Der Fußball hat am Samstag eine neue Dimension erreicht. ​Die zweifache Unterbrechung des Bundesligaspiels zwischen 1899 Hoffenheim und Bayern München wegen Beleidigungen gegen Dietmar Hopp ist ein Exempel, an dem sich der DFB in Zukunft messen lassen muss. Der Tenor: Jetzt muss auch wirklich konsequent durchgegriffen werden.


Die Causa Hopp kochte nicht zuletzt wegen der verhängten ​Fan-Sperre gegen Borussia Dortmund bei Auswärtsspielen in Sinsheim hoch. Versprach Ex-DFB-Präsident Reinhard Grindel einst, "bis auf Weiteres darauf zu verzichten, Strafen zu beantragen, die unmittelbare Wirkung auf Fans haben, deren Beteiligung an Verstößen gegen die Stadionordnung nicht nachgewiesen ist“ (Quelle: ​Handelsblatt), so wurde dieses Wort im Dortmunder Fall missachtet. Ultra-Gruppierungen von ​Borussia Mönchengladbach, Bayern München und dem 1. FC Köln kritisierten die Strafe mit deutlichen Spruchbannern, losgetreten wurde die aktuellste Lawine jedoch von einem Plakat aus der Nordkurve in Mönchengladbach, das Hopp im Fadenkreuz skizzierte.


Dies wurde als Anspielung auf den Protest der Dortmunder Fans vor vielen Jahren ausgelegt, in der Öffentlichkeit wurde allerdings der Vergleich zum Anschlag in Hanau gezogen, dem die Bundesligisten am vergangenen Wochenende mit einer Schweigeminute und Trauerflor gedachten. Die Hypersensibilität der Causa Hopp brachte das Spiel zwischen Hoffenheim und Bayern an den Rand des Abbruchs, auch in Dortmund und Köln wurde die Partie zwischenzeitlich unterbrochen.


Hopp rätselt über Beleidigungen - Der DFB muss ein Zeichen setzen


"Wenn ich nur im Entferntesten wüsste, was diese Idioten von mir wollen, dann würde es mir alles leichter fallen das zu verstehen", sagte Hopp in einem am Sonntagmorgen veröffentlichten Interview mit ​Sport1. "Ich kann mir nicht erklären, warum die mich so anfeinden. Das erinnert an ganz dunkle Zeiten." Dabei dreht sich die aktuelle Diskussion nicht mehr primär um den 79 Jahre alten Klub-Mäzen, sondern um den Umgang des DFB mit Beleidigungen, Diskriminierung und rassistischen Äußerungen. 

Als Jordan Torunarigha im DFB-Pokalspiel zwischen Schalke 04 und Hertha BSC rassistisch angefeindet wurde, gab es nicht einmal eine Durchsage des Stadionsprechers, da Schiedsrichter Harm Osmers erst nach dem Ende der regulären Spielzeit von Hertha-Geschäftsführer Michael Preetz über den Vorfall informiert wurde und somit angeblich der zeitliche Kontext fehlte. Als die U16-Mannschaft der Hertha wegen rassistischer Beleidigungen vom Platz ging, wurde das Spiel für den Gegner gewertet. Als Timo Werner - wie Hopp - wegen einer Schwalbe im Bundesligaspiel zwischen RB Leipzig und Schalke 04 deutschlandweit wochenlang als "Hurensohn" beleidigt wurde oder Schalker Fans per Spruchbanner Freiheit für den BVB-Attentäter Sergej W. forderten, ist nichts dergleichen passiert.

Der DFB scheint sich raushalten zu wollen, forderte dazu auf, dass sich die Kurve bei rassistischen Anfeindungen selbstständig reinigen soll. Nach den gestrigen Vorfällen darf und muss jedoch damit gerechnet werden, dass der Deutsche Fußball-Bund künftig bei Beleidigungen, Diskriminierungen und rassistischen Äußerungen jeglicher Art durchgreift - sonst erhielte man den Eindruck, Hopp genieße einen Sonderstatus.

Dieses Argument wird in den sozialen Medien am häufigsten genannt. So heißt es, man habe sich in der Vergangenheit zu häufig weggeduckt; bei Beleidigungen gegen Hopp - der dafür verantwortlich gemacht wird, dass im August 2011 im Bundesligaspiel zwischen Hoffenheim und Dortmund der Gästeblock mit Störgeräuschen verstummt werden sollte und der 2017 erstmals Anzeige gegen Fans erstattete - verlassen beide Mannschaften dagegen das Spielfeld und es werden Fan-Verbote ausgesprochen.

Will der DFB an Glaubwürdigkeit gewinnen, muss von nun an überall hart durchgegriffen werden. Die Proteste gegen den Dortmunder Fan-Ausschluss, vor allem aber gegen die Geschehnisse vom Samstag werden auch in den vergangenen Wochen in den Stadien thematisiert. Vielleicht war der 24. Spieltag der Fußball-Bundesligasaison 2019/20 der Stein des Anstoßes im Kampf gegen Diffamierung und Rassismus. Oder aber es wird ein Einzelfall bleiben, der das Tischtuch zwischen Fans und Verband zerschneidet.