​Jeder Fußballfan hat seine ganz eigene Geschichte, wie er zum geilsten Sport der Welt kam. Sei es ein Elternteil, von dem man im jungen Alter in die Kurve geschleppt wurde oder ein Spieler, den man unbedingt live im Stadion sehen wollte. Bei mir fing die Arenen-Karriere erst relativ spät an. Das 2:0-Auswärtsspiel bei Borussia Dortmund 2014 war mein persönlicher Auftakt bei ​Bayer 04 Leverkusen.


Schon seit kleinauf bin ich Anhänger der Werkself. Gebürtig aus Leverkusen, meine Schule war im Stadtteil Schlebusch - überall war Bayer 04 angesagt. Erstmals im Stadion war ich aber erst 2011, im Nachhinein herrscht in der Familie kollektive Ahnungslosigkeit, warum der Zeitpunkt erst so spät kam. Als endgültiger Wendepunkt in meinem Fan-Dasein sollte sich die Saison 2014/15 herausstellen, als ich meine erste Dauerkarte für die BayArena erhielt.


Dortmund, Topspiel, auswärts und dazu ein gut aufgelegter Bellarabi


Doch die Saison startete mit einem Auswärtsspiel. Das erste Topspiel der Saison hieß ​Borussia Dortmund gegen Bayer 04 - und ich war dabei. Zusammen mit einem guten Kumpel ergatterte ich Karten für den Gästeblock. Es war mein erstes Auswärtsspiel überhaupt. Und dann auch noch im Fußballtempel Deutschlands! Die Freude war riesig.


Auf der Fahrt nach Dortmund erlebte ich dann meinen ersten Kulturschock. Die Leverkusener Szene entschied sich, per Regionalexpress die Reise anzutreten. Mein junges, naives Ich stand also auf einmal inmitten betrunkener und grölender Fans. Und die eigentlich knapp eine Stunde dauernde Bahnfahrt zog sich auf mindestens das Doppelte. Unterm Strich, es war immerhin Ende August, kam der komplette Bayer-Tross ziemlich verschwitzt am Dortmunder Bahnhof an. Und ich war mittendrin.


Doch erst mit Anpfiff begann der richtige Wahnsinn - und der ließ nicht lange auf sich warten. Bereits nach neun Sekunden netzte ein gewisser Karim Bellarabi zum 1:0 ein. Wie sich später rausstellen sollte, war es das damalig schnellste Tor der Bundesligageschichte. Und es wurde noch viel besser.


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Die neuformierte Truppe um den ebenso neuen Trainer Roger Schmidt spielte einen bombastischen Fußball. Allen voran der auferstandene Bellarabi machte ordentlich Betrieb. Die mehreren Tausend mitgereisten Leverkusener zogen auf der Tribüne mit. Und ich war sofort süchtig. Die Stimmung, die Emotionen und nicht zuletzt das Gemeinschaftsgefühl sorgten dafür, dass ich mich sofort angekommen fühlte. Das späte 2:0 durch Stefan Kießling setzte dem Zirkus noch die Krone auf.


Faszination Stadion - etwas ganz Besonderes


Obwohl ich zuvor schon mehrere Male im Stadion war und zumindest vor der heimischen Couch oder im Radio viele Spiele der Werkself mitverfolgt hatte, war dieses Spiel irgendwie anders. Ich wollte von nun an immer mehr vom Verein miterleben und das Team immer weiter antreiben. Dieser Moment, kurz bevor ein Tor fällt, wenn alle gleichzeitig einatmen und auf einmal durchdrehen... es motiviert mich auch heute noch.


Nach einer Saison Sitzschale in der Leverkusener Nordkurve konnte ich etwas glücklich in den Stehbereich wechseln. Auch auswärts versuchte ich, solang es zeitlich und finanziell möglich war, mitzureisen (meine Auswärtsquote hält sich allerdings arg in Grenzen...). Bis heute hat sich dies nicht verändert, auch wenn der Wechsel von der Schule zur Uni mich inzwischen zeitlich mehr einspannt.


Live im Stadion dabei zu sein, am besten noch im Steher, das muss man mal erlebt haben. Unzählige geile Momente durfte ich bislang so erleben. Ich habe Traumtore gesehen, Spielwenden befeiert und vom großen Coup geträumt. Doch auch Tränen wurden schon vergossen (90 Prozent davon übrigens beim Abschied von Kieß). Aber das gehört irgendwie auch dazu.


Daneben fand ich aber auch viele Freunde über den Verein, mit denen man auf unzählige gemeinsame Momente zurückschauen kann. Seien es teils chaotisch-organisierte, teils feierwütige Auswärtsspiele, emotionale Ausbrüche während des Spiels oder einfach nur das ruhige pre-Game-Gespräch. Fußball vereint die Erlebnisse aller.


Als ich mit Krämpfen geplagt in der Nacht nach meinem ersten Auswärtsspiel in mein Bett fiel, konnte ich noch nicht ahnen, was da alles noch auf mich zukommen würde. Die noch folgenden dutzenden Spiele über mittlerweile über fünf Jahre haben mich stark geprägt, aber wem geht das nicht so. Die Hinfahrten von Auswärtsspielen erlebe inzwischen auch nicht mehr als naives Ich, mit der Zeit wurde ich von der grölenden Masse aufgenommen.


Saison 2014/15 als Leverkusener Wendepunkt


Das Duell in Dortmund war übrigens nicht nur für mich ein wichtiges Spiel, auch für die Werkself läutete es eine neue Ära ein. Unter Schmidt spielte man insbesondere zu Beginn einen famos-erfolgreichen Fußball. Spieler wie Bellarabi, aber auch Kai Havertz oder Julian Brandt starteten unter ihm bei der Werkself durch. Auch wenn die Zeit des Coaches jäh endete, sind die Folgen aus dieser Ära und auch aus diesem Spiel heute immer noch spürbar.


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Mich erfüllt es mit Stolz und Freude, wenn ich an dieses Spiel zurückblicke. Für mich war es immer ein Maßstab für alles, was noch folgen mag. Obwohl ich als abergläubischer Anhänger inzwischen Dortmund meide - meinen letzten Spiele im Signal Iduna Park waren, nett ausgedrückt, nicht so schön anzusehen -, verbinde ich mit dem BVB immer diese Partie, auch wenn das jüngst erkämpfte 4:3 ernstzunehmende Konkurrenz ist.


Jeder, der schon mal live im Fanblock war, kann meine Zeilen hoffentlich nachvollziehen. Und jeder, dem dieses Erlebnis noch fehlt, kann ich nur eines sagen: Mach es! Es macht süchtig!