt war. 

Lucas-Julian Scholl,Dmitri Litvinov,Aleksandr Golovin

Spielte für den FC Bayern auch in der UEFA Youth League: Lucas Scholl


Das Aus bei Wacker Nordhausen wurde durch die Insolvenz des Klubs besiegelt. Ende Januar schloss sich Scholl dem VfR Garching an. Den Wechsel zum Regionalligisten vor den Toren Münchens bezeichnete der Youngster gegenüber dem Portal fussball.de als "Win-win-Situation. Der Verein steckt im Abstiegskampf und wollte sich in der Winterpause auf einigen Positionen verstärken, um den Klassenverbleib noch zu schaffen. Ich habe einen Klub gesucht, für den ich nur bis Sommer spielen kann." Scholl hat laut eigener Aussage einige Angebote gehabt, wollte allerdings keinen Vertrag bis 2021 unterschreiben. 


Im kommenden Sommer will der 23-Jährige im Idealfall zu einem Profiklub wechseln. "Ich bin transparent genug, um zu sagen, dass Garching eine kurze Zwischenstation sein soll", erklärte der Offensivspieler. "Es geht darum, viel zu spielen, mich zu zeigen und natürlich dem VfR zu helfen. Dass ich wieder zurück in meiner Heimat bin, ist ein positiver Nebeneffekt." Beim bislang einzigen Pflichtspiel in diesem Jahr gegen die U23 von ​Greuther Fürth (0:0) kam Scholl als Einwechselspieler zum Zug. Auch in der Regionalliga Bayern ist aufgrund der Corona-Pandemie nicht abzusehen, wann die Saison fortgesetzt werden kann.