​Eigentlich schien es ein richtig guter Deal zu sein, den der ​Hamburger SV im Sommer letzten Jahres tätigte: Für knapp zwei Millionen Euro lotste Cheftrainer Dieter Hecking den Brasilianer​ Ewerton (30) für das Projekt Wiederaufstieg in den Volkspark. Doch bislang hat sich der Innenverteidiger nicht durchsetzen können. 


In der Spielzeit 2016/17 spielte Ewerton (damals bei Sporting Lissabon unter Vertrag) leihweise für ein Jahr beim damaligen Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern - und fiel damals schon dem heutigen HSV-Trainer auf. Hecking gefiel vor allem Ewertons ruhiger Spielaufbau und sein gutes Kopfballspiel. Grund genug für ihn, den Südamerikaner drei Jahre später für eine neue Aufgabe in Hamburg zu begeistern.


Doch seine Zeit beim Dino stand von Anfang an unter einem unglücklichen Stern. Zunächst verpasste der Innenverteidiger weite Teile der Saisonvorbereitung aufgrund einer Verletzung, die er sich beim sommerlichen Strandfußball im Rahmen eines Heimaturlaubes zugezogen hatte. Vielleicht als Folgeerscheinung dieser Malaise zog er sich kurz nach Beginn der Saison auch noch einen Syndesmosebandanriss zu und fiel erstmal längerfristig aus. 

Ewerton Jose Almeida Santos

Als er sich dann im Winter gerade wieder an die Stammformation herangekämpft hatte (mit drei Einsätzen und dabei 141 Minuten Einsatzzeit noch vor der Winterpause), wurde ihm sein desolater Auftritt beim Testkick in Lübeck Anfang des Jahres zum Verhängnis. Der schlechten sportlichen Leistung folgte dann, einen Tag später, auch noch eine Disziplinlosigkeit, als er verspätet zum Training erschien. Die Quittung: Er war erstmal raus, und Rick van Drongelen bekam den Platz in der Innenverteidigung neben seinem Landsmann Timo Letschert. 


Denkt Hecking nach den Eindrücken des Derbys um?


​Und weil es die Konkurrenten auf der Innenverteidigerposition relativ gut machten, hatte Hecking auch erstmal keinen Grund, seine zentrale Defensive umzustellen. Das bekräftigte der Coach auch nochmal nach der bitteren Niederlage im Stadtderby gegen den FC St. Pauli (via Mopo): "Es gab bisher null Grund an der Innenverteidigung irgendetwas rumzumäkeln!"


Doch diese Aussage kann auch ein wenig aus trotzigem Frust über das 0:2 im prestigeträchtigen Bruderkampf zu werten sein. Denn einem Fachmann wie Hecking wird ebenfalls nicht entgangen sein, wie dilettantisch sich die Innenverteidigung beim Führungstor der Gäste durch Veerman anstellte. Die Frage ist jetzt: Gibt Hecking seinem holländischen Duo van Drongelen/Letschert nochmal eine Chance - oder setzt er nun auf die Karte Ewerton?

Fit genug für einen Einsatz wäre der Brasilianer jedenfalls. 


Natürlich darf man über den 21-jährigen van Drongelen nicht wegen einer schlechten Szene den Stab brechen. Doch es war halt nicht nur die Szene, die zum 0:1 führte. Und das Stadtderby war auch nicht das einzige Spiel in dieser Saison, in der der junge Holländer gewisse Schwächen erkennen ließ. 

Rick van Drongelen

Zuletzt nicht wirklich stabil und mit Defiziten in der Spieleröffnung: Rick van Drongelen



So wirkt er bei der Spieleröffnung immer noch nicht souverän genug. Beim Derby vom vergangenen Samstag spielte er - gefühlt - die meisten Bälle zu Torwart Heuer Fernandes oder auf seinen Nebenmann Letschert. (Der gleichsam überfordert wirkte, das Spiel der Hanseaten von hinten sauber zu eröffnen). 


Wenn es also einen Moment gibt - immerhin sind noch elf Spiele zu absolvieren -, in dem ein neuer Impuls für eine sportliche Verbesserung sorgen könnte, ist dieser nun gekommen. Beim Spiel in Aue am kommenden Samstag (13.00 Uhr) darf man deshalb mehr als gespannt auf die Startformation sein.