Mit Paderborn-Profi Luca Kilian gab es am vergangenen Freitag den ​ersten positiven Coronavirus-Fall in der Bundesliga. Nach anfänglichen Schwierigkeiten gehe es dem 20-jährigen Innenverteidiger mittlerweile wieder gut, erklärte SCP-Geschäftsführer Martin Przondziono.


Kilian war am vergangenen Freitag der ​erste Bundesliga-Profi, der positiv auf das Coronavirus getestet wurde. Während Kollege Uwe Hünemeier und Trainer Steffen Baumgart ebenfalls Symptome zeigten, jedoch keine Infizierung festgestellt wurde, erging es dem jungen Spieler zunächst ziemlich schlecht.

Martin Przondziono

Martin Przondziono ist seit vergangenem Sommer auch als Geschäftsführer tätig


Martin Przondziono, Sport-Geschäftsführer beim SC Paderborn, erklärte dies im ​Interview mit der Süddeutschen Zeitung: "Er hatte zwei Tage wirklich Probleme, mit Fieber und Schüttelfrost, aber inzwischen geht es ihm besser." Przondziono selbst befindet sich derzeit nicht in Quarantäne, da er keinen direkten Kontakt zu Kilian hatte - allerdings betrifft dies mehrere Spieler sowie "Mitglieder des Funktionsteams", so der Funktionär weiter. Genauere Angaben wie Namen oder Zahlen wollte er aus Gründen der Persönlichkeitsrechte nicht bekanntgeben.


Paderborn erlebt Tage "wie im Thriller"

Die Tage vor dem letzten Wochenende seien "wie im Thriller" verlaufen, beschreibt der 50-Jährige. Schließlich habe man die spezielle Situation vorgefunden, noch ein geplantes Spiel gegen ​Fortuna Düsseldorf auf dem Zettel stehen zu haben, während auch der Trainer vorsichtshalber im Teamhotel geblieben war. "Es war eine Odyssee, ich habe bestimmt hundert Telefonate geführt. Wir haben einen Krisenstab eingerichtet. Die Spieler standen mit großen Augen vor uns. Sie hatten Angst, dass wir zwei Wochen in Düsseldorf im Hotel bleiben müssen", so  Przondziono. Diese Befürchtungen konnte man anschließend durch den ​negativen Test Baumgarts zumindest vorerst ad acta legen.


Im Gegensatz zu zahlreichen Fans hat der Geschäftsführer jedoch auch lobende Worte für die DFL übrig, die für den Geschmack vieler viel zu spät reagierte und den Spieltag erst nach erheblichem Druck absagte: "Die DFL hat eigentlich einen sehr guten Job gemacht. Sie wird jetzt verteufelt, nach dem Motto: Ihr wolltet nur Fußball spielen, ihr seht nur Geld. Aber die DFL hat eine Fürsorgepflicht den Vereinen gegenüber." Damit ist vor allem der finanzielle Aspekt gemeint, und von den nun teilweise starken Einbußen sei auch der SCP betroffen. Natürlich gehe die Gesundheit vor, doch "am Spielbetrieb hängen Arbeitsplätze", betonte Przondziono ebenfalls.

Durch den positiven Test von Kilian seien mehrere dutzend Menschen im Umkreis des Vereins getestet worden. Die dazugehörigen Ergebnisse werden nun "im Laufe der Woche" erwartet. Wie bei vielen anderen Mannschaften auch werden die Profis dazu angehalten, sich zu Hause fit zu halten. In zwei Wochen werde es dann erneute Tests geben. Vor allem die Umstände haben einen Eindruck hinterlassen. "Aber diese Wucht, die die letzten zwei bis drei Tage in die Sache reingekommen ist, damit konnte keiner rechnen. Ich glaube, jetzt haben wir erstmal alles Mögliche getan", gab Przondziono zu Protokoll.


In der nun startenden Woche wird über das weitere Vorgehen in der Bundesliga beraten. Dabei werden sich Vertreter aller 36 Erst- und Zweitligisten zusammenfinden. Przondziono will nicht für einen sofortigen Abbruch plädieren, er weiß jedoch auch, dass man zeitnah nicht wieder spielen wird. Demnach sei es von Bedeutung, "eine ordentliche Lösung zu finden, mit der wahrscheinlich nicht alle zufrieden sein werden, aber mit die meisten", so der 50-Jährige.


Undenkbar sei für ihn jedoch das Szenario, dass die Saison nun gewertet wird und die letzten beiden Klubs - also auch Paderborn - automatisch absteigen würden. Finanziell werde man die Situation zwar nicht ohne Schaden verkraften, aber immerhin "irgendwie überstehen".