Am Dienstag wird es für den ​FC Bayern wieder ernst. Im Achtelfinale der Champions League soll die Hürde ​FC Chelsea überwunden werden, beide Mannschaften treffen zum ersten Mal seit dem Endspiel 2012 in der Königsklasse aufeinander. Nach dem wilden 3:2 gegen den SC Paderborn wird Hansi Flick die Mannschaft wieder mit personellen Veränderungen aufstellen, denn in der Breite mangelt es dem Kader an wirklichen Alternativen. Genau das ist womöglich das größte Problem auf der Jagd nach der europäischen Krone.


Im neuen Jahr mussten die Münchner erst einen Härtetest absolvieren. Vor zwei Wochen gastierte RB Leipzig in der Allianz Arena, wie im Hinspiel trennte sich das Spitzenduo nach zwei unterschiedlichen Halbzeiten mit einem Remis. ​Zu Beginn schwungvolle Bayern verpassten die Führung, nach dem Seitenwechsel wurden die Leipziger mutiger, stärker und vergaben selbst aus besten Positionen. Ein solches Spiel dürfen sich Flick und die Seinen nicht erlauben, wenn an der Stamford Bridge das Achtelfinal-Hinspiel gegen Chelsea ansteht.


Mit wuchtigem und aggressivem Fußball hat RB zuletzt Tottenham Hotspur in die Knie gezwungen, ähnlich werden am Dienstag auch die Bayern agieren. ​Das Experiment Dreierkette wird beendet, stattdessen kehrt das bewährte 4-2-3-1 / 4-3-3 zurück. Vollgas, konsequentes Pressing, aber auch Ruhephasen mit dem Ball sind wichtig, um in diesem Jahr das Viertelfinale zu erreichen. Das Problem ist dabei nicht die Qualität der Spieler auf dem Feld, sondern die der Reservisten.


Klangvolle, aber qualitativ mäßige Bank


Álvaro Odriozola, Lucas Hernandez, Philippe Coutinho und Corentin Tolisso erhielten allesamt gegen Paderborn eine Chance - überzeugen konnte keiner von ihnen. Zwar reicht die Qualität des Quartetts für die ​Bundesliga, aber wenn es ums Eingemachte geht, erhält die Konkurrenz den Vorzug. Jerome Boateng und Benjamin Pavard sind in der Viererkette derzeit unantastbar, Joshua Kimmich, Thiago und Leon Goretzka genießen in der Zentrale allesamt den Vorzug vor Tolisso und Müller ist deutlich effizienter und effektiver als Coutinho.

Philippe Coutinho

Schon zu Saisonbeginn war die Ersatzbank der Münchner ein Thema. Damals mangelte es generell an Spielermaterial; das ist nun vorhanden, besitzt aber nicht die Qualität, um ernsthaft um einen Stammplatz mitzuspielen. Bei Hernandez und Tolisso ist das ob der Verletzungshistorie nachvollziehbar, von Odriozola, Coutinho und auch mit Abstrichen Ivan Perisic dürfte man sich aber mehr versprochen haben. 


Nebenwirkungen eines dünnen Kaders


Jedoch ist Qualität auch in der Breite notwendig, wenn man bis zum Schluss auf allen drei Hochzeiten mittanzen will. Der FC Bayern bleibt in dieser Saison alles andere als verschont von Verletzungen und während des Spiels kann Flick auf taktische Änderungen des Gegners kaum reagieren; denn wer könnte es besser richten als die elf Spieler, die in der Startaufstellung eingetragen werden? 

Hansi Flick

  Bayern-Trainer Hansi Flick sind bei der Wahl des Personals die Hände gebunden



Bei Verletzungen auf den Flügeln können zwar Leon Goretzka und Thomas Müller aushelfen, in der Mittelfeld-Zentrale würde sich das Fehlen von Kimmich oder Thiago jedoch deutlich bemerkbar machen; genau wie ein weiterer Ausfall in der Abwehr. 


Gegen Paderborn saßen mit Joshua Zirkzee, Lars Lukas Mai, Mickael Cuisance, Fiete Arp, Oliver Batista Meier und Leon Dajaku zweifelsfrei talentierte Spieler auf der Bank, für die wichtigen Spiele in dieser Saison kommen sie aber keineswegs in Betracht. 


Der FC Bayern stellt sich von selbst auf


Zieht man die Verletzungen von Niklas Süle, Javi Martinez und Perisic in Betracht, kann Flick derzeit auf bis zu 16 Akteure bauen. Damit stehen ihm zwei Spieler weniger zur Verfügung, als Jupp Heynckes in der Triple-Saison 2012/13 in der K.o.-Phase der Champions League einsetzte. Auf dem ersten Blick kein gravierender Unterschied, klar wird aber: weitere Ausfälle darf sich der Kader eigentlich nicht erlauben. 


Umso wichtiger werden die Spieler, die derzeit hinten dran sind, im Tagesgeschäft Bundesliga. Denn auch wenn die Meisterschaft in diesem Jahr noch spannender ist als in der vergangenen Saison, sind Pausen für den Rest notwendig. In den wichtigen Spielen stellt sich der FC Bayern derzeit aber wie von selbst auf, Alternativen gibt es so gut wie keine. Mit viel Glück könnte es womöglich für den CL-Titel reichen, realistisch ist der sechste Erfolg in der Champions League aber kaum. Dafür ist die internationale Konkurrenz noch zu stark.