​Angedeutet hatte sie sich schon vor gut zwei Wochen, die Krise bei ​Real Madrid. Nur von ihr reden wollte nach dem Pokal-Aus gegen Real Sociedad noch keiner im Lager der Königlichen. Denn kurze Zeit später meldete sich Eden Hazard nach mehrwöchiger Verletzungspause zurück. Dann - noch ohne den Belgier - überzeugte vor allem Isco beim 4:1-Sieg in Pamplona und alle waren happy. Doch dem Zwischenhoch folgte ein 2:2-Unentschieden gegen ein abstiegsbedrohtes Celta aus Vigo - und das K-Wort fiel schon in mehreren Foren. Und spätestens seit der gestrigen Niederlage in Valencia kann niemand mehr die Augen davor verschließen.


Zu allem Überfluss verletzte sich beim 0:1 gegen UD Levante auch noch Hazard. ​Der Belgier droht sogar für den Rest der Saison auszufallen, was unter Umständen auch seine Teilnahme an der Europameisterschaft in Gefahr bringen könnte. Der ehemalige ​Chelsea-Star war nach seiner Rückkehr aus dem Krankenlager zuletzt als die personifizierte Hoffnung der Real-Fans auserkoren worden, die Spielzeit erfolgreich, sprich mit Titeln, zu beenden. Meisterschaft? Sowieso! Und auch dem Lieblings-Wettbewerb ​Champions League sah man in Chamartin wieder mit relativem Optimismus entgegen. Seit gestern ist die Zuversicht der Angst vor der totalen Pleite gewichen. 


Cristiano Ronaldos Weggang wurde nicht kompensiert

Denn auch in Sachen Kaderzusammenstellung muss man mittlerweile konstatieren, dass die Rechnung der Verantwortlichen nicht aufgegangen ist. Nach dem Abgang von CR7 wähnte man sich mit der quasi-galaktischen Verpflichtung von Hazard auf der sicheren Seite. Nur ein Torjäger klassischer Prägung war der Belgier auch zu seiner Londoner Zeit nie. 


Doch dafür hatte man ja noch den Serben Luka Jovic für die bemerkenswerte Summe von 60 Millionen Euro geholt. Dass die Umstellung von einem Umfeld wie bei der ​Frankfurter Eintracht auf ein Leben im ständigen Blitzlichtgewitter, wie es bei Real und seinen Stars üblich ist, bei dem einen oder anderen auch mal etwas länger dauern kann - beweist Jovic´ momentane Lage. Zwei mickrige Liga-Törchen - das ist die bisherige Ausbeute des Anführers der letztjährigen Büffelherde. 

Luka Jovic

Wartet in Madrid noch auf den großen Durchbruch: Luka Jovic


Also muss es - wieder einmal - der alte Franzose richten. Karim Benzema, mittlerweile in seiner zehnten Saison bei den Königlichen, hat auch über all die Jahre fleißig geknipst, aber auch vor allem Dank der Räume, die ihm Cristiano Ronaldo und Co. geschaffen haben. In der laufenden Saison steht Benzema bei guten 13 Ligatoren und sechs Assists in 24 Spielen. Das Problem: Zwölf dieser 13 Tore hat er vor dem 15. Dezember erzielt. In den neun Spielen danach traf er nur noch einmal (gegen seinen Lieblingsgegner Atlético). Im Torrausch befindet sich der 32-Jährige momentan also eher nicht. 


Verteidiger sorgen für die Tore


Wie also soll Real gegen die kommenden Gegner überhaupt Tore schießen? Überspitzt formuliert, durchaus, aber wenn man sich die Optionen anschaut, kann man die Frage durchaus stellen. Natürlich ist ein Isco auch mal in der Lage, einen Treffer zu erzielen. Doch zu oft taucht der Andalusier in seinem selbstgefälligen Spiel ab, dreht sinnbefreite Pirouetten oder verliert sich in ebenso schönen wie brotlosen Tricks in ungefährlichen Zonen des Spielfeldes. Auch ein Toni Kroos trifft ab und zu mal, selbst ein Luka Modric. Doch zuletzt mussten eben auch zu oft defensive Akteure wie Raphael Varane, Casemiro oder Sergio Ramos das Toreschießen übernehmen. 


Manchester City und Barcelona vor der Brust


Und am Horizont zwei Großkaliber: Am Dienstag (21 Uhr) besucht Guardiolas ​Manchester City das Bernabéu-Stadion - und rechnet sich vielleicht insgeheim schon aus, dort den Grundstein zum Weiterkommen zu legen. Fünf Tage (So, 21.00 Uhr) später wird der ​FC Barcelona versuchen, dem Erzrivalen schon so etwas wie den Todesstoß zu versetzen. Fünf Punkte Vorsprung wären zwar auch noch keine Garantie auf den Titel - doch mit Blick auf die Formkurve beider Teams (und ihrer Stars) scheint es schwer vorstellbar, dass die Hauptstädter eine derartige Kluft in den dann noch dreizehn zu spielenden Partien überwinden könnten, zumal der FC Barcelona seine kleine Auszeit offenbar überwunden hat. 


Vor allem Lionel Messi konnte beim gestrigen 5:0-Sieg gegen Eibar endlich eine Antwort auf seine Kritiker geben, die ihm zuletzt eine Tor-Krise andichten wollten: Mit vier Treffern beendete der Argentinier seine torlose (und vier Ligaspiele währende) Zeit in beeindruckender Manier. Doch einen solchen alles überstrahlenden Superstar hat Real nach Cristiano Ronaldos Abgang nicht mehr in seinen Reihen. Und genau deshalb müssen sie sich an der Avenida de Concha Espina am Ende der Saison vielleicht doch vorwerfen lassen, den Verlust des Portugiesen zu sehr auf die leichte Schulter genommen zu haben.