​Zur Zeit ist ​Ousmane Dembélé - mal wieder - verletzt. Die fragile Gesundheit des früheren Dortmunders sorgt aber nicht nur in ​Can Barça für Beunruhigung, sondern auch jenseits der Pyrenäen, in seinem Geburtsland Frankreich. Das Fachblatt L'Equipe gibt aber nicht so sehr dem Spieler die Schuld an den permanenten Verletzungen, sondern sieht die Ursachen vielmehr in den Trainingsmethoden der Katalanen.


Natürlich weiß man auch in unserem westlichen Nachbarland, dass Ousmane Dembélé die im Sommer anstehende ​EURO 2020 verpassen wird. Deshalb gilt es jetzt, einen "Schuldigen" für die Misere auszumachen. Und nachdem der Spieler bereits an der Reihe war, man ihm mangelnde Professionalität vorgeworfen hatte, die sich unter anderem in seinen Ernährungsgewohnheiten widergespiegelt haben soll, schießt L'Equipe jetzt gegen Dembélés Arbeitgeber - und dessen Trainingsmethoden.


Denn in puncto Ernährung hat der FC Barcelona schon vor längerer Zeit gegengesteuert und dem Franzosen einen persönlichen Koch zur Seite gestellt. Der heißt Anthony Audebau - und erklärt: "Es gibt keine Fertiggerichte oder Erfrischungsgetränke mehr. Es gibt für ihn nur noch frisch zubereitete und gesunde Speisen", so Audebau gegenüber der französischen Zeitung (via marca.com). 


"Ousmane ist ein großartiger Fußballer, und er dachte, dass es damit getan sei. Jetzt fängt er an, erwachsen zu werden und zu lernen. Heutzutage isst er Seebrasse, Seebarsch oder Fischhahn und sehr viel Gemüse", erklärt der Koch nicht ohne einen gewissen Stolz. Und auch die Dembélé nachgesagten langen Nächte an der Playstation-Konsole sollen mittlerweile der Vergangenheit angehören. "Es ist schwer zu ertragen, die ganze Arbeit zu sehen und dann das ganze Verletzungspech erleiden zu müssen. Ousmane ist ein sehr häuslicher und ruhiger Typ. Partys gibt es bei ihm nie. Ich habe einen Stundenplan für die Ernährung eingeführt, weil er mich darum gebeten hat. Jetzt ist alles schriftlich festgehalten. Er wird immer professioneller", so Audebau.


Mit der Ursachenforschung bei des Spielers Ernährung und Lebensstil kommt man also auch nicht recht weiter, wenn man dem Koch Glauben schenken darf.


Diskrepanz zwischen Trainingsintensität und Wettkampfbedingungen die Ursache für Dembélés ständige Verletzungen?


Also hat man sich beim FC Barcelona mal die statistischen Daten des Trainings und der Spiele der Katalanen genauer angeschaut. Und stieß dabei auf vielsagende Fakten: gemäß den Auswertungen der GPS-Messungen, die an Dembélé durchgeführt wurden, erkannte man, dass der Spieler während des Trainings nur in 20 Prozent der Spielsituationen zum Vollsprint ansetzt. Diese Zahl steigt jedoch bei jedem Spiel der Blaugrana auf satte 90 Prozent. Bedeutet im Klartext: der Spieler wird im Training nicht an die Erfordernisse im Wettkampf herangeführt. 


In eine ähnliche Richtung verweist Dembélés früherer Trainer bei Stade Rennes, Michel Torin: "Ousmane ist nicht verantwortlich für seine momentane Situation. Vielmehr ist er Opfer seines frühzeitigen Talents. In Rennes hatten wir einen enormen Druck, sowohl im Training als auch in den Spielen, nur dass wir ihn eben nicht verheizt haben", so Torin. "Wenn man sich die Fotos von damals anguckt, sieht man, dass sein Knochenbau noch nicht abgeschlossen war. Er musste noch wachsen. Aber es gab Eile und Druck, den Spieler spielen zu lassen, weil er einfach phänomenal ist, und den Preis dafür zahlt er jetzt. Kurz gesagt: es ist eindeutig, dass er zuviel gespielt hat."


Überlastung durch den von der Ablösesumme generierten Druck? Angesichts der immer horrender werdenden Summen sicher nicht ganz von der Hand zu weisen. Wir wollen nicht vergessen: Dembélé wechselte 2017, nach nur einer Saison beim BVB, für die sagenhafte Summe von 125 Millionen Euro (als Sockelbetrag) zum FC Barcelona. Natürlich ist ein jeder Klub auf der Welt bestrebt, derart viel Kapital gewinnbringend einzusetzen und es nicht auf der Bank oder im Krankenzimmer brachliegen zu lassen. Doch sollte die Gesundheit eines Spielers im Zweifel immer Vorrang haben. Das jedoch wird in diesem Milliardengeschäft wohl nur ein frommer Wunsch bleiben.