Die Corona-Krise bringt nicht nur wirtschaftliche Schäden für den Fußball mit sich. Wie und ob die Saison zu Ende gespielt wird, ist auch mit rechtlichen Fragen verbunden. Laut Sportrechtsexperte Christoph Schickhardt sind die zum 30. Juni auslaufenden Verträge kein großes Hindernis, schwieriger verhält es sich seiner Meinung nach bei einer Gehaltsobergrenze.


Allerspätestens bis zum 30. Juni, heißt es immer wieder, soll die Fußballsaison 2019/20 zu Ende gespielt werden. Dieser Stichtag leitet den Übergang zur nächsten Saison ein, denn einerseits öffnet das Transferfenster am 01. Juli, andererseits laufen dann auch die Verträge zahlreicher Spieler aus. Vom einen auf den anderen Tag müssten zahlreiche Klubs also auf teils wichtige Leistungsträger verzichten, die mitten im Saisonendspurt fehlen. 


Dieses Problem ließe sich aber einfach lösen, wie Schickhardt bei ​Sport1 behauptet. Denn einerseits seien viele Verträge über mehrere Jahre datiert, andererseits hätten die Vereine mit den wichtigsten Spielern längst verlängert. "Ein kleiner Teil Spieler bleibt da übrig, der dann keinen Vertrag hätte", so Schickhardt, "mit denen kann man dann ganz zwanglos und einverständlich den Vertrag bis zum 30. August verlängern, das ist arbeitsrechtlich kein Problem." 


Dies könne selbstverständlich nur mit dem Einverständnis des Spielers erfolgen, sei "auf Vorlage und Ratschlag der DFL" aber "unproblematisch möglich". Sollte ein Spieler die kurzzeitige Verlängerung ablehnen, "dann spielt der Verein ohne diese Profis. Die Spieler, die das nicht mitmachen, [...] werden aber auch keinen anderen Verein finden. Die sägen dann an ihrem eigenen Ast, auf dem sie sitzen." 


Auch Vorverträge angeblich kein Hindernis


Doch was, wenn sich ein Spieler bereits mit einem neuen Verein auf einen Vertrag ab dem 01. Juli geeinigt hat, wie zum Beispiel Alexander Nübel, der nach der Saison von ​Schalke 04 zum ​FC Bayern wechselt? "Das sind Kleinigkeiten, die können die Interessengemeinschaft der Profifußballer lösen", erklärt der Sportrechtsexperte. "Schalke verlängert einfach den Vertrag mit Nübel bis zum 30. August und die Bayern einigen sich auf irgendeine Lösung. An Herrn Nübel wird das nicht scheitern."


Transferfenster könnte verschoben werden


Statt solch einer Sondervereinbarung sei aber auch möglich, das Transferfenster zu verschieben. Dies könne die DFL "jederzeit unter Beachtung staatlicher Gesetze und übergeordneter rechtlicher Gesichtspunkte" vereinbaren. Schickhardt vertritt damit die allgemeine Meinung, dass die Verträge strikt zum 30. Juni enden, selbst wenn die Saison darüber hinaus weitergespielt werden sollte. 

Christian Seifert

  Wenn die Bundesliga erst im Juli beendet werden kann, könnte die DFL das Transferfenster nach hinten verschieben


Dementgegen behauptete Prof. Dr. Philipp Fischinger im Interview mit dem kicker: "Nach meiner Einschätzung enden die Arbeitsverträge aber unabhängig von ihnen nicht mit dem 30. Juni, wenn die Saison bis circa Ende Juli oder Mitte August fortgesetzt wird und die 'Transferfenster' so verschoben werden, dass vor der nächsten Saison Wechsel möglich sind. Stattdessen laufen sie bis zum tatsächlichen Saisonende." So sei im Mustervertrag des DFB der Vermerk "Ende des Spieljahres 2019/20" hinter der Vertragslaufzeit angegeben. Aufgrund einer "Störung der Geschäftsgrundlage", die mit der aktuellen Wettbewerbsunterbrechung vorhanden ist, würden sich die Verträge daher automatisch bis zum Saisonende verlängern. 


Schickhardt warnt vor Salary Cap: "Wird irgendwie umgangen"


Problematischer erscheint dagegen die Einführung eines Salary Cap. "Ich bin gegen alle Zwänge. Ich habe meistens die Erfahrung gemacht, dass Zwänge umgangen werden. Diese Gehaltsobergrenzen werden dann irgendwie umgangen", glaubt Schickhardt. 


Die am vergangenen Wochenende ​von Martin Kind ins Spiel gebrachte Gehaltsobergrenze sei "als Ultima Ratio" möglich, per se appelliert Schickhardt aber an die Vernunft der Klubs und Verbände: "Im europäischen Fußball muss die UEFA strikte Regeln einhalten und konsequent Überprüfungen vornehmen [...] und wir müssen lernen, nicht jeden Euro, der eingenommen wird, an Spieler und Berater weiterzugeben, sondern mit einem erheblichen Teil nachhaltige, wirtschaftliche Strukturen zu finanzieren wie Rücklagen und Eigenkapital."