Das Bundesligaspiel zwischen Werder Bremen und ​Borussia Dortmund steht in zweifacher Hinsicht für Brisanz. Werder benötigt dringend Punkte im Abstiegskampf, Dortmund will weiter Druck auf die Tabellenspitze ausüben - tut sich gegen den kommenden Gegner jedoch enorm schwer. Im Interview mit Weser-Kurier kann sich BVB-Sportdirektor Michael Zorc die Misere nicht erklären und hofft neben drei Punkten darauf, dass Florian Kohfeldt der Klassenerhalt gelingt.


"Es gibt manchmal solche Phänomene im Fußball", sagt Michael Zorc, "die du nicht wirklich erklären kannst." Gemeint ist die Dortmunder Durststrecke gegen Werder Bremen, das dem schwarz-gelben Favoriten in den vergangenen Aufeinandertreffen ein ums andere Mal ein Bein stellen konnte. Vor zweieinhalb Wochen warf die abstiegsbedrohte Mannschaft von der Weser den BVB im zweiten Jahr in Folge aus dem DFB-Pokal, und verlor obendrein in der ​Bundesliga nur eines der letzten sechs Spiele.


"Ich weiß nicht, ob sich Werder gegen uns immer besonders ins Zeug legt – vielleicht ist das der Grund. Aber ich hoffe, dass wir diese Serie nun in Bremen nicht bestätigen", so Zorc, der mit Blick auf das enge Meisterschaftsrennen unbedingt gewinnen will: "Wenn wir weiter oben mitspielen wollen, dann brauchen wir die drei Punkte in Bremen." 


Zu viel Zählbares habe die Mannschaft unnötigerweise "liegen gelassen", weitere "Ausrutscher" dürfe man sich nicht mehr erlauben. Dabei scheint die Ausgangslage vor dem Anpfiff am Samstagnachmittag klar: Werder hat seit dem Rückrundenauftakt nur drei Punkte gesammelt, verlor die vier Spiele nach dem knappen Sieg über Fortuna Düsseldorf (1:0) mit einem Torverhältnis von 1:10. Dortmund hingegen hat bereits 23 Rückrundentore auf dem Konto, holte 12 von 15 möglichen Zählern und besitzt alle Chancen auf die Meisterschaft. 


Erinnerung an Klopps letztes Jahr


In der abgelaufenen Spielzeit kämpfte Werder noch um einen Platz im Europapokal, aktuell belegt die Mannschaft von Florian Kohfeldt nur den 17. Tabellenplatz. Die Zukunft des 37-Jährigen wird zunehmend angezweifelt, nichtsdestotrotz hält Sportchef Frank Baumann an seinem Trainer fest. 

Florian Kohfeldt

   Florian Kohfeldt gerät zunehmend in die Kritik. Neben Frank Baumann sieht aber auch Michael Zorc eine Chance für den Werder-Coach.


Zorc sieht Parallelen zur Saison 2014/15, in der der BVB zwischenzeitlich Tabellenletzter war, sich mit Jürgen Klopp aber dennoch für die Europa League qualifizieren konnte: "Du musst immer schauen, ob der Trainer die Mannschaft noch erreicht und die Spieler umsetzen, was er vorgibt. [...] Wir waren sicher, dass wir mit ihm die Saison vernünftig beenden würden. Am 19. Spieltag waren wir auf Platz 18 und haben es am Ende doch noch in die Europa League geschafft."


Zorc wünscht Werder den Klassenerhalt


Im Fußball gebe es nach einiger Zeit "eine schleichende Abwärtsdynamik", dagegen seien die Verantwortlichen machtlos. Den SV Werder betrachtet Zorc dennoch nicht als Abstiegskandidaten, auch Kohfeldt ist in seinen Augen längst nicht gescheitert: "Entscheidend wird jetzt sein, wie Werder aus der Situation herauskommt. Dann kann man auch als junger Trainer gestärkt aus so einer misslichen Lage hervorgehen. Jürgen Klopp ist in seiner Mainzer Zeit auch nicht jedes Jahr aufgestiegen oder in der Liga geblieben."


Für 90 Minuten werden beide Mannschaften auf dem Platz Rivalen sein, darüber hinaus hofft Zorc auf das Beste: "Ich hoffe, dass Werder am Ende in der Bundesliga bleibt, weil ich mir schon wünsche, dass uns diese Traditionsvereine erhalten bleiben. Auch wenn man das in Bremen vielleicht nicht so gerne hört, wünsche ich mir deshalb auch einen Aufstieg des Hamburger SV."