In Deutschland gibt es zur Zeit nahezu täglich neue Meldungen über fremdenfeindliche und rassistische Übergriffe. Nicht nur im Alltag, sondern vermehrt auch in Fußballstadien ereignen sich unschöne Vorfälle. Dort, wo der Fußballsport eigentlich Vorreiter für Toleranz und Gerechtigkeit ist, gibt es momentan zunehmend Aktivitäten, die weder im Stadion, noch in der Gesellschaft etwas zu suchen haben.


Der rassistische Anschlag in Hanau erschütterte die gesamte Republik. In Gedenken an die Opfer und als mahnende Kampagne, wurde vor Anpfiff des vergangenen Spieltags in jedem Stadion der deutschen Ligen eine Schweigeminute durchgeführt.


Unfassbarerweise wurde dieser Moment der Ruhe nicht nur in Frankfurt, ​vor der Europa League Partie gegen den FC Salzburg, sondern an mehreren Orten auf respektlose Art gestört. Die betroffenen Stadien setzten dagegen jedoch ein Zeichen und bewiesen, dass die überwältigende Mehrheit der Fußballfans dieses menschenverachtende Denken verabscheut und gegen dieses Handeln aufsteht.


​Eintracht-Profi Danny da Costa äußerte sich nun in einem Interview mit der Frankfurter Rundschau über diese Ereignisse. Nicht nur einige seiner Kollegen, sondern auch er selbst mussten bereits Rassismus am eigenen Leib erfahren - und das nicht nur im Stadion.


​Würzburgs Leroy Kwadwo in Münster, ​Herthaner Jordan Torunarigha auf Schalke und ​Antonio Rüdiger in England - es sind nur drei von vielen Beispielen fremdenfeindlicher Übergriffe auf dunkelhäutige Fußballer in der jüngsten Vergangenheit. Alle von ihnen lieben den Sport, wollen Verein und Zuschauer stolz machen, werden jedoch aufgrund ihrer Abstammung beleidigt. Aber warum? Warum tut ein Mensch so etwas Scheußliches?


Jeder der betroffenen Spieler erhält vom Großteil der Fußballfans Solidarität, Unterstützung und Rückendeckung. Die Verbände reagieren mit Strafen gegen die Täter, Kampagnen gegen Rassismus und für Toleranz werden ins Leben gerufen, und auch die Vereine versuchen zu sensibilisieren.


Danny da Costa, geboren am 13. Juli 1993 in Neuss, sein Vater stammt aus Angola und seine Mutter aus dem Kongo. Er selbst besitzt einen deutschen, sowie einen angolanischen Pass und durchlief von der U17 bis zur U21 alle deutschen Junioren-Nationalmannschaften. Da Costa avancierte durch seine sympathisch/humorvolle Art schnell zu einem Publikumsliebling und hat großen Anteil an den jüngsten Erfolgen der Eintracht.

David Abraham,Danny Da Costa

Als Profisportler und Person des öffentlichen Lebens steht die Nummer 24 der Eintracht im Rampenlicht. Auch er habe mit Rassismus und Fremdenfeindlichkeit zu kämpfen und berichtete im Interview mit der fr von diesen Übergriffen.


"Zivilcourage ist sehr wichtig"

Danny da Costa betonte, dass eine klare Differenzierung im Umgang mit rassistischen Übergriffen sehr wichtig sei, denn grundsätzlich herrsche Toleranz im Fußball. Personen, die sich negativ benehmen, seien "Idioten", die "nur in der Gruppe stark sind".


Striktes Vorgehen gegen die Täter und Zivilcourage seien "sehr wichtig", so da Costa weiter, der Spielabbrüche nicht als wirksames Mittel ansieht, um die Täter zu bestrafen, da das friedliche Kollektiv in Mitleidenschaft gezogen würde, also Personen, die mit den Tätern nichts zu tun haben. "Wer Affenlaute macht, den interessiert das Spiel nicht", fügte da Costa als Begründung hinzu.


"Vollidioten, die perfekte Bühne suchen"

August 2013: da Costa, damals noch im Trikot des FC Ingolstadt, wurde Opfer rassistischer Beleidigungen in der Partie gegen den ​TSV 1860 München"Immer wenn der Ball in meine Nähe kam gab es Affenlaute. Permanent. Das war natürlich ein Scheißgefühl", berichtete da Costa. Neben den Affenlauten habe es sogar Beleidigungen wie "Ni**er", oder "schwarzes Schwein" gegeben, was er lange Zeit versuchte zu ignorieren, es aber irgendwann nicht mehr aushielt und dem Schiedsrichter meldete. Erst nach der angeordneten Stadiondurchsage sei es ruhiger geworden.


Danny da Costa hat zu den Tätern eine klare Meinung. "Für mich sind das totale Vollidioten, die sich eine perfekte Bühne suchen. Ich empfinde das als totaler Schwachsinn", schilderte er der fr.

FBL-GER-BUNDESLIGA-FC INGOLSTADT

Im Nachgang dieses Spiels ermittelte der DFB-Kontrollausschuss gegen beteiligte Personen und nach Äußerung von da Costas ehemaligem Mitspieler Ralph Gunesch, der den Tätern auf Facebook einen "IQ knapp über dem eines verbrannten Toastbrots" zusprach, gab es eine Entschuldigung von 1860 München.


"Daran habe ich schon zu knabbern"

​Auf Nachfrage der fr, ob da Costa auch im Alttag mit Rassismus zu kämpfen gehabt hätte, sprach dieser von kleinen, unscheinbaren Beleidigungen. Beim Spazierengehen habe sich ein Passant provokant hinter einem Baum versteckt und dort gewartet, bis da Costa nicht mehr in seiner Nähe war. "Daran habe ich schon zu knabbern. Natürlich bin ich dunkelhäutig, aber deswegen bin ich doch kein wildes Tier und stürme auf Leute zu", entgegnete da Costa im Bezug auf seine Erfahrungen.


Die Schwierigkeit sei es, "so etwas aus den Köpfen der Menschen herauszubekommen".


Präsident Peter Fischer: aktiv gegen rechts


Auf die Nachfrage, ob sich Danny da Costa mit dem spürbaren Rechtsruck auseinandersetzen würde, verneinte er und begründete dies mit mangelndem Verständnis für das Denken dieser Personen und dem Punkt, dass ihn das psychisch fertig machen und ihm Energie rauben würde.


Nichtsdestotrotz gäbe es genug Menschen, die offen und aktiv gegen Rechts vorgehen. Bei Eintracht Frankfurt setzte er Präsidenten ​Peter Fischer in die Vorreiterrolle und lobte dessen Engagement, bei jeder Gelegenheit aktiv gegen "die Rechten" vorzugehen. "Darauf kann man stolz sein. So sollte es insgesamt in Deutschland aussehen", äußerte der 26-Jährige als Wunsch.

Eintracht Frankfurt v RB Salzburg - UEFA Europa League Round of 32: First Leg

Allgemein würde die Entwicklung jedoch beunruhigend in die falsche Richtung verlaufen. Dabei bezog sich da Costa auf die jüngsten Wahlergebnisse, die Ähnlichkeiten mit Geschehnissen aus der Vergangenheit hätten: "Man muss doch nur ein paar Jahrzehnte zurückgehen, da fing es auch mit einer Unzufriedenheit im Land an."


Es sei erschreckend zu sehen, dass die Suche nach einem Schuldigen auf Menschen projiziert würde, die anders aussehen. Danny da Costa mahnte dahingehend zur Vorsicht, denn die Geschichte habe gezeigt, welche fürchterlichen Folgen das haben könnte.


Gedanken um eigene Sicherheit


Die aktuellen Ereignisse in Hanau hätten dazu geführt, dass da Costa sich Gedanken um seine persönliche Sicherheit mache. Er hoffe, dass es nie wieder zu derart schrecklichen Attentaten kommen würde und die Entwicklung im Land wieder in die andere Richtung geht.


Hass, Gewalt und Fremdenfeindlichkeit haben weder im Fußball, noch in der Gesellschaft etwas zu suchen! 


love football - hate rasicm