​Während der turnusmäßigen gemeinsamen Sitzung von Aufsichtsrat und Vorstand des ​Hamburger SV am vergangenen Donnerstag wurde mehr als deutlich, dass die kolportierten Verwerfungen zwischen Vorstandschef Bernd Hoffmann und seinen Kollegen ganz offenbar der Realität entsprechen. Schnelles Handeln vom Aufsichtsrat ist jetzt gefragt.


Denn offenbar geht es mehr als nur um leichte innerbetriebliche Störungen im Führungszirkel des Vereins. Das Hamburger Abendblatt hatte in den Tagen zuvor Diskrepanzen zwischen Hoffmann und Sportvorstand Jonas Boldt ausgemacht. So soll sich der Vorstandsvorsitzende vermehrt in Dinge außerhalb seines eigentlichen Kompetenzbereiches gemischt haben. 


Bei dem Transfer von Douglas Santos, für den eigentlich Jonas Boldt zuständig war, soll Hoffmann beispielsweise energisch auf eine Finalisierung der Verhandlungen mit den Russen von Zenit St. Petersburg hingewirkt haben - notfalls auch unter Inkaufnahme einer geringeren Ablösesumme. 


HSV-Vorstand gespalten 


Doch geht es anscheinend längst nicht nur um das Verhältnis zwischen Hoffman und Boldt. Auch Finanzvorstand Frank Wettstein soll mittlerweile eine klare Position gegen Hoffmann bezogen haben - und die auch am Donnerstag so bekundet haben. Somit ist die Führungsriege des Hamburger SV untereinander zerstritten, was eine weitere vertrauensvolle Zusammenarbeit im Grunde genommen unmöglich macht. 

Bernd Hoffmann

Im den Vorstand kontrollierenden, siebenköpfigen Aufsichtsrat lag das Kräfteverhältnis zuletzt bei 4:3 pro Hoffmann. Das Kontrollgremium hatte eigentlich geplant die Saison in der momentanen Konstellation zu beenden. Das dürfte sich nach letztem Donnerstag erledigt haben. Die Luft jedenfalls wird für Bernd Hoffmann immer dünner. Nicht nur, dass zuletzt eine Geheimklausel in seinem bis 2021 befristeten Vertrag öffentlich wurde, der zufolge der Aufsichtsrat ihm in diesem Sommer kündigen kann - was bei einem Nichtaufstieg nahezu alternativlos wäre. 


Auch Jansen gegen Hoffmann


Auch ein Gegenkandidat schält sich immer mehr heraus. Hinter vorgehaltener Hand munkelt man in Hamburg schon seit längerem über die Ambitionen des Vereinspräsidenten ​Marcell Jansen, den Part von Bernd Hoffmann als Kopf der sportlichen Führung des Klubs zu übernehmen. 


In dieses Bild passt, dass es am Donnerstag der Bild zufolge zwischen ihm und Hoffmann tatsächlich zu einem Streit gekommen sein soll. Nachdem dann Hoffmann die Sitzung verlassen hatte, soll Jansen den Vorstandschef gegenüber seinen Aufsichtsratskollegen massiv kritisiert haben. 


Von einem "weiter so!" ist angesichts dieser Gemengelage kaum auszugehen. Der Aufsichtsrat ist jetzt gefordert, für Klarheit zu sorgen. Und das möglichst schnell, ehe die Unruhe aus der Führungsetage der Mannschaft genug Entschuldigungen und Alibis dafür liefert, wieder einmal die sportlichen Ziele verpasst zu haben.