​Das ​Coronavirus sorgt weiter für Schlagzeilen. Vor allem in Italien, wo schon am vergangenen Wochenende vier Serie-A-Partien abgesagt wurden und das Spiel von Inter Mailand gegen Ludogorets Rasgrad (Do, 21.00 Uhr) unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet. Zur aktuellen Lage in Deutschland nahm Prof. Dr. Tim Meyer, Vorsitzender der Medizinischen Kommission des DFB und Arzt der ​Nationalmannschaft, Stellung.


Für Meyer sind die in Italien getroffenen Maßnahmen keine Panikreaktion, sondern den dortigen Entwicklungen der letzten Wochen geschuldet. 


Maßnahmen der Italiener "nachvollziehbar"


"Aus meiner Sicht ist es nachvollziehbar, die Weiterverbreitung von Erregern auch durch eine Absage von Großveranstaltungen zu unterbinden. Das hängt sehr stark davon ab, inwieweit man denkt, eine Infektion "unter Kontrolle" zu haben. Im Fall von Corona dürfte man darunter im Moment in erster Linie verstehen, ob man alle Infizierten identifiziert und isoliert hat", erklärte Meyer im Interview auf der DFB-Homepage. 


"Wenn man sich dessen unsicher ist und es mit einer Infektion zu tun hat, die gefährlich werden kann, sind Absagen von Fußballspielen sicherlich eine denkbare Maßnahme, zumal bei Spielen der ​Serie A mit Sicherheit auch Anhänger aus anderen Gebieten anreisen, was im Falle einer Ansteckung zur Verbreitung beitragen kann." 


Von den italienischen Erfahrungen lässt sich aber, in Augen Meyers, keine direkte Ableitung zu Deutschland herstellen. 


Situation in Deutschland eine andere als in Italien


"Niemand kann seriös prognostizieren, wie die Lage in einer oder zwei Wochen sein wird. Aktuell wäre dieses Mittel bei uns wohl übertrieben, da die Fälle in Deutschland bekannt und "unter Kontrolle" sind. Zwischen der Situation in Deutschland und Italien gibt es neben der Anzahl der Fälle einen erheblichen Unterschied: In Italien wird offenbar noch nach dem sogenannten Patienten Null gesucht, also nach dem Erstinfizierten. In Deutschland dagegen sind alle bekannten Erkrankungs- und Verdachtsfälle isoliert. Es ist sehr wichtig, die Infektionsketten nachvollziehen zu können, weil nur so eine sichere Isolierung aller Infizierten möglich ist."

COVID

Bei der Roma waren die Fans am Wochenende teilweise mit Mundschutz im Stadion



Gleichzeitig will der Mediziner aber auch nicht in Panikstimmung verfallen: "Für einen einzelnen Bürger oder Spieler ist die Gefährdungslage beim Coronavirus selbst im Falle einer Ansteckung nicht dramatisch hoch, die überwiegende Zahl der Fälle verläuft mild. Bislang sind die verstorbenen Menschen überwiegend vorerkrankte oder sehr alte Menschen gewesen. Zudem ist eine Ansteckungsgefahr in Deutschland momentan nach menschlichem Ermessen nicht gegeben."


"Aber natürlich hat der Fußball auch mit Blick auf einen solchen Virus und seine Verbreitung eine Verantwortung, einfach weil er die Menschen und Massen zusammenbringt, ob als Spielerinnen oder Spieler oder eben in die Stadien."


Vorbeugende Maßnahmen: Hände waschen und desinfizieren


Als vorbeugende Maßnahmen empfiehlt Meyer regelmäßiges Händewaschen mit Seife, eventuell sogar ausgeweitet auf tatsächliche Desinfizierung der Hände. Im Fall, dass man bereits an sich Symptome einer Ansteckung bemerkt, gilt dasselbe wie auch für den klassischen Grippe-Virus: Ansteckung (also Weitergabe) vermeiden. 


"Grundsätzlich", so Meyer, "sollte man bei Zeichen einer Infektion immer dem Trainingsplatz fern bleiben - zum Schutz der Mitspieler vor Ansteckung und auch zum Eigenschutz vor Komplikationen. Ein besonderes, darüber hinaus gehendes Augenmerk im Hinblick auf Corona ist nur dann erforderlich, wenn man in den letzten zwei Wochen in einem Infektionsgebiet war oder mit potenziell Infizierten Kontakt hatte. Dann sollte man zunächst zuhause bleiben, telefonisch Kontakt mit dem Hausarzt oder einem Zentrum mit infektionsmedizinischer Erfahrung aufnehmen und den dann gegebenen Ratschlägen unbedingt Folge leisten." 


Aktuell bestünde in Deutschland keine derartige Risiko-Lage (wie in Italien), die "Maßnahmen über die geschilderten allgemeinen Vorkehrungen hinaus" erforderlich machten.