Heute vor sechs Jahren trug sich Pep Guardiola in die Geschichtsbücher der ​Bundesliga ein. Mit einem 3:1-Sieg bei Hertha BSC feierte der FC Bayern die frühste Meisterschaft der Bundesliga-Historie. Es war eine herausragende Debütsaison des katalanischen Star-Trainers, der beinahe ungeschlagen blieb, danach jedoch den Fokus auf die Champions League legte. Ein Rückblick auf die Rekord-Meisterschaft des Rekordmeisters.


Der Sommer 2013 stand im Zeichen der Veränderungen. Wenige Monate zuvor peinigte Bayern den Erzrivalen ​Borussia Dortmund gleich auf dreifache Weise: In der Bundesliga wurde man mit 25 Punkten Vorsprung Meister, Anfang April wurde die Verpflichtung von Mario Götze bekanntgegeben und am 25. Mai 2013 schlug der FCB den BVB im Champions-League-Finale von London mit 2:1. Die Bayern waren auf dem Fußball-Olymp angekommen, angetrieben von drei schmerzhaften zweiten Plätzen im Vorjahr. Doch das sollte nicht das Ende, sondern erst der Anfang einer bis heute währenden Dominanz sein.


Nach einigen Gerüchten und immer dichteren Anzeichen verkündete der Verein am 16. Januar 2013 Vollzug: Pep Guardiola, der Erfolgstrainer des ​FC Barcelona, unterschrieb für drei Jahre an der Säbener Straße. Nach einem Sabbatical wollte sich der Katalane auch im Ausland beweisen, größer könnte die Herausforderung für ihn nicht sein. Schon im August 2012 erklärte Heynckes, er werde seinen auslaufenden Vertrag nicht verlängern - nun war klar, wer sein Erbe antreten würde.


"Thiago oder nix"


Die Ankunft von Guardiola wurde intensiv verfolgt, die Präsentation des Weltklubtrainers von 2009 und 2011 sahen Millionen Menschen vor den TV-Bildschirmen. Sogar die erste Trainingseinheit wurde live übertragen. Guardiola ist ein autoritärer Charakter, der seine Machtansprüche früh unterstrich. "Thiago oder nix" lautete seine heute legendäre Forderung, dass Thiago Alcántara, ausgebildet in Barcelonas Fußballschule La Masia, doch bitte verpflichtet werden soll. Wenige Tage später brachten Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge und der damalige Sportvorstand Matthias Sommer den Transfer unter Dach und Fach. 

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Pep Guardiola mit Wunschspieler Thiago Alcántara



Guardiola änderte wenig an der Grundausrichtung, stellte vorerst auf 4-1-4-1 um. Eine Besonderheit: Am vierten Spieltag ließ er Philipp Lahm erstmals im defensiven Mittelfeld spielen. Der eigentliche Rechtsverteidiger und Kapitän überzeugte so sehr, dass er das Spiel in 32 Partien von dort aus lenkte und waltete; auch, weil Königstransfer Thiago allein wegen eines Syndesmosebandrisses im Sprunggelenk und einem Innenbandriss im Knie 25 Pflichtspiele verpasste. Doch auch ohne ihn sollten die Bayern die Bundesliga dominieren.


Bei seiner Premiere feierte Guardiola einen 3:1-Sieg über Borussia Mönchengladbach, immer wieder waren die TV-Kameras dabei auf ihn gerichtet. An der Seitenlinie gab er viele Kommandos, die für Außenstehende kaum verständlich sind. In den ersten Wochen taten sich die Bayern schwer, siegten in Frankfurt mit 1:0 und gegen Nürnberg mit 2:0, ehe sich Freiburg ein 1:1 erkämpfte. Doch Woche für Woche wurde das Pressing giftiger, das Kombinationsspiel flüssiger. Beim 1:1 in Leverkusen - dem erst zweiten Punktverlust - dominierte Guardiolas Elf nach Strich und Faden, weshalb er trotz des verpassten Sieges mehr als zufrieden war. 


FC Bayern so dominant wie noch nie


Danach verging fast ein halbes Jahr, in dem die Bayern Sieg um Sieg feierten. Bremen ging am 15. Spieltag mit 0:7 unter; Frankfurt erlitt am 19. Spieltag ein 0:5. Nach zwei 4:0-Siegen über Freiburg und Hannover kassierte Schalke ein 1:5, Wolfsburg sogar ein 1:6. 


Die Gegner begannen vermehrt zu mauern, die oberste Aufgabe lautete, so lange wie möglich die Null zu halten. Die Bayern wurden jedoch immer schwerer zu verteidigen, zu flexibel, zu dynamisch, zu dominant war die Übermacht aus der bayrischen Landeshauptstadt. 

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Mit einer Plastikschale feierten die Bayern-Stars die frühste Meisterschaft der Geschichte



Es war längst nur noch die Frage, wann die Bayern die 24. Meisterschaft der Vereinsgeschichte perfekt machen würden. Genau heute vor sechs Jahren, am 25. März 2014, war es soweit: In einer englischen Woche gastierten die Münchner bei Hertha BSC. Ohne Mario Mandzukic, Franck Ribéry und Thiago in der Startelf, mit Lahm an der Seite von Bastian Schweinsteiger auf der Doppelsechs, Götze auf dem linken Flügel, Toni Kroos auf der Zehn und Thomas Müller in der Spitze stand es bereits nach 14 Minuten 2:0. 

In Minute sechs erzielte Kroos nach Vorlage von Müller das Führungstor, kurz darauf legte Götze, der vom kicker die Note 1,5 erhielt, nach. Den Schlusspunkt zum 3:1 setzte der eingewechselte Ribéry in Minute 79.


Das denkwürdige Heimspiel gegen Real Madrid


Im Anschluss gab es nur ein 3:3 gegen Hoffenheim, ja sogar ein 0:1 in Augsburg und ein 0:3 gegen den BVB. "Die Bundesliga ist vorbei, wir haben gewonnen", sagte Guardiola nach der Niederlage gegen den FCA. 


Er wollte wieder die Champions League gewinnen - doch im Halbfinal-Duell gegen ​Real Madrid erlitt er seine größte Niederlage. Nach dem 0:1 im Hinspiel ließ Guardiola die Spieler über die Taktik bestimmen - der Plan ging nach hinten los. Nach 90 Minuten stand ein 0:4 auf der Anzeigetafel. 

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Nichtsdestotrotz feierte Guardiola mit dem Double eine herausragende Saison. Die Bundesliga gewann der FC Bayern mit 90 Punkten (29 Siege, 3 Unentschieden, 2 Niederlagen) bei einer Tordifferenz von +71 (94:23). 16 Mal spielte die Mannschaft zu Null, während der Hamburger SV mit 75 Gegentoren die schlechteste Abwehr der Liga stellte. Es war eine Saison, die mit leichten Abstrichen am Rande der Perfektion gespielt wurde.