Wegen der Spielunterbrechung in den nationalen Ligen ruht auch der internationale Fußball. Die Europameisterschaft wurde auf 2021 verschoben, das erhoffte Sommerfest fällt für die UEFA flach. Joachim Löw wollte die Verschiebung in keinster Weise als Vor- oder Nachteil werten, doch der Weltmeister von 2014 könnte bei der Jagd nach dem Titel von einigen Faktoren profitieren. 90min nennt drei Gründe, warum Deutschland 2021 zu den Titelfavoriten zählen könnte.


Zwei Hoffnungsträger ohne Druck

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Wegen ihren Kreuzbandverletzungen war die Zeit für Leroy Sané, vor allem aber für Niklas Süle knapp. Ersterer ist nach der Weltmeisterschaft 2018 zur neuen Stammkraft auf dem Flügel aufgestiegen und zählt ohne Wenn und Aber zu den wichtigsten Spielern für Löw. Sané kehrte zu Jahresbeginn wieder auf den Trainingsplatz zurück und hat nun anderthalb Jahre Zeit, um sich für sein erstes großes Turnier mit der Nationalmannschaft vorzubereiten.


Gleiches gilt für Süle, der die EM seit seinem Ausfall im Oktober fest im Blick hatte. Der Abwehrchef des FC Bayern und der Nationalmannschaft hätte nur ungern auf die Endrunde verzichtet, kann sich von nun an aber endgültig auf seine vollständige Genesung fokussieren und bei den Bayern nach vorne arbeiten. Der Konkurrenzkampf ist zur neuen Saison groß, insofern wird Süle Top-Leistungen abliefern müssen, um wieder regelmäßig zu spielen - davon wird auch Bundestrainer Löw profitieren. 


Während die Offensive auch ohne Sané rollte, ist die Rückkehr von Süle ein wichtiges Zeichen für Löw, der mit einigen Schwierigkeiten in der Innenverteidigung zu kämpfen hatte. Mit beiden Spielern im Kader erhält der 60-Jährige ein klares Upgrade, das die DFB-Elf noch stärker macht.


Die Automatismen können reifen

Joshua Kimmich,Leon Goretzka,Leroy Sane,Nico Schulz

"Wir hatten eine Strategie entwickelt. Ich habe viel Hunger und unglaublichen Willen in der Mannschaft gespürt - einen besonderen Spirit", sagte Löw am vergangenen Mittwoch auf der Pressekonferenz des DFB über die Entwicklung innerhalb der Mannschaft (dpa, zitiert via ZDF). Die Verschiebung könnte ihr also den Wind aus den Segeln nehmen - aber sie ist auch eine Chance.


Nach dem Umbruch, der stückweise vollzogen wurde, spielte die Nationalmannschaft teils erfrischenden Fußball, aber sie steht erst ganz am Anfang einer neuen Ära. Die Spieler müssen erst zusammenwachsen, im neuen System müssen erst die Automatismen reifen. In den verbliebenen Monaten bis zum EM-Start wäre das kaum möglich gewesen, nun aber besitzen Löw und die Seinen die Gelegenheit, sich als Mannschaft weiterzuentwickeln.


"Ich vergleiche das mit der Mannschaft von 2010, die plötzlich entstanden ist", so Löw. Damals erreichte Deutschland das Halbfinale, scheiterte knapp am späteren Weltmeister Spanien und setzte sich im Spiel um Platz drei gegen Uruguay (3:2) durch. Ein ähnlicher Turnierverlauf ist bei einer positiven Entwicklung nicht auszuschließen.


Erfolgsgier der Routiniers

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Neben zahlreichen jungen Spielern gehören auch alte Haudegen wie Manuel Neuer, Toni Kroos 

oder Marco Reus zur Nationalmannschaft. Speziell für Neuer und Kroos könnte es das letzte große Turnier auf internationaler Ebene sein. 


Beide dürften besonders hungrig ins Turnier gehen; denn was ist schöner, als sich mit einem Titel zu verabschieden? Philipp Lahm, Miroslav Klose und Per Mertesacker machten es beim WM-Triumph 2014 vor - Neuer, der am Freitag seinen 34. Geburtstag feiert, und Kroos, der im Januar zwar erst 30 Jahre alt wurde, aber dennoch mit einem Rücktritt aus der Nationalmannschaft in Verbindung gebracht wurde, könnten im kommenden Jahr folgen. Die EM-Trophäe ist die einzige, die ihnen in der Vitrine fehlt.