​Timo Hübers von ​Hannover 96 war der erste bekannt gewordene Fall eines mit dem Coronavirus infizierten Profis im deutschen Fussball. Nun sprach der 23-jährige Innenverteidiger über seine Situation und die Quarantäne der Mannschaft. Während er gesundheitlich wenige Einschränkungen erleiden muss, geht ihm vor allem die Langeweile auf die Nerven.


Im Interview mit dem vereinseigenen 96TV beschreibt Timo Hübers seinen Gesundheitszustand als "den Umständen entsprechend ganz gut. Heute habe ich leichte Grippe-Symptome, aber nichts, was ich zuvor in meinem Leben noch nicht erlebt habe." Stattdessen macht ihm vielmehr die verordnete Isolation zu schaffen. "Viel schlimmer ist die Langeweile. Bei mir ist es Tag vier von vierzehn - und es ist recht schwer, die Tage rumzubekommen." 


Improvisation gefragt

Für einen jungen Mann, der bislang wesentliche Teile seiner Freizeit der Arbeit auf dem Trainingsplatz opferte, fällt die Umstellung auf einen Platz auf der Couch sichtlich schwer. "Vielleicht werde ich die Playstation noch einmal anschalten, ein Buch rausholen oder online gegen die anderen Jungs Karten spielen. Da gibt es ja leider eher nicht so viele Möglichkeiten", beklagt Hübers und beschreibt den täglichen Umgang mit der Quarantäne als sehr gewöhnungsbedürftig:


"Die Aufgaben meines täglichen Lebens versuche ich an Freunde und Bekannte abzugeben, die nicht unter häuslicher Quarantäne stehen. Jetzt habe ich gerade meinen Einkauf und zwei Pakete hier auf die Fensterbank gestellt bekommen. Es ist ganz viel Improvisation und Geschick gefragt – bisher klappt es super."

Timo Huebers

Hadert mit dem Zwangsurlaub - Timo Hübers


Da seine Mitspieler, Angehörige und Freunde nun ebenso isoliert ihre Tage verleben müssen, wisse er zumindest, dass er nicht alleine sei. "Ich habe sehr viel Zeit mit FaceTime verbracht, viel versucht, den sozialen Kontakt, den man physisch nun nicht hat, virtuell aufrechtzuerhalten. Darüber hinaus haben wir alle Trainingspläne bekommen, die wir versuchen, bestmöglich umzusetzen. Es ist für uns alle eine neue und unbekannte Situation, die wir versuchen, so gut es geht zu meistern." Gerade für das Team könne diese Situation positiv sein, "da die Situation zusammenschweißt. Man geht zusammen durch eine ungewöhnliche Situation."


Die Pause bremst den Aufschwung Hannovers und ist dennoch richtig


Nachdem Hannover die letzten beiden Liga-Partien gewann, kommt die Unterbrechung der ​2.Bundesliga zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt.​ Doch Hübers bemerkt, dass alle Teams von dieser Situation betroffen sind. "Ich denke, wir haben gerade in den letzten beiden Spielen überzeugt, obwohl wir gegen Kiel noch ein paar Probleme hatten. Aber vor allem unser Auswärtssieg in Nürnberg war sehr eindrucksvoll. Klar ist diese Zwangspause jetzt ein Rückschlag für uns, aber damit müssen ja nicht nur wir aktuell leben."

FBL-GER-BUNDESLIGA-HOFFENHEIM-HANOVER

Sehnt sich nach den Duellen auf dem Platz - Timo Hübers


Als er positiv auf das Virus getestet wurde, musste Hübers kurz schlucken. "Zunächst war es wirklich sehr surreal für mich. Natürlich hat man über die Medien schon eine Menge von dem Virus mitbekommen, trotzdem wirkte es noch sehr weit weg." 


Dass ein paar Tage später auch die Infizierung seines Mitspielers Jannes Horn bekannt wurde, überraschte Hübers. "Seit meiner Infizierung hatte ich keinerlei Kontakt zu der Mannschaft, daher hatte ich vermutet, dass sich kein weiterer Spieler aus unserer Mannschaft infiziert habe." Nun befindet sich die gesamte Mannschaft in Quarantäne, doch für Hübers sei dies die völlig richtige Maßnahme:


"So schön der Fußball auch ist, es gibt wichtigere Sachen im Leben: Vor allem die Gesundheit der Bevölkerung und Gesellschaft. Auch wir als Fußballer müssen unseren Teil dazu beitragen." 


Wahre Worte von Timo Hübers und 90min wünscht ihm eine baldige Genesung.