​Er ist die Sturmlegende des ​Hamburger SV. Immer noch. Obwohl sein letztes Spiel für die Rothosen schon ein paar Wochen zurückliegt. Wenn Uwe Seeler also einen Kommentar über den Sturm des HSV abgibt, sollte man zumindest mal hinhören. Für das Stadtderby erhofft sich Seeler, dass der Finne ​Joel Pohjanpalo in der Startelf aufläuft. 


"Ich will Trainer Dieter Hecking nicht reinreden", sagte der Ehrenspielführer der deutschen Nationalmannschaft gegenüber der Bild-Zeitung (via mopo.de). "Er wird schon die richtige Entscheidung treffen. Aber ich würde Joel Pohjanpalo in die Startelf stellen. Er hat einen tollen Zug zum Tor, das gefällt mir. Er ist gefährlich. Warum sollte er keine Chance bekommen?", fragt  Seeler rhetorisch. 


Was natürlich auch eine kleine populistische Note birgt. Aber wirklich nur eine ganz kleine, denn Uns Uwe hat sich schon in seiner aktiven Zeit nicht unbedingt als jemand entpuppt, der anderen nach dem Mund redet oder nur auf gönnerhafte Kommentare aus ist. Meinungsstark war er schon immer - und wusste, diese Meinung bei Gelegenheit auch zu artikulieren.


Hecking hat gute Gründe, erstmal Hinterseer ranzulassen


Und natürlich ist Pohjanpalo wirklich eingeschlagen in Hamburg. Drei Spiele (in denen er aber nur 53 Minuten auf dem Platz stand) - zwei Tore. 

Joel Pohjanpalo

2 Tore in 53 Minuten Spielzeit - die Verpflichtung des Finnen scheint sich auszuzahlen


Das hatten so nicht mal die kühnsten Optimisten erwartet. Die größten Unker hingegen wussten ja schon unmittelbar nach Bekanntwerden des Leih-Deals mit Bayer Leverkusen, dass sich der Finne binnen kürzester Zeit wieder verletzen und dann langfristig ausfallen würde. Ist bislang nicht eingetreten. 


Seit vier Wochen ist der Finne in Hamburg - und er scheint fit wie selten in den vergangenen Jahren zu sein. Die vergangenen Jahre: das war auch ein Grund für viele Bedenkenträger rund um den HSV, den Spieler gar nicht erst zu verpflichten. Wer so oft verletzt ist, der ist ja eigentlich schon reif für die Verrentung. Dass der Finne erst 25 Jahre alt ist, war für diese Schwarzmaler auch kein Gegenargument.


Doch Sportvorstand Jonas Boldt (im Verbund mit dem Trainer, wie ich mal vermute) wusste offenbar genau, was er tat  - und ob der Slowake Bozenik (trotz seines Tores beim Debüt für Feyenoord am vergangenen Wochenende) genauso begonnen hätte wie Pohjanpalo, sei mal dahingestellt. 


Aber Coach Dieter Hecking weiß natürlich um die früheren gesundheitlichen Probleme des Finnen, will ihn jetzt nicht schon zu Beginn seiner Zeit in Hamburg verheizen, indem er ihn über Gebühr belastet. Zudem muss ein Trainer auch immer das große Ganze im Blick behalten. Und warum sollte er jetzt, ohne Not, seinen Stürmer Lukas Hinterseer brüskieren und ihm den Winter-Neuzugang vor die Nase setzen? Zumal der Österreicher ja zuletzt recht zuverlässig geliefert hat. 

Lukas Hinterseer

Hat seinen Torriecher wiedergefunden: Lukas Hinterseer


Fünf Tore in den letzten sechs Spielen belegen das. Also, Uwe, immer ruhig bleiben. Wenn Hecking meint, dass er mit Hinterseer starten will - um dann, wenn es vielleicht nicht so gut läuft (oder wenn das Spiel nach einer Stunde entschieden ist), Pohjanpalo zu bringen, erscheint mir dies als absolut nachvollziehbar. Und dass Pohjanpalo nicht viel Zeit braucht, um ein Tor zu machen, hat er ja schon nachgewiesen.