​Der ​Coronavirus hat die Bundesliga fürs erste stillgelegt; wie es weitergeht, ist offen. Auf die Klubs kommen nun arbeitsrechtliche Fragen zu: Wer zahlt das Gehalt weiter? Was passiert mit den Verträgen, wenn die Saison bis in den Juli geht? Arbeitsrechtler Dr. Johan-Michel Menke hat sich im kicker damit befasst.


Üblicherweise geht eine Saison im Profifußball vom 1. Juli bis zum 30. Juni des Folgejahres. Dementsprechend laufen auch Spielerverträge in der Regel bis zum 30.6., Selbiges gilt zum Beispiel für Leihgeschäfte. In der aktuellen Ausnahmesituation ist es nun aber durchaus denkbar, dass die Saison 2019/20 eben nicht bis Ende Juni beendet ist - was passiert dann mit den Verträgen?


"Bei einem späteren Saisonende müssten im Einklang mit den lizenzrechtlichen Vorgaben Sondervereinbarungen getroffen werden", erklärte Arbeitsrechter Dr. Johan-Michel Menke im kicker. Aufgrund der "Eigenart der Arbeitsleistung" wäre eine verlängerte Befristung nach Menkes Meinung erst einmal gerechtfertigt, "die Herausforderung dürfte aber auf der Ebene der Spielberechtigung liegen, zum Beispiel bei einer Verlegung der Transferfenster".

Alexander Nuebel

Eigentlich ist Alexander Nübel ab dem 1. Juli ein Spieler des ​FC Bayern



Falls die Saison bis in den Juli hinein andauern würde, sei es laut Verbandsstatuten legitim, eine Sondervereinbarung zu treffen, damit ein Spieler, dessen Vertrag am 30. Juni ausläuft, noch weiterhin für seinen "alten" Klub spielt. Sofern eine solche Sondervereinbarung aber nicht getroffen wurde, könnte ein Spieler arbeitsrechtlich nicht gezwungen werden, weiterhin aufzulaufen. Menke glaubt aber "an die Solidarität in der Fußballfamilie".


Des Weiteren hat sich der Jurist mit der Frage befasst, wie es aktuell mit der Bezahlung der Profis aussieht: Da die Partien lediglich zum Gesamtschutz abgesagt sind und sich die Spieler, in welcher Form auch immer, weiter fit halten, hätten sie auch ganz normalen Anspruch auf ihr Grundgehalt. "Entgangene Prämien dürften hingegen nicht unbedingt durchsetzbar sein, insbesondere, wenn man Pandemien nicht zum Betriebsrisiko zählt", erklärte Menke.


Dies gelte natürlich nur für Spieler, die nicht erkrankt und in Quarantäne sind - also zum Beispiel nicht für ​Timo Hübers von ​Hannover 96 oder ​Luca Kilian vom ​SC Paderborn. Wie jeder normale Arbeitnehmer auch hätten beide erst einmal einen Anspruch auf Lohnfortzahlung für sechs Wochen, doch es sei davon auszugehen, dass ein Tätigkeitsverbot ausgesprochen worden ist. Hier entschädigt dann der Staat in Höhe des Verdienstausfalls für bis zu sechs Wochen. 


Schicken die Vereine ihre Spieler in Kurzarbeit?


Darüberhinaus hat Menke noch eine Empfehlung an die Klubs: "Um die wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus abzumildern, könnte aus Klubsicht über die Möglichkeit von Kurzarbeit nachgedacht werden." 


Tatsächlich hat sich Drittligist Waldhof Mannheim darüber bereits Gedanken gemacht: "Wenn die Saison abgebrochen wird, besteht die Möglichkeit, unsere Spieler in Kurzarbeit zu schicken", sagte Geschäftsführer Markus Kompp der Bild.