​Nachdem der Manager Max Eberl kürzlich noch verlautbart hatte, dass ​Borussia Mönchengladbach selbst bei einem Saisonabbruch nicht existenzgefährdet sei, legt er nun mit einigen Ausblicken auf die zu erwartenden Konsequenzen der durch die Corona-Pandemie verursachten finanziellen Engpässe nach. Zudem hat er einen Wunsch, der sich über den Fussball hinaus auch auf die Gesellschaft in ihrer Gesamtheit übertragen lässt.


Selbst bei fehlenden Einnahmen durch die bei einem eventuellen Saisonabbruch nicht gezahlten TV-Gelder geht es bei ​Borussia Mönchengladbach weiter - so der Kern seiner kürzlich getätigten Aussagen. Das stetig realistische Wirtschaften seit seinem Amtsantritt 2008 zahlt sich nun offenbar in der Krise aus. 


Im Interview mit Sky sprach Eberl nun über die wahrscheinlichen Konsequenzen der Spielausfälle für die Vereine und zeichnete dabei ein wenig erfreuliches Bild. Dennoch gab sich der Macher der Borussia nicht gänzlich dem Pessimismus hin und verglich sich am Ende gar mit einem Weltmeister.


Eberl sieht bis "Ende April noch keine Spiele"


Nachdem die ​DFL angekündigt hat, eine Verlängerung um vier Wochen der eigentlich bis Ende März angedachten Spielpause ​anzuraten, hält auch Eberl eine Wiederaufnahme der Liga vor Ende April für unrealistisch. "Momentan ist es eine schwierige Situation, aber auch die werden wir meistern. Ich denke mal, dass auch bis Ende April definitiv kein Spiel stattfinden wird. Dementsprechend weiß man auch dann noch nicht, wann es wieder losgehen wird", malt der Manager für die nähere Zukunft schwarz. 

Max Eberl

"Es wird Einschnitte geben" - Max Eberl



Die konkreten Auswirkungen der Corona-Krise versucht der 46-Jährige abzufedern, auch wenn er und Geschäftsführer Stephan Schippers vor einer schweren Aufgabe stehen.


"Wir werden große Beträge verlieren. Dementsprechend sind die Vereine gerade dabei, diesen Notstand vorzubereiten. In der letzten Woche haben wir in Gladbach sehr viel dafür gearbeitet und mit Mitarbeitern über Themen wie Kurzarbeit gesprochen. Nach der Corona-Krise wird es auf jeden Fall eine andere Situation geben. Wie diese aussehen wird, kann ich nicht sagen. Aber ich bin mir sehr sicher, dass es Einschnitte geben wird."

"Alle waren sofort dabei!"


Angesprochen auf den von der Mannschaft einstimmig beschlossen Gehaltsverzicht, zeigt sich Eberl stolz und dankbar. Während ​diese Maßnahme beispielsweise bei Borussia Dortmund noch diskutiert wird, zeigten sich die ​Gladbacher Spieler als erstes europäisches Team sofort solidarisch mit Verein und Mitarbeitern.​ 


"Nach der DFL-Sitzung habe ich am Dienstag zunächst dem Mannschaftsrat und dann der gesamten Mannschaft mitgeteilt, auf welche Probleme der Verein stoßen kann. Der Mannschaftsrat hat dann sofort erklärt, dass das Team für die Mitarbeiter da sein will. Alle waren sofort mit dabei. Jetzt geht es darum, den Menschen, die uns geholfen haben, diese Erfolge hier zu ermöglichen, zu helfen", sagt Eberl und betont die Gemeinschaft bei der Borussia: 


"Wir möchten keinen verlieren und gemeinsam durch diese Krise kommen."

Denis Zakaria

Gespräche um einen eventuellen Transfer von Denis Zakaria liegen auf Eis



Neben der Ankündigung vorerst keine Gespräche zu eventuellen Vertragsverlängerungen führen zu wollen, liegen auch etwaige Verhandlungen um Abgänge auf Eis. 


"Das ist dann aktuell der vierte oder fünfte Punkt, den man zu bedenken hat. Wir haben gerade ganz andere, nicht so schöne Themen zu bearbeiten. Wir würden uns freuen, wenn wir wieder über Transfers sprechen können, denn dann haben wir einen großen Schritt aus der Corona-Krise gemacht", erwidert Eberl auf die Frage nach einem Stand der Verhandlungen mit Denis Zakaria.

Solidarität als Wunsch - Berti als Vorbild


Eberl gibt sich auch in diesem Interview gewohnt reflektiert und nachdenklich. Auf die Frage nach einem persönlichen Wunsch, weitete er die Antwort auf die gesamte Gesellschaft aus.


"Ich hoffe, dass die Gesellschaft die großen Probleme meistert und wir im Fußball unseren kleinen Beitrag dazu leisten können, damit wir wieder zur Normalität zurückkehren.​ Dieses Wort "Solidarität" ist groß. Ich hoffe, dass das in allen Bereichen Einzug behält. Ich glaube, da sind wir am Anfang. Zuletzt haben wir das ein Stück weit schleifen lassen. Viele haben mehr nach sich als nach anderen geschaut. Ich wünsche mir, dass dieses große Wort "Solidarität" dann auch nach der Krise mit Leben gefüllt wird." - man kann sich seinen Gedanken nur anschließen.

Berti Vogts

Ähnlicher Spielertyp wie Eberl - Berti Vogts


Abschließend sorgte Eberl für einen humorvollen Einblick in die Gedanken zu seiner eigenen Spielerkarriere - in 146 Pflichtspielen pflügte er als Rechtsverteidiger der Borussia die Spielfelder Deutschlands. Die Frage nach seinem Idol war für den jetzigen Manager leicht zu beantworten, denn neben Lothar Matthäus und Sören Lerby hatte es ihm primär ein Weltmeister von 1974 angetan:


"Ohne, dass ich jetzt anmaßend sagen will, dass ich genauso gut war wie er, habe ich ihm in seinem Spielstil geähnelt. Dieses "terrierhafte", hartnäckige und unangenehme Eigenschaft kam meinem Spielstil schon sehr nahe. Dementsprechend war Berti Vogts früher auf dem Bolzplatz immer mein Vorbild."


Wenn man rekapituliert, wie hartnäckig Eberl in seiner glaubhaften und fokussierten Art mittlerweile jahrzehntelang auf und neben dem Platz die Werte der Borussia verkörperte und verkörpert, dann liegt der Vergleich auch für den gemeinen Beobachter nahe - in den Bereichen Ballbehandlung und Torgefahr gibt es kaum einen treffenderen.