​Jadon Sancho ist spätestens seit der erneuten Verletzungspause von Marco Reus die Schlüsselfigur im Angriff von ​Borussia Dortmund. Während Neuzugang Erling Haaland meist am Ende der Verwertungskette steht und Tore am Fließband erzielt, ist Sancho der unumstrittene Initiator in der Offensive des BVB. Sein Vertrag läuft noch bis 2022, doch wird der junge Engländer von vielen Spitzenklubs heiß umworben. Immer wieder werden dem 19-jährigen zudem Abwanderungsgedanken nachgesagt, seine eventuelle Unzufriedenheit in Dortmund äußerte sich bereits in diversen Disziplinlosigkeiten. Aktuellen Meldungen zufolge kann sich Sancho einen Verbleib bei den Dortmundern über das Saisonende hinaus vorstellen - doch wie realistisch ist das? 


32 Spiele, 16 Tore, 18 Vorlagen - absolute Fabelwerte erreicht Jadon Sancho bisher in der laufenden Spielzeit bei Borussia Dortmund und es bleiben noch einige Partien, um diese Bilanz weiter zu steigern. Diese Zahlen wecken natürlich Begehrlichkeiten bei den europäischen Spitzenklubs und Sancho macht nicht den Eindruck, ein weiteres Jahr in der ​Bundesliga als Vorbereitung auf ein Engagement bei einem der ganz großen Vereine im Ausland zu benötigen. 


Ist sein Abschied im Sommer daher schon beschlossene Sache oder darf man sich in Dortmund ein weiteres Jahr von dem Ballkünstler verzaubern lassen?


Kehl ist relativ entspannt


Im Vorfeld des Bundesligaspiels bei ​Werder Bremen gab sich der sportliche Leiter der Lizenzspielerabteilung der Dortmunder Sebastian Kehl gelassen. "Bei Jadon gibt es keinen neuen Stand. Deswegen gehen wir relativ entspannt in die nächsten Wochen​. Wir genießen es, dass er einen langfristigen Vertrag hat. Warum sollten wir uns Gedanken machen?", sagte Kehl laut RuhrNachrichten in einer für diese Phase eines eventuellen Transferpokers üblichen Form. 


Momentan gäbe es auch kein vorliegendes Angebot für den Wunderknaben, obwohl dies nur eine Frage der Zeit sein sollte. 

Sebastian Kehl

Lässt den Poker um Sancho gelassen auf sich zukommen: Sebastian Kehl



Schon in der Vergangenheit bewarben sich mehrere Vereine um die Dienste Sanchos und boten dabei Ablösesummen weit über 100 Millionen Euro. Wie bei schon den Verkäufen von Aubameyang oder Dembele mehrfach präsentiert, wird sich Dortmund eingehend mit dem Verkauf eines unzufriedenen Spielers mit internationaler Klasse beschäftigen - den für Sancho im Sommer 2017 an ​Manchester City gezahlten acht Millionen Euro stünden nun Einnahmen in Höhe des 15- bis 20-Fachen gegenüber. 


Natürlich hat der BVB aufgrund der Laufzeit des Vertrages die Zügel in der Hand, doch gerade die englischen Vereine werden für den kleinen Techniker ohne lange zu überlegen tief in die Tasche greifen.


Sancho noch in der Entwicklung

Obwohl Jadon Sancho​ bekräftigt, dass er seinen momentanen Arbeitgeber schätzt ("Ich liebe es hier"), sieht er sich, seine Karriere und den möglichen Verdienst noch nicht ausgereizt. "Ich habe noch nicht mein allerbestes Niveau erreicht", sagte er nach der Partie in Bremen und bestätigte damit seine eigenen Ansprüche.  

Auch wenn sich viele Fans wünschen würden, dass Jadon Sancho dem BVB noch ein weiteres Jahr erhalten bleibt, ist ein Abgang zum Ende der Saison als wahrscheinlicher einzuschätzen. Dortmund wird für die dann fällige Ablöse mit Sicherheit adäquaten Ersatz bekommen und Sancho wird sich das gerade in England übliche Gehalt nicht entgehen lassen. 


Obwohl Lothar Matthäus gegenüber Sky einen Wechsel Sanchos als alternativlos ansieht, sprach er sich zumindest für einen Verbleib in der Bundesliga aus. Er sei sich sicher, dass Sancho den BVB "nach dieser Saison verlassen wird. Ich könnte ihn mir sehr gut beim FC Bayern vorstellen, auch weil er über beide Flügel kommen kann. Er ist vielseitig einsetzbar", schwärmte Matthäus und sieht zudem keinen Konflikt mit einem eventuellen Zugang von Leroy Sane: "Ich würde mich freuen, wenn schon einer der beiden kommt."


Eine Flügelzange des ​FC Bayern München bestehend aus Jadon Sancho und Leroy Sane ist ja auch wahrlich nicht die schlechteste Zukunftsvision.