Der FC Chelsea weckt bei den Anhängern des FC Bayern immer noch böse Erinnerungen. Die Blues und das verlorene "Finale dahoam" werden auf Münchener Seite immer untrennbar bleiben. Trainer-Legende Jupp Heynckes hat vor dem Achtelfinal-Duell über die Folgen der größten Enttäuschung seiner FCB-Karriere gesprochen: Das Triple im Jahr darauf.


Am Dienstagabend trifft der ​FC Bayern an der ​Stamford Bridge auf ein Stück Vergangenheit: Die Blues werden in München wohl auf ewig mit dem "Finale dahoam" in Verbindung gebracht. Jenes ​Champions-League-Endspiel, das der FC Bayern in der heimischen Allianz Arena auf so dramatische Weise verlor.


Ein Jahr nach der großen Enttäuschung gelang dagegen das bislang erste und einzige Triple der Vereinsgeschichte. Das eine wäre ohne das andere nicht möglich gewesen - erzählt die Legende, die 2013 nicht nur den Erfolg von Wembley anleitete, sondern auch den Sieg im Pokal und die Deutsche Meisterschaft.


Heynckes: Chelsea-Enttäuschung ebnete Weg für Triple-Saison


​"Die Vokabel Enttäuschung passt da besser", erklärte Jupp Heynckes im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau auf die Frage, was als FCB-Coach sein traurigster Moment gewesen sei. "Die Niederlage gegen Chelsea. Wir waren die klar bessere Mannschaft, aber wir waren noch nicht so weit. Zwei sichere Elfmeterschützen haben sich da weggeduckt, das war alles symptomatisch", so Heynckes weiter.


Gegen ein ersatzgeschwächtes Chelsea war der FC Bayern im Königsklassen-Finale die deutlich spielbestimmendere Mannschaft. Nach dem späten Ausgleich von Didier Drogba und einem verschossenen Elfmeter von Arjen Robben, mussten sich die Münchener am Ende im Elfmeterschießen geschlagen geben.


"Dann hat es Klick gemacht, und wir wurden eine verschworene Einheit"


"Und es ist auch kein Zufall, dass wir 2012 dreimal Zweiter geworden sind. Wir haben dieses Jahr gebraucht, um unsere Gemeinsamkeiten umzusetzen und unsere Zusammenarbeit zu perfektionieren. Dann hat es Klick gemacht, und wir wurden eine verschworene Einheit. Jeder hat seinen Egoismus hinten angestellt", meinte Heynckes. Im selben Jahr verlor sein Team auch das DFB-Pokalfinale und musste sich hinter Borussia Dortmund in der Meisterschaft geschlagen geben.


"Haben eine nie da gewesene Motivation verspürt"


"Die Mannschaft, Staff, Trainerteam und ich haben wegen des verlorenen Champions-League-Finales eine nie da gewesene Motivation verspürt. Aber warum hat das 2013 funktioniert? Weil alle riesig enttäuscht waren von 2012", so Heynckes. 


Daraus habe sich eine Motivation ergeben, dass seine Mannschaft zu einer "außergewöhnlichen" wachsen ließ: "Dieses Triple war der Mannschaft geschuldet, den Typen in meiner Mannschaft. Dieses Team war außergewöhnlich, was den Zusammenhalt, das Verhalten, die Disziplin betrifft. Wir haben so hart gearbeitet wie nie zuvor. Jeder muss jeden Tag alles abrufen, in jedem Training, taktisch wie physisch. Zudem hatten wir acht, neun Weltklassespieler - da kann man das Triple schon mal holen."


Und auch im Verhältnis zwischen Trainerteam und Mannschaft sei riesiges Vertrauen und Zusammenhalt entstanden: "Mein ganzes Team war außergewöhnlich, wir Trainer hatten blindes Vertrauen untereinander und zur Mannschaft. Wichtig war zudem, dass ich meinen Spielern auf Augenhöhe gegenübergetreten bin."


Flick macht es wie Heynckes


Mit den Spielern auf Augenhöhe - in diesem Punkt könnte man eine Brücke zum aktuellen FCB-Trainer schlagen. Hans-Dieter Flick wird ohnehin von vielen rund um den Klub als legitimer Heynckes-Nachfolger gesehen.


Doch es ist nicht die einzige Parallele: Wie im Finale vor achte Jahren, so ist der FC Bayern auch anno 2020 angesichts der jüngsten Leistungen der klare Favorit. Während die Blues mit nur einem Sieg aus den letzten fünf Partien durch die ​Premier League stolpern (und bereits 35 Zähler Rückstand auf Liverpool haben), ist der FC Bayern in der ​Bundesliga wieder voll auf Kurs Meisterschaft. Und auch in der Champions League erwartet eigentlich jeder, dass sich der deutsche Rekordmeister durchsetzt.


Wie vor acht Jahren. Nur dieses Mal braucht es aus FCB-Sicht wohl keine "große Enttäuschung" mehr...



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