Als erster Klub wird Borussia Dortmund künftig ​mit zwei Trikotsponsoren auflaufen. Davon verspricht sich der Revierklub höhere Sponsoreneinnahmen, gleichzeitig sammelten sich im Netz kritische Stimmen zum neuen Modell. Langsam aber sicher muss sich auch der BVB eingestehen, dass Geld im Fußball eben doch eine Rolle spielt.


Die Fanlager von Dortmund und ​Leipzig werden wahrlich ​keine Freunde mehr. Nicht nur der BVB kritisiert das künstliche Hochzüchten eines Fußballvereins, der die Marke Red Bull durch die nationale und internationale Strahlkraft vermarkten soll, mit am heftigsten fallen jedoch die schwarz-gelben Proteste aus, wie im Bundesligaspiel am 17. Dezember (3:3) ersichtlich wurde.

Dass sich ausgerechnet RB-Fans über das Doppel-Sponsoring amüsieren, dürfte die Diskussionen weiter vorantreiben. Bislang war der BVB immer das Gegenstück, das für eine regionale Verbindung der Fans, Treue und Emotionen steht. "Echte Liebe" lautet seit vielen Jahren das Motto. Gemeinsam kämpfte sich der Klub wieder in die obere Tabellenregion, feierte 2012 das Double und hat auch in dieser Saison wieder gute Chancen auf die Meisterschaft. Wirtschaftlich ist Borussia Dortmund stabil, auch in diesem Jahr dürfte wieder viel Geld über Spielerverkäufe eingenommen werden; aber eben auch durch Sponsoren.


Dortmund bleibt am Puls der Zeit


Der Fußball befindet sich im stetigen Wandel und droht ein Stück seiner Identität zu verlieren. Bei Verbänden und Vereinen rückt das Geld in den Vordergrund. Neue Turniere, ein größeres Teilnehmerfeld und eine Zerstückelung des Spieltages bis hin zur Ausgliederung in eine Aktiengesellschaft oder dem Einstieg eines Investors sorgen dafür, dass der Sport als solcher langsam aber sicher in Vergessenheit gerät.


Dagegen hat sich besonders der BVB in der Vergangenheit gewehrt, dabei ging der Klub als erster in Deutschland an die Börse und wagt sich als erstes an zwei Trikotsponsoren. Hans-Joachim Watzke spricht von einer "wirtschaftlichen und damit auch sportlichen Weiterentwicklung des BVB" (via ​Lokalkompass), dabei war er stets einer derjenigen, der sich am lautesten gegen die Kommerzialisierung ausgesprochen hat. 


Der jüngste Deal ist gleichzeitig aber das Eingeständnis, dass Romantik allein im Fußball nicht mehr ausreicht. Spitzenklubs müssen am Puls der Zeit bleiben, wenn sie auch in fünf Jahren noch zur Spitze gehören wollen. Verwerflich ist die Gewinnung eines weiteren Sponsors überhaupt nicht, im Gegenteil. Vor allem nicht, wenn dadurch - wie Watzke in der Vergangenheit betonte - die Ticketpreise bezahlbar bleiben sollen. Sich im Vergleich mit anderen Vereinen als barmherzigen Samariter darzustellen, wird der Sache aber ebenfalls nicht gerecht. Vom hohen Ross sollten die Klubverantwortlichen absteigen.