​Als der ​FC Schalke 04 zu Beginn der Rückrunde die Mannschaft von ​Borussia Mönchengladbach mit 2:0 nach Hause schickte, befanden sich die Gelsenkirchener auf dem fünften Tabellenplatz - punktgleich mit dem Vierten aus ​Dortmund. Fünf Spieltage später hat man sieben Punkte Rückstand auf den ersten ​Champions-League-Rang und nur noch zwei Zähler Vorsprung auf den Tabellenachten. Die Teilnahme am europäischen Wettbewerb in der nächsten Saison ist stark gefährdet und gerade die Ergebnisse gegen die Spitzenteams der ​Bundesliga waren deutlich. 90min betrachtet die einzelnen Mannschaftsteile im Kontrast zur starken Hinrunde.


Der Heimsieg gegen Gladbach war der einzige Erfolg der Schalker in den letzten acht Bundesligapartien - ganze fünfmal spielte die Mannschaft von Trainer David Wagner in dieser Zeit unentschieden. Doch vor allem die beiden krachenden 0:5-Niederlagen gegen die Top-Teams ​FC Bayern München und ​RB Leipzig bremsten die in der Hinrunde entfachte Euphorie um einen Aufbruch bei Königsblauen. In allen Mannschaftsteilen lassen sich Schlüsselfiguren ausmachen, die nicht an ihre Leistungen zu Beginn der laufenden Spielzeit anknüpfen können. 


Hausgemachtes Torhüterproblem

1. Bundesliga"Borussia Dortmund v FC Schalke 04"

​Nach der Verlautbarung seines Bayern-Wechsels im Sommer verschaffte sich Alexander Nübel am 15. Spieltag unfreiwillig selbst eine Zwangspause, als er gegen ​Eintracht Frankfurt nach einer üblen Aktion mit Rot vom Feld ging und die folgenden vier Partien gesperrt war. Sein Vertreter Markus Schubert machte seine Sache ordentlich und hatte im Gegensatz zu Nübel vor allem die Unterstützung der Schalker Anhänger auf seiner Seite. 


Doch als Nübel wieder spielberechtigt war, beorderte Wagner Schubert auf die Bank. Sicherlich entschied sich der Trainer für den stärkeren Torwart, doch die Unruhe um dessen Wechsel und die ablehnende Haltung der Schalker Fans ihm gegenüber scheinen Nübel zu belasten - mehrere schwere Patzer und generell wacklige Auftritte sind die Konsequenz.


Hoffnungsschimmer Abwehr - jedoch nicht gegen die Großen

Jean-Clair Todibo,Pascal Koepke

In der Abwehr steht Schalke relativ stabil​. In der Rückrunde kassierte man gegen Gladbach, ​Hertha BSC​Mainz 05 und den ​SC Paderborn insgesamt nur einen Gegentreffer. Vor allem die Verpflichtung von Jean-Clair Todibo kann als mehr als gelungen bezeichnet werden. Doch in den zwei Partien gegen Leipzig und in München schlug es jeweils satte fünfmal im eigenen Gehäuse ein und die Mannschaft ergab sich ihrem Schicksal - dass man selbst nicht einen einzigen Torerfolg in den beiden Begegnungen feiern durfte, schien der Mannschaft schon vor dem Spiel fast klar zu sein; denn das Hauptproblem liegt in einem anderen Bereich.


Kaum Ideen aus dem Mittelfeld

Amine Harit

​Nach dem 2:0 gegen die Fohlen schoss Schalke in den folgenden fünf Bundesliga-Spielen nur ein Tor - beim 1:1 gegen Paderborn. Man kann die generelle Chancenarmut nicht an einer einzelnen Personalie festmachen, doch der Unterschied zu seinen Auftritten in der Hinrunde ist vor allem bei Amine Harit eklatant. 


Wie die restlichen Offensivspieler zeigt sich der junge Marokkaner zwar gewillt, findet aber momentan nicht die nötige Leichtigkeit und das Selbstverständnis für sein Spiel. Zudem lastet die Verantwortung für das Initiieren von Toraktionen fast gänzlich auf den dünnen Schultern Harits, da seine Kollegen Omar Mascarell und Weston McKennie in erster Linie für die Defensive verantwortlich sind. 


Hinzu kommt der lange Ausfall von Antreiber Suat Serdar, der jetzt wieder auf dem Platz steht, dafür müssen die Schalker aber seit einiger Zeit auf Daniel Caligiuri verzichten. 


Kein Torjäger in Sicht

Benito Raman

Serdar und Harit haben zusammen bisher 13 von 32 Schalker Toren in dieser​ Saison erzählt. Bester nomineller Stürmer in dieser Kategorie ist Benito Raman - mit mageren vier Treffern. Wagner rückte zuletzt immer mehr vom ausgewiesenen Zielspieler Guido Burgstaller ab und will eher mit spielstarken Akteuren in der Offensive agieren. 


Doch weder Raman, noch Ahmed Kutucu, Rabbi Matondo oder die Winterverpflichtung Michael Gregoritsch präsentieren sich auch nur ansatzweise treffsicher. Den auf Schalke glücklosen Mark Uth gab man schon vor der Saison zum ​1.FC Köln ab, wo dieser momentan durchstartet. 


Tönnies gibt sich kämpferisch

Schalke scheint gerade mit der mangelhaften Torgefahr seine Teilnahme am Europapokal​ zu verspielen. Auch wenn die Rückkehr von Suat Serdar und die relativ stabile Abwehr für die restliche Rückrunde Besserung erhoffen lässt, steckt die Mannschaft momentan tief in der Ergebniskrise und muss sich aus dieser erst einmal herausarbeiten. 


Ob die verbleibenden elf Bundesligaspiele dafür genug Zeit darstellen, ist eher fraglich. Clemens Tönnies jedenfalls gibt sich optimistisch und sagt, dass "noch niemand die Rückrunde aufgegeben hat. Es ist normal mal in ein Tief zu kommen. Wir haben schon öfter eine Reaktion gezeigt."