​Momentan herrscht beim ​Hamburger SV angespannte Ruhe. Ein Burgfrieden. Denn zuletzt hatte es innerhalb des Vorstandes und zwischen Vorstand und Aufsichtsrat heftig geknallt. Ohne dass die dem Zwist zugrundeliegenden Faktoren seitdem bereinigt worden wären. Das soll am morgigen Mittwoch geschehen. Und könnte in eine Neuformierung des Vorstandes noch in dieser Woche führen. Mit ​ Marcell Jansen als neuem starken Mann auf der HSV-Kommandobrücke?


Die Wege von Marcell Jansen und Bernd Hoffmann sind seit dem Jahr 2008 miteinander verbunden. Damals war Jansen noch Spieler (und kam gerade vom ​FC Bayern München nach Hamburg) und Hoffmann fungierte, wie heute auch, als Vorstandsvorsitzender des Klubs. 


Werder-Trauma als Keim der heutigen Krise?


Es war die ominöse Saison, an deren Ende der HSV binnen 19 Tagen sämtliche Titelhoffnungen (auf Meisterschaft, DFB-Pokal und UEFA-Cup) begraben musste. Ausgerechnet der Nordrivale aus Bremen schmiss die Hamburger zunächst aus dem nationalen Pokalwettbewerb, anschließend aus dem internationalen und machte schließlich auch alle (wenn auch geringen) Meisterschaftshoffnungen ein für alle Mal zunichte. 


Dieses dreifache Aus in nicht einmal drei Wochen - und gegen den historischen Erzrivalen - sorgte damals für eine allumfassende Depression im Klub. Im weiteren Verlauf kam es zum großen Knatsch - und Trainer Martin Jol schmiss das Handtuch. Jansen erlebte damals als direkt Beteiligter mit, wie Hoffmann, auch aus dem Frust der Werder-Wochen heraus, vor allem der Mannschaft und dem Trainer die Schuld am traumatischen Saisonkehraus gab. Ohne einen Hauch von Selbstkritik. Das, so munkelt der Hamburger Boulevard, hat sich Jansen bis heute gemerkt.


Nach Hoffmanns knapp errungenem Einzug in den Aufsichtsrat (im Zuge seiner Wahl zum Vereinspräsidenten des Hamburger SV e.V.) vor zwei Jahren sollen sich beide dann ausgesprochen haben. Dabei soll Hoffmann, so zumindest berichtet es die Mopo, Jansen gegenüber Fehler eingeräumt haben. Das schien diesen auch fürs erste zu besänftigen. 

Im weiteren Verlauf harmonierten die beiden sogar so gut miteinander, dass Hoffmann Jansen Ende 2018 als seinen Wunsch-Nachfolger als Vereinspräsidenten anpries. Hoffmann selbst hatte da schon wieder den Posten des Vorstandsvorsitzenden "zurückerobert". 


Jansen mit Ambitionen auf Vorstandschef-Posten?


Doch seit geraumer Zeit scheint die Harmonie zwischen den beiden aufgebraucht zu sein. Über die Gründe dafür gibt es verschiedene Versionen: Dem Hoffmann zugeneigten Lager zufolge, soll Jansen Ambitionen auf den Vorsitz des Vorstandes haben. Im Hintergrund soll Klaus-Michael Kühne, der als Jansen-Fan gilt, die Strippen ziehen, um diesen "Machtwechsel" herbeizuführen. Jansens Umfeld weist diese Darstellungen zurück. Und zielt mehr auf Hoffmanns wiederholte Einmischungen in ihm fremde Kompetenzbereiche ab. Stichwort: Teamgedanke. 

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Jansen trägt die Raute im Herzen



Den hatte Jansen, kurz nach Hoffmanns Wahl zum Vereinspräsidenten vor zwei Jahren, noch vehement eingefordert. "Das Wichtigste für mich ist, dass der Aufsichtsrat ein gemeinsames Ziel hat“, sagte er damals. "Es geht nur um den Erfolg des HSV", so Jansens damalige Worte. "Wenn ich das Gefühl habe, dass es um Teamplay geht und auch so bleibt, ist für mich alles gut." 


Ganz offensichtlich hat Jansen dieses Gefühl seit einiger Zeit verlassen. Zudem soll er sich von Hoffmann auch schlichtweg nicht ernst genug genommen fühlen. Und genau aufgrund dieser Gemengelage mehren sich die Stimmen derer, die eine baldige Neubesetzung des Vorstandes (mit Jansen an der Spitze) prognostizieren. 


Letzter Versuch, die Risse zu kitten


Vorher aber bemüht sich der Klub noch darum, die Angelegenheit ohne (medienwirksamen) Paukenschlag und hinter verschlossenen Türen zu bereinigen. Morgen wollen Aufsichtsratchef Max-Arnold Köttgen und sein Stellvertreter Andreas Peters zusammen mit Jansen Einzelgespräche mit dem Vorstand (Vorstandsvorsitzender Bernd Hoffmann, Sportvorstand Jonas Boldt und Finanzvorstand Frank Wettstein) führen, um zu eruieren, ob eine weitere Zusammenarbeit, und sei es "nur" bis zum Saisonende, überhaupt noch darstellbar ist. Das dem so wäre, gilt mittlerweile als unwahrscheinlich. 


Es könnte also noch in dieser Woche zu einer Neubesetzung des Vorstandes beim HSV kommen.