Der Hamburger SV hat in seiner langen und ruhmreichen Vergangenheit viele große Spiele erlebt. In lockerer Folge stellen wir euch in den kommenden fußballlosen Wochen die größten von ihnen vor. Heute: das Finale im Europapokal der Pokalsieger 1977. 


Der 11. Mai 1977. Ein lauer Frühlingsabend geht seinem Ende entgegen und knapp 60.000 Zuschauer bevölkern das altehrwürdige Olympiastadion zu Amsterdam. Es ist Finaltag. Das Endspiel im Europapokal der Pokalsieger steht an. Beide Finalisten - der RSC Anderlecht und der Hamburger SV - können ihre jeweils erste europäische Trophäe erobern. Die Belgier haben im Halbfinale die SSC Neapel ausgeschaltet, der HSV hat es ihm gegen Atlético Madrid gleichgetan.

Die Partie, die von Anfang an mit gutem Tempo bestritten wird, geht in der ersten halben Stunde noch klar an die Belgier, die es vor allem mit Distanzschüssen probieren. Doch HSV-Keeper Rudi Kargus kann die meisten parieren. Bei einem Achtzehnmeter-Kracher von Dockx jedoch wäre auch er machtlos gewesen - doch das Leder kracht gegen den Pfosten. 
Nach der anfänglichen Dominanz der Brüsseler kann sich der HSV immer weiter aus der Umklammerung befreien, kommt bis zur Halbzeitpause sogar zu einigen vielversprechenden Aktionen. Dennoch geht es erstmal torlos in die Kabinen. 

Tore von Volkert und Magath


Nach Wiederanpfiff bleiben die Hanseaten am Drücker. Den Belgiern scheint mehr und mehr die Luft auszugehen. Doch es dauert lange, ehe die intensiver werdenden Angriffsbemühungen der Norddeutschen endlich belohnt werden. In der 80. Minute kann der sehr agile Arno Steffenhagen im Strafraum nur durch ein Foul gestoppt werden. Den fälligen Strafstoß verwandelt Georg "Schorsch" Volkert sicher zum 1:0. Jetzt müssen die Belgier natürlich alles oder nichts spielen. 

Verzweifelt werfen sie alles nach vorn - um in der Schlussminute klassisch ausgekontert zu werden. Der auffälligste HSV-Akteur, ​Felix Magath, wird von Volkert im Strafraum bedient und lupft den Ball über den herauseilenden Jan Ruiter hinweg zum entscheidenden 2:0. Der HSV hat zum ersten Mal in seiner Geschichte einen der begehrten drei Europapokale nach Hamburg holen können. Es sollte der Startschuss für die erfolgreichste Dekade des Vereins werden, die mit dem DFB-Pokalsieg gegen die Stuttgarter Kickers zehn Jahre später endet. Seitdem wartet der stolze Klub, der mittlerweile in die Zweite Liga Deutschlands abgerutscht ist, auf neue Silberware für die Vitrinen des vereinseigenen Museums.