Die durch die Corona-Pandemie verursachte Zwangspause der ​Bundesliga und die möglichen Folgen ​bedrohen die Existenz vieler Klubs. ​Zwar gehört ​Borussia Mönchengladbach vorerst nicht zu den stark gefährdeten Vereinen, doch auch die Fohlen würden bei längerer Spielpause oder einem möglichen Abbruch der Saison auf bis zu 35 Millionen Euro verzichten müssen. Das fehlende Geld könnte Sportdirektor Max Eberl über eigentlich nicht angestrebte Spielerverkäufe teilweise kompensieren, auch wenn dies gegen das neugewonnene Selbstverständnis der Borussia sprechen würde - der Manager steht vor einem Drahtseilakt.  


Eigentlich wähnte man sich bei Borussia Mönchengladbach endlich in einem Zustand angekommen, der Spielerverkäufe nur bei komplett unmoralischen Angeboten alternativlos werden lässt. Während die Fohlen in der Vergangenheit stets auf die Erlöse aus den Verkäufen ihrer besten Pferde im Stall angewiesen waren, betonte Manager Max Eberl in der laufenden Saison mehrmals, dass sich die Zeiten ein wenig geändert hätten. 


Zwar sei man weiterhin den Konkurrenten um ​Bayern München oder ​Borussia Dortmund finanziell klar unterlegen, doch könne man mittlerweile Leistungsträger eher in den eigenen Reihen halten. Durch die drohenden finanziellen Ausfälle aufgrund des Wegfalls von Zuschauereinnahmen und TV-Geldern müssen Eberl und Geschäftsführer Stephan Schippers nun abwägen, ob sie in diesem Jahr ohne die Veräußerung von Stammpersonal auskommen werden. Während Abgänge von Spielern mit hohem Marktwert wie Alassane Plea, Marcus Thuram oder Matthias Ginter eher nicht zu erwarten sind, konzentriert sich der mögliche "Notverkauf" auf zwei Eidgenossen.


Zakaria und Elvedi als mögliche Quellen für Millioneneinnahmen


Dass Denis Zakaria im Fokus mehrerer europäischer Top-Vereine steht, ist keine Überraschung. Der 23-jährige Schweizer Nationalspieler hat unter Trainer Marco Rose einen weiteren Entwicklungsschritt genommen und ist bei der Borussia unumstrittener Stammspieler. Sein aktueller Marktwert wird auf 45 Millionen Euro taxiert - bei einem bis 2022 laufenden Vertrag und dem potentiell noch nicht erreichten Leistungszenit der Mittelfeld-Krake ein realistischer Betrag.​ 


Bislang wurde prognostiziert, dass ein Abgang Zakarias bei einer Qualifikation der Borussia für die ​Champions League unwahrscheinlich ist, doch die veränderte Situation könnte seinen Abschied besiegeln - auch wenn der sportliche und menschliche Verlust immens wäre.

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Schweizer Duo mit hohem "Mehrwert": Nico Elvedi (l.) und Denis Zakaria


Ein weiterer Kandidat für einen ungewollten Verkauf wäre Zakarias Landsmann Nico Elvedi. Auch der Innenverteidiger hat unter Rose nochmal einen Sprung gemacht und war systemunabhängig neben Matthias Ginter gesetzt. Der Vertrag Elvedis läuft nur noch bis zum Sommer 2021, somit war schon vor der Corona-Pandemie über einen Wechsel spekuliert worden. Sein Wert wird auf 30 bis 35 Millionen Euro geschätzt und würde damit die möglichen Löcher in der Kasse im Alleingang stopfen. Ohne Elvedi zu nahe treten zu wollen, wäre sein Abschied aus sportlicher Sicht ein wenig leichter zu verkraften als ein Verlust von Zakaria.

 

EM-Verschiebung als Preisbremse


Einen Abnehmer für Denis Zakaria​ zu finden würde kein Problem darstellen. Neben den momentan gehandelten Interessenten ​FC Liverpool, Atletico Madrid und dem - wenn es um Gladbacher Spieler geht - üblichen Schnäppchenjäger ​Borussia Dortmund soll laut der Berliner Morgenpost vor allem ​Manchester United als möglicher Käufer infrage kommen - Zakaria gelte "als Wunschspieler der Red Devils".

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Auftritt bei der EM im Sommer vorerst noch ungewiss: Die Schweizer "Nati"


Sollte die für den kommenden Sommer angesetzte Austragung der Europameisterschaft 2020 tatsächlich verschoben werden, würden etwaige Verkäufe weit unter den nach einem Großturnier üblichen Summen abgewickelt werden. Während Zakaria seinen Wert wohl selbst bei einer überragenden EM nur noch marginal steigern würde, hätte dies für einen möglichen Transfer Elvedis Konsequenzen in Millionenhöhe, da beide Spieler nicht vor einem Milliardenpublikum auf sich aufmerksam machen könnten. 


So oder so steht Max Eberl vor der schwierigen Aufgabe, die kommenden Wochen und Monate richtig einschätzen zu können. Er wird das Wohl des Vereins immer über Einzelschicksale stellen und daher wäre ein Verkauf von mindestens einem der genannten Profis folgerichtig - auch wenn man als Borussia Mönchengladbach eigentlich den nächsten Schritt machen wollte. Dass die dann erzielten Einnahmen nicht in den Kader, sondern in die Krisenbewältigung fließen würden, wäre im Hinblick auf die Geldreserven anderer Vereine ein weiterer Nackenschlag.