Nach dem vorzeitigen und zunächst zwischenzeitlichen Stopp der ​Bundesliga-Saison bis Anfang April machen sich nach und nach die Probleme breit. Laut Bild-Informationen ist die DFL beispielsweise nicht gegen eine Pandemie versichert - das könnte vor allem schwere finanzielle Folgen nach sich ziehen.


Mit der Krise um den grassierenden Coronavirus gehen auch einige Probleme in der ersten und zweiten Bundesliga einher. Der ruhende Spielbetrieb hat (u. a. durch TV-Gelder) einen direkten und nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die Finanzkraft einiger Vereine. 

Christian Seifert

Christian Seifert hat dieser Tage als DFL-Chef alle Hände voll zu tun



Wie die Bild berichtet, ist die DFL - im Gegensatz zu anderen Ligen wie in Spanien, Italien oder auch England - nicht gegen Spielabsagen oder -unterbrechungen aufgrund einer Pandemie versichert. Sollte die aktuelle Saison also nicht mehr zu Ende gespielt werden, würde man auf den fehlenden TV-Einnahmen sitzen bleiben. Eine Menge Geld, was fehlen und für den einen oder anderen Verein eine sehr große Herausforderung und Krise bedeuten würde. Manchem Klub könnte im schlimmsten Fall sogar die Insolvenz drohen.


Update: ​DFL-Geschäftsführer Seifert nahm am Montag zur fehlenden Pandemie-Versicherung Stellung. Er bestätigte, dass die Liga nicht gegen solche Fälle versichert ist, erklärte aber auch, dass dies auch für die übrigen europäischen Ligen gelte.


Gravierende Folgen für mehrere Bundesligisten - TV-Gelder vor fehlender Auszahlung


Laut Bild werden Vereine wie ​Werder Bremen, ​​Fortuna Düsseldorf, ​Mainz 05, sowie der ​1. FC Köln, der ​SC Paderborn und Zweitligist ​Nürnberg akut bedroht sein. Das geht mit dem finanz-taktischen Aspekt einher, dass Einnahmen nicht zur Rücklagenbildung benutzt, sondern direkt in den sportlichen Erfolg gegeben werden - also beispielsweise in Spielertransfers und -verträge. Die genannten Vereine können zudem nicht aus finanziell lukrativen sportlichen Erfolgen schöpfen, wie es die Qualifikation für einen europäischen Wettbewerb sein kann. 


​Schalke 04 und der ​Hamburger SV gelten demnach ebenfalls als "gefährdet". Durch finanzstarke Funktionäre wie Clemens Tönnies oder Klaus-Michael Kühne soll jedoch zumindest eine gewisse Sicherheit herrschen. Auch ​Borussia Dortmund soll sich sicherheitshalber um einen zweistelligen Millionen-Kredit bemüht haben, um den sehr teuren Profikader ohne Probleme weiterhin beschäftigen zu können. Die Gehälter sollen jedoch problemlos gezahlt werden können. So oder so werden zahlreiche Vereine gewisse Sparmaßnahmen einleiten müssen, von Kurzarbeit an möglichen Stellen, über den theoretischen Gedanken, dass manche Spieler aus Solidarität auf Gehaltseinbußen verzichten. 


Sehr viel Geld fließt aus den TV-Einnahmen an die Vereine. Diese Zahlungen stehen derzeit aber noch aus, da der Spielbetrieb ruht und somit keine Aufnahmen vermarktet werden können. Alleine im Mai wären noch etwa 384 Millionen Euro zu verteilen, wenn die fünfte und sechste Auszahlung anstehen würde. Geld, was den Vereinen voraussichtlich fehlen könnte. Der kicker hat die ausstehenden Zahlungen visualisiert und für die Vereine aufgelistet.


Ausstehende TV-Gelder der 1. Bundesliga (s.o.)

Verein​Summe in Mio. Euro
​Bayern München​34,84
​Borussia Dortmund​29,81
​Bayer Leverkusen​26,95
​Schalke 04​26,07
​Borussia M'Gladbach​24,39
​RB Leipzig​22,24
​Eintracht Frankfurt​20,12
​VfL Wolfsburg​19,79
​TSG Hoffenheim​19,28
​Hertha BSC​17,38
​Werder Bremen​16,01
​FSV Mainz 05​15,70
​FC Augsburg​14,12
​SC Freiburg​13,13
​1. FC Köln​12.47
​Fortuna Düsseldorf​10,02
​Union Berlin​9,13
​SC Paderborn​8,26

Ausstehende TV-Gelder der 2. Bundesliga (s.o.)

Verein​Summe in Mio. Euro
​VfB Stuttgart​6,53
​Hannover 96​5,95
​Hamburger SV​5,63
​1. FC Nürnberg​4,81
​SC Darmstadt​3,90
​1. FC Heidenheim​3,58
​VfL Bochum​3,53
​FC St. Pauli​3,18
​Arminia Bielefeld​3,08
​Holstein Kiel​2,70
​Greuther Fürth​2,68
​Jahn Regensburg​2,58
​SV Sandhausen​2,41
​Dynamo Dresden​2,35
​Karlsruher SC​2,30
Erzgebirge Aue​2,30
​VfL Osnabrück​2,05
​Wehen Wiesbaden​2,05

DFL berät über Saison-Fortsetzung: Nachteile, Geisterspiele und wegweisende Entscheidungen


Zusätzlich zu den Debatten um die Gelder als solche, gibt es noch immer die offene Frage, wie man allgemein mit dem Rest der Saison umgeht. Fest steht: Sollte diese Spielzeit noch regulär bis zum 30. Juni (Auslaufzeit einiger Spieler- und Trainer-Verträge) beendet werden, müsste man den Spielbetrieb zum 2. Mai wieder aufnehmen. So könnte man die nationalen Termine durch englische Wochen zumindest theoretisch noch nachholen. Das würde dann allerdings Geisterspiele bedeuten, wie auch BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke in der Sportschau erklärte.


Über einen Saison-Abbruch oder eine gänzliche Annullierung wird man keine einstimmige Mehrheit versammeln können. Egal, wie man in welchem Szenario verfährt, es wird Vereine in der ersten und der zweiten Liga geben, die benachteiligt werden. Sei es ein möglicher Aufsteiger, wenn er diesen Erfolg nicht verbuchen kann, oder eine Mannschaft, die sich mühselig die voraussichtliche Europa-Qualifikation erarbeitet hat, die sie nicht antreten darf. 


Da es für all diese Szenarien keinen geregelten Ablauf gibt, kommen am Montag (11.30 Uhr) sämtliche Vereinsfunktionäre in einer DFL-Sitzung zusammen. Dort werden weitere Maßnahmen beraten, sowie über die finanzielle Situation der Klubs gesprochen. Die Bild bezeichnet diese Versammlung als "die wichtigste, die es je gab".


Folge 90min auch in den sozialen Netzwerken:

Instagram @90min _de

Facebook @90minGerman

Twitter @90min_DE