​Schon seit längerem wird es in Fußball-Kreisen diskutiert: Wer ist/war besser - Lionel Messi oder Diego Armando Maradona? Auffällig dabei: Die, die mit dem jeweiligen Spieler zusammengespielt haben, geben ihr Votum ihrem Kollegen. So auch Alemao, brasilianische Mittelfeldlegende des ​SSC Neapel in den achtziger Jahren. 


Im Vorfeld des heutigen Achtelfinal-Hinspiels zwischen den Süditalienern und den Katalanen hat sich der 39-fache Nationalspieler Brasiliens des Vergleiches zwischen den beiden Superstars angenommen. Und kommt zu einer klaren Entscheidung: D10S (von spanisch "Dios" = "Gott"), also Diego Maradona, war für ihn der Beste. 


"Mit Maradona zu spielen, kann man nicht beschreiben. Man muss dabei sein. Er war ein Genie. Seine bloße Präsenz reichte, um Probleme zu lösen", ergoss sich der italienische Meister von 1990 in Lobeshymnen auf den Argentinier. 

WORLD CUP-1986-FRA-BRA

Alemao im legendären Viertelfinale der WM 1986 gegen Frankreichs Platini



"Messi ist ein Phänomen. Ein Spieler, den man selten findet. Aber Maradona war ein Wunderkind, und war noch viel mehr als Messi. In der Nationalmannschaft hat Maradona weitaus mehr geleistet als Messi, und das muss man bei einem Vergleich berücksichtigen. In Barcelona hat Messi ein Team, das für ihn spielt. Das merkt man dann, wenn er für Argentinien antritt."


Ganz anders wiederum sieht das ​Gerard Piqué, Teamkollege von "la pulga" beim FC Barcelona. 

Gerard Pique

Langjähriger Teamkollege von Lionel Messi: Gerard Piqué



Und dabei verweist der Verteidiger wieder auf einen anderen Aspekt: "Wenn ich zwischen Leo oder Diego wählen müsste, würde ich Messi nehmen. Wegen seiner Konstanz und seiner Magie, die er täglich produziert." 


Vergleich schon wegen unterschiedlicher Epochen schwierig


Tatsächlich bin ich persönlich ein wenig zwiegespalten. Weltklasse, darauf können wir uns wohl alle einigen, waren (und sind) beide. Und zwar absolute, neue Maßstäbe setzende Weltklasse. Und ja, die Tatsache, dass Lionel Messi mit Argentinien bis auf eine Copa América noch nichts gewonnen hat (sprich: keinen Weltmeister-Titel erringen konnte), "befleckt" sein Image schon ein wenig. 


Andererseits haben auch absolute Fußballgrößen wie Johan Cruyff, Marco van Basten, George Weah, Andrej Schewtschenko ebenfalls keine Weltmeister-Ehren erlangt. Wie auch ein Michel Platini nicht. Dennoch halte ich alle diese Spieler ebenfalls für Weltklasse. Dazu kommt, dass ich von Lionel Messi weitaus mehr Spiele habe verfolgen können, als von Maradona, was einen fairen Vergleich etwas schwierig macht. 


Auch die Art Fußball zu spielen, wie sie in den achtziger und neunziger Jahren (bis zur Änderung der Rückpassregel) Usus war, ist nicht mit der heutigen gleichzusetzen. Sicherlich würde Maradona auch heute noch, in fittem Zustand, eine gute Figur abgeben. Aber ob er sich jede Woche auf's Neue motivieren könnte, Spitzenleistungen abzugeben, und das Jahr für Jahr, wage ich schon ob seiner völlig anders gearteten Persönlichkeitsstruktur in Frage zu stellen.


Am Ende ist es auch nicht mehr als eine nette Spielerei, die man in diesem Sport so häufig betreiben kann. Generell kann man wohl sagen: Beide Spieler, mit all ihren Unterschieden, nehmen sich nicht wirklich viel. Der eine war auf Klubebene weitaus erfolgreicher, der andere dafür im Nationaltrikot. Stolz dürfen vor allem die Argentinier ganz allgemein darauf sein, der Welt zwei derart überragende Fußballer geschenkt zu haben.