Ein breiter Kader bringt knifflige Entscheidungen mit sich. Borussia Dortmunds Trainer Lucien Favre hat nahezu wöchentlich die Qual der Wahl, was gleichzeitig aber auch bedeutet, dass er Lösungen finden muss, um Unruhen zu vermeiden. In allen Mannschaftsteilen ist der Konkurrenzkampf groß, umso schwerer fällt die Wahl der Startaufstellung. Die drei folgenden Entscheidungen sind die kniffligsten, die Favre momentan fällen muss.


Reyna oder Hazard?

Giovanni Reyna

Dass BVB-Kapitän Marco Reus verletzt ausfällt, gerät fast schon in Vergessenheit, wenn man das übrige Personal in der Offensive betrachtet. Jadon Sancho und Erling Haaland sind gesetzt, dahinter hat Favre die Wahl zwischen Giovanni Reyna und Thorgan Hazard.


Reyna ist seit der Rückrunde Teil des Profi-Kaders, hat enorme Schritte nach vorn gemacht und besitzt mit gerade einmal 17 Jahren sehr gute Chancen auf einen Stammplatz. Der US-Amerikaner mit portugiesischen Wurzeln ist ein Schlitzohr mit extrem hohem Potenzial, nach seinem Treffer im DFB-Pokal gegen Werder Bremen (2:3) legte er den Siegtreffer von Erling Haaland beim knappen ​2:1-Sieg im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League gegen Paris St. Germain vor. 


Jedoch dürfte er von Favre weiter behutsam in den Profi-Alltag integriert werden, weswegen der 62-Jährige erst einmal auf Thorgan Hazard vertrauen dürfte. Der Ex-Gladbacher sammelte in 21 Bundesligaspielen 13 Torbeteiligungen, wird von Favre aber vor allem wegen seiner defensiven Mitarbeit gelobt. Aufgrund der Erfahrung dürfte Hazard derzeit die Nase vorn haben, allerdings ist nicht ausgeschlossen, dass Reyna schon bald erstmals von Beginn an in der Bundesliga spielen wird.


Akanji oder Piszczek?

Lukasz Piszczek, Lucien Favre

Schon jetzt dürfte sich Manuel Akanji darüber freuen, dass die Saison in einigen Monaten vorüber ist. Der Abwehrchef der vergangenen Spielzeit leistet sich immer wieder Patzer, konnte trotz der langen Stammplatz-Garantie des Trainers nicht wirklich überzeugen ​und findet sich mittlerweile auf der Bank wieder. In den vergangenen Partien erhielt stattdessen Routinier Lukasz Piszczek den Vorzug.


Der Pole weiß auch im Alter von 34 Jahren zu überzeugen. Drei der vier vergangenen Bundesligaspiele absolvierte er über 90 Minuten, kassiert hat die BVB-Abwehr in dieser Zeit nur ein Gegentor. Nach einer sehr guten Leistung gegen Eintracht Frankfurt, die er mit seinem ersten Saisontor krönte, war Piszczek auch gegen Paris St. Germain ein wichtiger Baustein für die gute Ausgangslage vor dem Rückspiel.


Der Verbund mit Mats Hummels und Dan-Axel Zagadou stimmt. Fraglich ist allerdings, ob Piszczek alle Spiele bis Saisonende durchspielen und sein Niveau halten kann. Nachdem er in der Hinrunde einige Male überfordert wirkte, konnte er seine Leistungen stabilisieren. Sollten diese wieder einbrechen, steht Favre jedoch erneut vor einem Problem. Abhilfe könnte ein Spieler schaffen, der aktuell im Mittelfeld überzeugt.


Can oder Brandt?

Emre Can

Angeblich wurde Emre Can für die Dreierkette verpflichtet, denn schon bei der deutschen Nationalmannschaft sowie beim FC Liverpool half er einige Male als Innenverteidiger aus. Aufgrund der Verletzung von Julian Brandt wird er derzeit aber im zentralen Mittelfeld gebraucht - und überzeugt auf ganzer Linie.


Besonders im Spiel gegen den Ball bringt Can als Abräumer und mit seiner Absicherung einen erheblichen Mehrwert. Der 26-Jährige ist das Gegenstück zu Brandt, ​der seine Stärken klar in der Offensive besitzt und defensiv die ein oder andere Nachlässigkeit zeigte. 


Mit Can und Axel Witsel im zentralen Mittelfeld verfügt Favre über eine mehr als solide Achse, die für Balance steht. In dieser Form ist der Winterneuzugang von Juventus Turin in der Dreierkette verschenkt, gleichzeitig müsste sich Brandt aber womöglich wieder mit einem Platz auf der Bank anfreunden. Denn aktuell gibt es keinen Grund für Favre, irgendetwas an der Startaufstellung zu verändern - dafür funktionierte die Mannschaft in den vergangenen beiden Pflichtspielen zu gut.