Ein Bundesligaspiel zwischen ​Bayern und Paderborn, in dem fünf Tore fallen, klingt erstmal nach einer ganz normalen Angelegenheit. Doch statt sich für das Champions-League-Spiel gegen Chelsea mit 5:0 warmzuschießen, musste sich der Rekordmeister wie im Hinspiel einen 3:2-Sieg erkämpfen. Überbewerten sollte man die Leistung in Anbetracht der Umstände aber nicht.


Seit dem Amtsantritt von Niko Kovac im Sommer 2018 wurde beim FC Bayern über die Rückkehr der Dreierkette spekuliert. Das flexible System erhielt in der Saison 2015/16 unter Pep Guardiola Einzug und auch Kovac praktizierte während seiner Zeit bei Eintracht Frankfurt zumeist ein 3-5-2, mit dem er die Mannschaft nachhaltig aus dem Tabellenkeller führte. 


Jedoch liefen die Bayern erst beim gestrigen Heimspiel gegen den SC Paderborn in einer Formation mit drei Abwehrspielern auf. Hansi Flick wählte ein flaches 3-4-3 mit Joshua Kimmich, David Alaba und Lucas Hernández in der Abwehr, Alphonso Davies und Alvaro Odriozola gesellten sich zu den zentralen Mittelfeldspielern Thiago und Corentin Tolisso. Serge Gnabry, Robert Lewandowski und Philippe Coutinho begannen im Angriff. 


In der ersten Halbzeit funktionierte die ungewohnte taktische Ausrichtung, einzig der Patzer von Manuel Neuer beim überraschenden Ausgleich von Dennis Srbeny in der 44. Minute trübte das Stimmungsbild. Nach dem Seitenwechsel aber entwickelte sich ein wildes Spiel, in dem beide Mannschaften das Verteidigen etwas vernachlässigten.


Knapper Sieg dank Lewandowski 


Unsaubere Bälle im Mittelfeld resultierten in Gegenstößen der Gäste, die nach der erneuten Führung durch Robert Lewandowski (70.) einige Abschlüsse verzeichneten und nur fünf Minuten später in Person von Sven Michel wieder zur Stelle waren. Weil Lewandowski kurz vor Schluss mit seinem 25. Saisontor den 3:2-Endstand besorgte, konnte der Branchenprimus nach dem Schlusspfiff durchatmen; denn allzu rund verlief der Abend nicht.

Hansi Flick

 Hansi Flick nimmt den Arbeitssieg gelassen



"Nach dem 2:2 haben wir alles versucht. Da muss ich meiner Mannschaft ein Kompliment machen, wir haben gefightet", lobte Flick seine Mannschaft auf der ​Vereinswebsite. Die taktischen Probleme in der Dreierkette nahm er gelassen: "Es ist klar, dass da nicht immer alles wunderbar klappt. In der ersten Halbzeit haben wir kaum Chancen zugelassen. In einigen Situationen nach vorne haben wir es aber nicht ganz so sauber herausgespielt."


Dass es "kein einfaches Spiel" werde, prognostizierte er aufgrund der forschen Spielweise der Gäste bereits im Vorhinein. Vor dem Champions-League-Spiel beim FC Chelsea war das Tabellenschlusslicht womöglich sogar ein dankbarer Gegner, der den Münchnern noch einmal ihre Grenzen aufgezeigt hat. 


Keine Aussagekraft für Chelsea


Wenn die Bayern am Dienstag (21 Uhr) an der Stamford Bridge gastieren, ist volle Konzentration gefordert, es zählt nicht weniger als das Maximum. Gegen Chelsea wird Flick wieder auf das bisherige 4-2-3-1 / 4-3-3 umstellen und die gesperrten Benjamin Pavard und Jerome Boateng in die Startelf befördern, während Tolisso in der Zentrale für Kimmich weichen dürfte. Dieses Plus an Ballkontrolle verspricht einen deutlich sicheren Auftritt als in der gestrigen zweiten Halbzeit, in der das Gebilde phasenweise merklich instabil wirkte. 


In der Champions League werden die Münchner allerdings anders auftreten; so wie immer, wenn ein wichtiges Spiel bevorsteht. Volle Offensive und maximale Ballkontrolle, gepaart mit der nötigen Balance sind ausschlaggebende Elemente, die die Elf von Flick auf den Platz bringen muss. Das gelingt logischerweise nicht in einem Experiment wie der Dreierkette, in dem die Automatismen gänzlich fehlen. Entsprechend hat das Spiel gegen Paderborn keine wirkliche Aussagekraft für die kommende Partie, in der nicht weniger als ein Sieg zählt.

Thomas Mueller

Zu erwarten ist daher ein ähnlich dominanter Anfang wie gegen Köln (4:1), Leipzig (0:0) oder Mainz (3:1) - wie viel Profit die Bayern daraus schlagen werden, hängt von der Chancenverwertung ab, die trotz 14 erzielter Treffer in den letzten fünf Pflichtspielen noch immer ein Thema ist. Nichtsdestotrotz ist die Hoffnung auf eine gute Ausgangslage für das Rückspiel am 18. März berechtigt.