Am vergangenen Wochenende stand die Fußballwelt still: Kein Ball rollte in den deutschen Stadien und auch die Programme der großen Pay-TV-Sender mussten sich eine Alternative einfallen lassen. Was tut man als Abonnent nun, wenn die Sender aufgrund der Coronakrise nicht das gewünschte Programm liefern können?


Für viele Deutsche ist das Schauen von Fußballspielen vor dem Fernsehgerät ein Ritual. Mittlerweile sind die Übertragungsrechte der Spiele jedoch auf eine Vielzahl verschiedener Unternehmen aufgeteilt. Um wirklich alle Spiele der Ligen und internationalen Wettbewerbe sehen zu können, muss der Kunde mitunter tief in die Tasche greifen. 


Mit der Entwicklung rund um das ​Coronavirus stehen die Unternehmen und auch die Kundern vor einer Situation, die es so noch nie gegeben hat. Den Umständen geschuldet, erhält der Verbraucher von den Anbietern nicht den Service, für den er viel Geld bezahlt. Die BILD zeigt die Reaktion der einzelnen Unternehmen auf - Kunden können teilweise auf Kulanz hoffen.


Telekom 

​Die Telekom war der erste Sender, der auf die aktuelle Lage reagiert hat. Auf "Magenta Sport" können die Zuschauer die Spiele der 3. Liga live verfolgen, aber auch Eishockey und Basketball werden gezeigt. Das Abo kostet den Kunden 9,95 Euro im Monat.

MSV Duisburg v Preussen Muenster - 3. Liga

Die Telekom zeigt sich kulant - Kunden erhalten eine Gutschrift und müssen im März nichts bezahlen. Für den Fall, dass auch im April kein Fußball gezeigt werden kann (Basketball und Eishockey sind bereits beendet), würde sich das Unternehmen laut BILD eine "faire" Lösung einfallen lassen.


Sky

Der teuerste Sender in der Liste (24,99/Monat für das Sport- und Bundesligapaket) hat bislang noch nicht auf die Situation reagiert​. Noch gibt es vom Unternehmen keine Entschädigungen für den bezahlenden Kunden. Sky geht davon aus, dass die ausgesetzten Spiele zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden würden. Als Alternative zu ​Bundesliga & Co. bietet ​Sky nun Dokus an.

SKY Sport Mikrofon

Auf Nachfrage der BILD nach der Vorgehensweise des Unternehmens, wenn die Bundesliga beendet würde, äußerte Sky: "Davon gehen wir aktuell nicht aus. Sollte es in den kommenden Monaten dennoch soweit kommen, dass eine beträchtliche Anzahl von Sportveranstaltungen vollständig abgesagt wird, werden wir die Situation neu bewerten und unsere Kunden informieren." Kunden können demnach auf eine Einigung mit dem Bezahlsender hoffen, müssen sich allerdings noch gedulden.


DAZN

Auch ​DAZN übertragt zur Zeit anstatt Live-Sport verschiedene Dokus. Der 11,99 Euro im Monat teure Anbieter ist allerdings monatlich kündbar (sofern man sich nicht für das Jahresbao entschieden hat). Es ist also davon auszugehen, dass DAZN aufgrund der aktuellen TV-Flaute einige Kunden verlieren wird - ein flexibler Vorteil für den Verbraucher. Eine offizielle Stellungnahme seitens DAZN gab es bislang noch nicht.

Hertha BSC v FC Schalke 04 - Bundesliga


Handlungsspielraum und Ansprüche des Kunden - was ist möglich?


Die BILD befragte einen Verbraucherrechtler zur aktuellen Situation und die Ansprüche der Kunden. Arndt Kempgens erläuterte: "Wenn der Vertragspartner seine tatsächliche Leistungspflicht (Sportübertragung) nicht mehr erbringen kann, wird er von seiner Leistungspflicht frei. Er muss also nicht mehr liefern, weil es ja gar nicht mehr geht. Allerdings verliert er insoweit parallel natürlich auch seinen Zahlungsanspruch. Kunden haben daher auch einen Rückzahlungs- bzw. Kürzungsanspruch. Die Höhe hängt davon ab, wie groß Anteil und Bedeutung des Sport-Anteils zum Gesamtprogramm sind." 


Demnach eine verzwickte Situation sowohl für den Anbieter, der von den Kunden finanziert wird, als auch für den Kunden, der für den ausfallenden Dienst Geld bezahlt, aber im Gegenzug nicht die gewünschte und vertraglich festgehaltene Leistung erhält.


Gibt es ein Sonderkündigungsrecht?


Auch auf diese Frage liefert der befragte Verbraucherrechtler der BILD eine plausible Antwort:

"Wenn der Totalausfall länger dauert und ein Ende nicht absehbar ist, kommt auch ein Sonderkündigungsrecht in Betracht. Das ist möglich, wenn sich die tatsächlichen Umstände nach Vertragsschluss derart schwerwiegend ändern, dass auch eine Vertragsänderung für den Kunden unzumutbar ist."


Die Dauer des Leistungsentfalls ist also entscheidend. Nun zählt, wie lange und in welchem Umfang die Ligen und internationalen Wettbewerbe pausieren und demnach die Leistungen der Anbieter einschränken.