​Nach den turbulenten letzten Wochen beim ​FC Barcelona, mit einem gefeuerten Trainer, der zu diesem Zeitpunkt Tabellenführer war, mit einer ungeheuren Anschuldigung gegen die Führungsriege, die angeblich dafür bezahlt hat, dass in Social-Media-Foren über sie gut - und über gewisse Spieler schlecht geschrieben wird, und mit der Polemik bezüglich des Braithwate-Transfers, hat ​Lionel Messi nun in einem Interview mit der Mundo Deportivo Stellung bezogen.


Und natürlich konnte die Frage nicht lange auf sich warten lassen, was denn, in Messis Augen, wohl dem Sportdirektor (Eric Abidal) durch den Kopf gegangen sei, als er Teile der Mannschaft für die Entlassung von Ernesto Valverde verantwortlich machte. 


"Ich weiß nicht, was er sich dabei gedacht hat. Aber ich habe ihm geantwortet, weil ich mich attackiert sah. Ich spürte, dass er die Spieler attackierte. Und es wird schon genug über die Mannschaft geredet. Dass sie alles bestimme, dass sie Trainer verabschiede und neue hole. Und natürlich, dass ich hier alles kontrolliere. Dass ich zuviel Macht habe und Entscheidungen treffe. Und es hat mich gestört, dass dies ein Sportdirektor sagt. Dass er die Spieler mit einer Trainer-Entlassung in Verbindung bringt, erscheint mir fast verrückt. Es ist der Sport-Direktor, der die Entscheidungen trifft und dafür gerade stehen muss. Er ist es, der entscheidet. Deshalb bin ich vorgeprescht, um das klarzustellen."


"Ich entscheide hier nicht!"


Ob er sich erklären könne, warum ihm immer wieder mal vorgehalten wird, dass er die Entscheidungen beim FC Barcelona treffe, beantwortet Messi verneinend. "Das gleiche ist mir ja auch schon in Bezug auf die argentinische Nationalmannschaft vorgeworfen worden. Dass dort die Spieler spielen, die ich haben wolle, dass ich die Trainer auswähle, dass nur meine Freunde spielen würden. Ich weiß nicht - vielleicht liegt es daran, dass ich schon solange an einem Ort bin. Aber ich glaube, dass ich schon bewiesen habe, eine Meinung zu besitzen. Und dass der Klub oftmals eine andere hat, als ich. Wir sind häufig verschiedener Meinung, und es wird dann nicht getan, was ich will." 


Angesprochen auf die Unterredung zwischen den Mannschaftskapitänen und dem Klub-Präsidenten Bartomeu am letzten Dienstag, und ob die Erklärungen von ihm ihn überzeugt haben, gibt sich Messi betont einsilbig: "Tatsächlich bin ich da ein bisschen überrascht worden, weil ich gerade unterwegs war. Erst bei meiner Rückkehr habe ich ein bisschen was erfahren. Der Präsident hat uns dasselbe gesagt, wie schon in seinen öffentlichen Aussagen. Wie die Situation war, was genau geschehen ist und so weiter. Vielmehr kann ich dazu nicht sagen."


Ob er denn von den Worten seines Vorgesetzten überzeugt war, beantwortet der Superstar ebenfalls recht vage: "Die Wahrheit ist, dass ich es etwas seltsam finden würde, wenn solche Dinge tatsächlich passierten. Aber es hieß ja auch, dass es Beweise gäbe und so. Man wird abwarten müssen, ob es sich als wahr oder nicht herausstellt. Viel können wir nicht sagen, und müssen sehen, was in Zukunft passiert. Aber mir kam es schon seltsam vor." 


Auf jeden Fall sehnt der Argentinier ein Ende dieser turbulenten Zeit herbei. "Seit Januar haben wir ein Problem nach dem anderen. Doch was wir brauchen ist Ruhe. Und wir müssen wieder mehr an den Fußball denken, an die anstehenden Spiele, und versuchen zu wachsen."


Im rein sportlichen Bereich durfte natürlich nicht die Frage fehlen, warum er in letzter Zeit mehr als Vorbereiter denn als Vollstrecker agierte - und ob eigene Treffer für ihn wirklich so wichtig seien. "Es stimmt schon. Ich hatte zuletzt einige gute Chancen, sie aber nicht genutzt. Ich versuche heutzutage, mich etwas mehr fallen zu lassen, um so mehr Ballkontakte zu haben. Durch das Fallenlassen ins Mittelfeld versuche ich dort eine Überlegenheit herzustellen. Unser Spiel ist nun mal auf den Ballbesitz ausgerichtet. Es stimmt zwar, dass ich zuletzt einige Gelegenheiten ausgelassen habe, aber das beunruhigt mich nicht besonders."  


Griezmann und Messi mussten sich erstmal finden


Zu seiner Beziehung mit dem französischen Neuzugang Antoine Griezmann, respektive zur angeblich fehlenden Chemie zwischen ihnen, beschränkt sich Messi darauf, dass Griezmann ein Kollege wie jeder andere sei und er sich gut mit ihm verstehe. 

Antoine Griezmann,Lionel Messi

Harmonierten zuletzt immer besser miteinander: Lionel Messi und Antoine Griezmann


"Am Anfang war es natürlich ein bisschen schwer. Wir mussten uns erstmal kennenlernen. Bewegungsabläufe, Laufwege und so weiter. Er kam aus einem anderen System. Aber in den letzten Spielen, in denen er als Stürmer auflief, haben wir schon besser miteinander harmoniert, weil wir nun auch näher beieinander sind."


Die Frage, ob er glaube, dass sein uruguayischer Kollege Luis Suárez noch in dieser Saison zurückkehren werde, wollte Messi auch nicht direkt beantworten. "Er ist verrückt danach, zurückzukehren. Wir werden jetzt abwarten, wie es sich entwickelt. Ich hoffe natürlich, dass er bald wieder da sein kann, denn er ist ein extrem wichtiger Spieler für uns. Fundamental! Und in den letzten Spielen hat man das, glaube ich, auch gesehen. Wir brauchen ihn sehr." 


Lobende Worte fand Messi abschließend noch bezüglich des Eigengewächses Ansu Fati: "Er ist ein sehr wichtiger Spieler, eine wunderbare Sache für den Klub, für uns alle. Aber man muss das mit Ruhe angehen, so wie in meinem Fall ja auch. Man darf ihm jetzt nicht zuviel Verantwortung aufladen. Zur Zeit herrscht im Klub auch eine Situation, in der es schwieriger ist, reinzukommen. Zu meiner Zeit war es anders, als die Mannschaft wie eine geölte Maschine funktionierte, egal wer reinkam. Wenn es dann mal nicht so gut läuft, ist es entsprechend schwieriger, ins Team zu kommen. Und einem siebzehnjährigen Jungen kann man nicht so viel Verantwortung übertragen. Aber er hat natürlich eine außergewöhnliche Qualität und sehr viel Potenzial. Aber man muss es ruhig angehen."