Der Platz zwischen den Pfosten ist beim ​Hamburger Sport-Verein seit Jahren nicht überzeugend besetzt. Regelmäßig müssen die Hüter des Tores der Hanseaten mit Zweifeln und Gerüchten funktionieren. Schnell scheint ein Torwart beim HSV nicht mehr der Richtige zu sein - zu schnell? Lange konnte sich kein Torwart mehr beim HSV langfristig etablieren.


Daniel Heuer Fernandes, Julian Pollersbeck und Tom Mickel. Die Namen, die für den HSV durch den Strafraum segeln, könnten in der ​2. Bundesliga größer kaum sein. All diese Torhüter haben bereits bewiesen, dass sie zu den besten ihres Fachs in der 2. Liga gehören.

Die Stallorder wird dabei regelmäßig hinterfragt, denn auch die Nummer Eins des HSV wird in regelmäßigen Abständen erneuert - eine Sache der Einstellung, des Willens und der Liebe zum HSV.



Der HSV und die Torhüter


In den Jahren nach Rost, Adler und Drobny ist es auf der Position des Torwarts bei den Rothosen nie so wirklich ruhig geworden. Zu Beginn jeder Saison wird ein neuer Mann verpflichtet, der endlich wieder Kontinuität in das Tor des HSV bringen soll - bislang vergebens. Dabei ist der Torwart der Rückhalt einer Mannschaft, eine Person, auf dessen Fähigkeiten sich eine ganze Mannschaft verlassen können muss. 


Auch zu Zeiten der Coronakrise gibt es neue Gerüchte in Hamburg. Der ehemalige Schalker ​Timon Wellenreuther würde gerne aus den Niederlanden nach Deutschland zurückkehren und wird bereits mit dem HSV in Verbindung gebracht. Droht eine erneute Torwart-Frage im Volkspark?

Die Nummer Eins: Daniel Heuer Fernandes


In der laufenden Saison hütete der vom ​SV Darmstadt gekommene ​Daniel Heuer Fernandes in jedem Spiel das Tor der Hamburger und kassierte dabei 28 Gegentore in 25 Partien, also gut eins pro Spiel im Schnitt. Damit steht der HSV zwar im direkten Vergleich recht gut da, allerdings stehen dem auch nur sechs Spiele gegenüber, in denen die Weste des Portugiesen weiß blieb.

Der ehemalige U21-Torhüter Portugals zeigt nicht selten, warum der HSV ihn von Darmstadt loseiste, besonders im "Eins gegen Eins" lässt die aktuelle Nummer Eins seinen Gegenspielern kaum eine Chance. 

Daniel Heuer Fernandes


Die Bälle, die auf das Tor des 27-Jährigen kommen, sind häufig unhaltbar. Jedoch zeichnet einen guten Torwart auch aus, dass er den ein oder anderen "Unhaltbaren" parieren kann. 

Auch in der Strafraumbeherrschung zeigt sich Heuer Fernandes teilweise unsicher. Die Kommunikation mit seinen Vorderleuten stimmt oft nicht. Zwar zeigt sich der 1,88 Meter große Schlussmann präsent und ist für seine Mitspieler als Anspielstation verfügbar, seine langen Pässe und Abschläge landen aber nicht selten in den Reihen des Gegners.


Ohne Zweifel ist Heuer Fernandes ein sehr guter Torwart mit einigen Fähigkeiten, die ihn zurecht momentan die Nummer "1" auf dem Trikot tragen lassen. Ob er für höhere Aufgaben bestimmt ist, ist allerdings fraglich.

Die Nummer Zwei: Tom Mickel

​Tom Mickel ist ein fast unscheinbarer, aber elementarer Teil des HSV. Ein Profi, den es in der Art kaum noch gibt in der großen Stadt Hamburg. Mickel lebt den HSV, ist oft mit dem Fahrrad im Volkspark, legt keinen Wert auf Luxus und teure Statussymbole, brennt für das Team, strahlt eine unvergleichliche Fannähe aus und ist immer da, wenn er gebraucht wird. Ein Spieler, der speziell im Umgang mit den Fans eine wichtige Rolle spielt. Wenn man Tom Mickel an der Seitenlinie beobachtet dann merkt man, dass ​die Raute im Herzen der Nummer "12" verankert ist.


Tom Mickel,Daniel Heuer Fernandes


Zu Einsätzen hat es für den Sympathieträger allerdings in dieser Saison nur in der Regionalliga gereicht, wo er zweimal das Tor der U21 hütete und einmal hinter sich greifen musste.

Dass Mickel ein guter Torwart ist bewies der 30-Jährige immer, wenn er einspringen musste.

Vor der Saison als Nummer Zwei installiert hätten viele den U19-Europameister gerne als Nummer Eins zwischen den Pfosten gesehen, weil Mickel ein Typ ist, mit dem man sich identifizieren kann.

Für das Trainerteam scheinen die Fähigkeiten von Mickel jedoch nicht auszureichen, um als Nummer Eins aufzulaufen.

Die Nummer Drei: Julian Pollersbeck

Der junge ​Julian Pollersbeck wurde mit großen Erwartungen an die Elbe geholt. Der damals frisch gebackene U21-Europameister ​sollte der neue Star im Tor des damaligen Bundesligisten werden. Letztendlich ging der heute 25-Jährige allerdings als der Torhüter in die Geschichtsbücher ein, mit dem der Hamburger SV erstmals abstieg.

Für einen Spieler in dem jungen Alter ein Schicksal, das schwer zu verarbeiten ist, denn an Pollersbeck lag es nicht, dass der Gang in die Zweitklassigkeit angetreten werden musste.


Julian Pollersbeck

Unumstritten war Pollersbeck allerdings auch selten. Fehlende Einstellung wurden ihm nachgesagt. Er sei lieber im Hamburger Nachtleben unterwegs gewesen, als sich auf die Aufgaben mit dem HSV zu konzentrieren, was sich in seinen Leistungen abzeichnete und ihm einen schweren Stand in der Mannschaft einbrachte. Zu sehr lag sein Fokus außerhalb des Platzes.


Vor der Saison wurde Julian Pollersbeck sogar zur Nummer Drei degradiert, was für ihn einen Platz auf der Tribüne bedeutete. Auch seine Trikotnummer änderte sich von der "1" zur "33", eine mehr als deutliche Message des Vereins in Richtung Pollersbeck. Oft stand "Polle" kurz vor dem Absprung; Viele - auch große Vereine - waren an ihm dran, zu einem Transfer kam es letztendlich jedoch nicht. 


Nicht mehr als fünf Spiele in der Regionalliga kann Julian Pollersbeck in dieser Saison vorweisen - eine extrem schwache Quote für einen Torhüter seines Formats.

Die Suche nach Kontinuität


​Dass Personalien beim HSV schnell angezweifelt und ersetzt werden bekommen nicht zuletzt vor allem die Torhüter zu spüren. Die Suche nach der Optimalbesetzung für die Position zwischen den Pfosten scheint eine wahre Herausforderung im Volkspark zu sein.

Wehmütig wird man in die Vergangenheit blicken, in welcher der HSV große Tormänner in den eigenen Reihen hatte, die lange Zeit unumstritten waren.


Auch in der Gegenwart ist der Wunsch groß, einen unumstrittenen Rückhalt im Tor stehen zu haben - die lange Suche nach Kontinuität.