Das vorweg: Ich bin schon seit langem infiziert. Ne, ne, nicht mit dem Coronavirus. Das ist bislang, so hoffe ich doch, an mir vorbeigegangen. Jedenfalls habe ich keines der klassischen Symptome. Nein, es geht um einen Virus im ideellen Sinne. Es ist die Fußball-Begeisterung, die mich schon vor Jahrzehnten gepackt hat und mich auch nicht in dieser zwangsverordneten Pause loslässt. Im Grunde genommen fühle ich mich gerade wie sich wohl auch ein Drogensüchtiger fühlen muss, wenn er auf kalten Entzug gesetzt wird. Ein Erlebnis-Bericht.


Mittwoch, 25. März 2020


Was man in diesen Zeiten nicht so alles lernt. Dass es z.B. mal eine Heilige Corona (oder Korona) gab. Auch Stephana genannt. Diese war eine Märtyrerin in den Anfangszeiten des Christentums. Also zu einer Zeit, als die Anhänger Jesu noch gnadenlos verfolgt wurden. 

In jenen grauen Vorzeiten also war ein Soldat namens Victor (Victor von Siena, oder auch Victor von Damaskus) gefangen genommen worden. Stephana oder Corona stand Victor während seines Martyriums bei, tröstete und ermutigte ihn so gut das in seiner Lage eben möglich war. Doch weil die Häscher Corona verdächtigten, mit einem der Soldatenkollegen Victors verbandelt zu sein, wurde auch sie festgenommen, verhört und gefoltert. 


Corona - von der Märtyrerin zur Geißel der Menschheit


Den (erlösenden) Tod nach unaussprechlichem Leiden fand sie dann auf besonders grausame Art und Weise: ihre Extremitäten wurden zwischen zwei runtergebogenen Palmstämmen gefesselt. Die Stämme wurden dann aus ihrer Spannung gelöst und zerrissen beim Zurückschnellen die arme Corona in zwei Hälften. 


Wenn ich diese Geschichte höre, wünsche ich mir in diesem erzwungenen Beinahe-Hausarrest fast, dass man auch ein Virus "foltern" kann. Doch das stünde ja dem christlichen Gebot, keine Rache auszuüben (oder Gewalt anzuwenden) entgegen. 


Und ist in Bezug auf ein Virus sowieso totaler Quatsch. Ein Virus ist ja nicht beseelt oder zu irgendeiner rationalen Handlungsweise fähig. Ein Virus existiert einfach. Es hat auch keine Schuld an der momentanen globalen Misere. Die haben wir uns ganz höchstselbst eingebrockt. Ob man ein Virus überhaupt als Lebewesen bezeichnen kann? Eher nicht. Es ist weder Tier noch Pflanze noch gehört es zu den Pilzen. Wissenschaftler sprechen deshalb eher von einer "dem Leben nahestenden" organischen Struktur. Denn im Gegensatz zu Tieren, Pflanzen oder Pilzen kann ein Virus nicht aus sich selbst heraus existieren (um den Begriff "überleben" zu vermeiden). Es braucht einen Wirt. Ohne den geht es ein. 


Das Motto bleibt weiterhin: haltet Abstand!


Und deshalb ist es jetzt so wichtig, dem Virus sämtliche Wirts-Potentiale zu nehmen, sprich: sich vor ihm (bzw. anderen Menschen als sein möglicher Träger und Über-Träger) zu verbergen. Das geht am besten in häuslicher Isolation (oder Quarantäne), einem der ältesten Heilmittel der Menschheit. 


Um so unverständlicher, dass es immer noch ein paar (sehr wenige, zugegebenermaßen) Unbelehrbare gibt, die dies nicht einsehen wollen. Soziale Distanz ist jetzt das Gebot der Stunde. 


Ganz zaghaft meint man beim täglichen Blick auf die Corona-Tabelle schon erste Anzeichen einer Besserung der Lage zu erkennen. Doch die Virologen sind da noch vorsichtig. Und so lange die keine Entwarnung geben, muss man halt weiterhin die heimischen vier Wände bewohnen und nur für das allernotwendigste das Haus oder die Wohnung verlassen. 


Irgendwann aber wird auch diese schwere Zeit vorübergehen. Werden wir wieder gemeinsam lachen, singen, spielen oder einfach nur zusammenleben. Und wird die Erinnerung an dieses Virus verblassen. So wie auch die Erinnerung an die Heilige Corona über die Jahrhunderte seit ihres Todes im Nebel des Vergessens verschwand.