​Das Corona-Virus bemächtigt sich immer mehr des Alltags auch in Deutschland. Nachdem Nachbarländer wie die Schweiz bereits seit einiger Zeit alle Events mit mehr als 1.000 Zuschauern abgesagt haben, wurde dieses Szenario nun auch vom nordrhein-westfälischen Gesundheitsminister als wahrscheinliche Option für die kommenden Wochen in den Raum gestellt. 


Laumann reagierte damit auf die Empfehlung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, der, dem Schweizer Modell folgend, nun ebenfalls Großveranstaltungen in Deutschland flächendeckend absagen (oder vor leerem Publikum stattfinden lassen) will. 


Was das für den heimischen Fußballbetrieb bedeutet, ist klar: zumindest in der von den Behörden angegebenen Frist (die Einschränkungen sollen bislang bis Anfang April gelten) würde das die Austragung von Geisterspielen in allen Bereichen (Ligafußball, europäische Wettbewerbe und Länderspiele) nach sich ziehen.


Terminzwang und Gesundheitsvorsorge müssen miteinander vereinbart werden


Denn auch die DFL, in Person ihres Bosses Christian Seifert, stellte schon unmissverständlich klar, "dass die Saison wie vorgesehen bis Mitte Mai zu Ende gespielt werden muss, um Auf- und Absteiger sowie die Teilnehmer für die internationalen Wettbewerbe zu ermitteln." 

FBL-ITA-SERIEA-JUVENTUS-INTER

In Italien wurde sogar das Topspiel zwischen Juve und Inter zum Geisterspiel



Der terminliche Zwang, den Wettbewerb aufrecht zu erhalten und fristgerecht über die Bühne zu bringen, und die Verpflichtung, die Gesundheit der Bürger (und somit auch der Fußballfans) so gut wie möglich zu schützen, können eigentlich nur mit der Kompromissformel Geisterspiele, und zwar flächendeckend, miteinander verbunden werden. Zwar kann jedes Bundesland in Deutschland - formal - seine eigenen Entscheidungen treffen, doch Laumann wies in der gestrigen Sendung bei "Anne Will" daraufhin, dass eine Empfehlung der Bundesgesundheitsbehörde in der Praxis wie eine Anordnung gehandhabt wird, somit die Länder im Grunde genommen am Ende gar keine andere Option haben, als ihr zu folgen. 


Das zeitnächste Spiel, die Zweitliga-Partie zwischen dem ​VfB Stuttgart und Arminia Bielefeld wird heute - und Stand jetzt - noch im normalen Rahmen, d.h. mit Publikum, stattfinden. Die zuständigen örtlichen Behörden gehen angesichts einer (noch) relativ kleinen Anzahl von Infizierten (die Stadt Stuttgart zählte bis gestern elf Infizierte) noch nicht davon aus, drastische Maßnahmen anwenden zu müssen. Aktuell ergebe sich, so die Stadt Stuttgart (via kicker), "keine Änderung der bisherigen Einschätzung des Gesundheitsamtes, auch vor dem Hintergrund, dass Freiluftveranstaltungen ein geringeres Risiko darstellen." 


Gleichzeitig handele es sich aber auch um ein "dynamisches Geschehen", dessen weiterer Verlauf jederzeit auch andere Maßnahmen nach sich ziehen könnte. 


Die Einschläge kommen also immer näher. Die in Europa am meisten betroffene Region ist Norditalien - quasi nur noch einen Katzensprung von Süddeutschland entfernt.

Wenn man den Kampf gegen die Propagation des Virus wirklich ernst nimmt, und nicht nur als Lippenbekenntnis vor sich her trägt, bleibt den deutschen Behörden eigentlich kaum noch Spielraum, um gegen den Strom zu schwimmen und sich nicht - und zwar relativ zeitnah - den drastischen Maßnahmen der ringsum liegenden Nachbarländer zu folgen.


Geisterspiele in den kommenden Wochen nahezu unvermeidlich - setzt DFB flächendeckend "leere Ränge" durch?

Das Panorama für die kommenden Wochen würde folgendermaßen aussehen: Das Nachholspiel am kommenden Mittwoch zwischen Borussia Mönchengladbach und 1.FC Köln würde vor leeren Rängen ausgetragen werden, ebenso wie am kommenden Spieltag die Partien Fortuna Düsseldorf - SC Paderborn, der Revierschlager BVB - Schalke 04 sowie das Heimspiel des 1. FC Köln gegen Mainz 05.


Ich könnte mir vorstellen, dass der DFB (bzw. die DFL) angesichts der dadurch entstehenden Verzerrungen des Wettbewerbs irgendwann flächendeckend Geisterspiele anordnet, um so eine gewisse Gerechtigkeit für alle zu schaffen. Falls die Vereine nicht von sich aus, aus Solidaritätsgründen, auf diesen Trichter kommen. 

Stadion Innenansicht

Die Ränge des Pariser Prinzenparks bleiben gegen den BVB leer



Auch in den internationalen Pokalwettbewerben könnte bzw. wird es so kommen. Das Spiel in Paris zwischen PSG und dem BVB wird offiziell zum Geisterspiel. Das Spiel zwischen RB Leipzig und Tottenham Hotspur wird, Stand jetzt, dagegen normal ausgetragen. Ob das auch für das Rückspiel der Münchener gegen Chelsea nächste Woche gilt, ist - Stand heute - noch nicht absehbar. 


In der Europa League werden die drei Hinspiele der deutschen Teams (zwei Heimspiele in Deutschland, außerhalb von NRW, sowie ein Auswärtsspiel in Schottland) - Stand jetzt - unter regulären Bedingungen ausgetragen. Doch schon das Rückspiel der SGE in Basel wird vor leeren Rängen ausgetragen werden - womit auch hier gilt: Die UEFA könnte bald dazu übergehen, bis zu einer bestimmten Frist, alle Spiele unter Ausschluss der Öffentlichkeit über die Bühne gehen zu lassen, um eine möglichst große Chancengleichheit zu gewährleisten. 


In Italien plädiert die Spielergewerkschaft derzeit sogar dafür, die aktuelle Saison komplett auszusetzen!


Auf Länderspielebene stehen in der Woche nach den Rückspielen der Champions League eigentlich zwei Länderspiele für die Männer von Jogi Löw an: am 26. März In Madrid (gegen Spanien) und fünf Tage später gegen Italien in Nürnberg. Die Stadt Nürnberg hat bereits durch die Blume verlautbaren lassen, dieses Spiel am liebsten abzusagen. Schließlich sei mit einem massiven Aufkommen italienischer Fans zu rechnen, das Gesundheitsrisiko dadurch extrem erhöht. Auch hier wird man sich auf ein Geisterspiel einstellen müssen, wenn nicht sogar auf die komplette Absage des Spieles. 


Sicherlich Schreckensszenarien für einen jeden Fußball-Fan, aber es ist halt am Ende des Tages auch nur Fußball - die schönste Nebensache der Welt. Unsere Gesundheit sollte es uns wert sein, ihr zuliebe für ein paar Wochen diese Nebensache nur eingeschränkt genießen zu können.