Die aktuell größte Schwäche des ​FC Schalke 04 liegt eindeutig in der Offensive und auf der in sehr weiten Teilen fehlenden Torgefahr. Im Gegensatz zur Hinrunde hat man auch in einigen Aspekten die eigene Spielweise abgelegt. Es gibt mögliche Mittel und Wege, wie man diese Mini-Krise überwinden könnte.


Die Fakten sind schnell aufgezählt: Ein Tor in den letzten vier Partien in der Bundesliga, kaum Präsenz im und am gegnerischen Sechzehner, große Probleme beim Herausspielen von Torchancen. Schon in der Hinrunde hatte Schalke nicht die größten oder meisten Möglichkeiten, Tore zu erzielen, doch war man aufgrund des eigenen Spiels erfolgreich - das hat sich aber in der Rückrunde bislang gedreht. 

David Wagner,Amine Harit


Zuletzt wurde Woche für Woche deutlicher, dass man schleunigst ​ein Gegenmittel finden muss. Nicht nur, weil man den Anschluss an die Spitzengruppe langsam aber sicher verliert. Das wäre angesichts der laufenden Entwicklungen zwar schade, aber zu verschmerzen. Wichtig wäre ein Gegenschritt vor allem, um auch die eigene Entwicklung nicht nur kurz-, sondern auch langfristig variabler gestalten zu können. Mehr Konzepte und Ideen für die Offensive müssen her. Dass das nicht von heute auf morgen funktioniert, sollte zwar jedem klar sein. Dennoch gibt es die eine oder andere Möglichkeit, gegen den derzeitigen Abwärtstrend in der Offensive vorzugehen - taktisch wie personell. 


Taktische Umstellung: Weg vom 4-4-2 mit Raute - Zurück zum 4-2-3-1?


Seit einigen Spieltagen vertraut Trainer David Wagner auf das 4-4-2, in dem er das Mittelfeld in Ballbesitz in der klassischen Raute agieren lässt. ​Eine Art Allrounder, weil dieses System mit dieser Anordnung eigentlich alle taktischen Bereiche zumindest ein bisschen abdecken kann. Defensiv steht S04 zumeist sicher, doch nach vorne geht kaum etwas. 


Durch diese Formation hat man zu häufig einen sehr zentralen Fokus. Zwei Achter und ein Zehner sorgen grundlegend für Anspielstationen sowie das geplante Kombinationsspiel, während sich die Außenverteidiger über die Seiten bewegen. Schon hier lauern die ersten Probleme. Zum einen hat man mit Bastian Oczipka zwar einen defensiv souverän auftretenden Linksverteidiger, aber in seinen Aktionen nach vorne ist er nicht das, was man eigentlich bräuchte. Das Tempo, die schnellen Pässe und vor allem gute Flanken sind leider Mangelware. Jonjoe Kenny ist zwar auch kein geborener Flügelflitzer, macht dies aber durch Stellungsspiel und gute Anspiele etwas wett. Dazu stellen ​viele Gegner mittlerweile einfach das Zentrum zu. Resultat: Schalke hat kaum Ideen oder Möglichkeiten, wie man an den gegnerischen Strafraum gelangen soll. 

Benito Raman

In der Hinrunde trat man oft im 4-2-3-1 auf. Man hat einen Sechser mehr, sodass dieser nicht direkt als Anspielstation wegfällt, wenn sich Omar Mascarell zwischen die Innenverteidiger fallen lässt. Die Außenbahnen sind doppelt besetzt, was zum einen erstmal die Alternative des richtigen Flügelspiels ermöglicht, und was zum anderen bessere Kombinationen erlaubt. Durch die beiden Sechser und den offensiven Zehner gibt man das Zentrum nicht auf, und kann hier variabler und durch die Außenspieler vor allem mit etwas mehr Raum agieren. Ein Vorteil, ​der besonders Amine Harit zugutekommen würde


Zudem würde sich die Arbeit gegen den Ball kaum verändern, da man auch hier ohne Probleme ein flaches 4-4-2 aufbieten kann. Verbindet man dies mit dem höheren und mutigen Anlaufen, konsequentem Nachrücken und dem aggressiven Verteidigen nach vorne, würden auch die Umschaltmomente erneut weniger ausrechenbar und gefährlicher werden. Natürlich wäre diese Umstellung kein Allheilmittel - aber das 4-Raute-2 hat bei Königsblau vorerst ausgedient. 


Personelle Umstellungen: Raman gesetzt, Kutucu eine Option, Burgstaller vorerst noch raus


Neben taktischen Umstellungen besteht natürlich auch die Möglichkeit, personell an ein paar Rädchen zu drehen. Zunächst ist es für die Knappen von großer Bedeutung, dass Suat Serdar alsbald zurückkehrt. Der 22-Jährige war nicht nur torgefährlichster Schalker, sondern auch für das Verteidigen nach vorne sowie für die Umschaltmomente unverzichtbar.

Auch Benito Raman sollte weiterhin gesetzt sein. Der Belgier arbeitet enorm viel, ist beim Anlaufen immer an vorderster Stelle. Durch seine Geschwindigkeit ist er immer eine Option für Bälle in die Tiefe. Ob man mit einem Doppelsturm agiert, oder im 4-2-3-1, ist zweitrangig. Entweder er spielt als klassischer Stürmer auf, oder auf den Flügeln. So oder so ist er wohl gesetzt, und wäre ebenfalls flexibel einsetzbar.

Gregoritsch zwischen Licht und Schatten


An Michael Gregoritsch scheiden sich derzeit die Geister. Nach einem tollen Auftakt gegen ​Borussia Mönchengladbach ließ auch er zuletzt nach. Denkbar, dass das (ähnlich wie bei Amine Harit) an der allgemeinen schlechten Offensiv-Leistung lag. Für den S04 kann er trotzdem hilfreich sein: Neben seiner Rolle als Stürmer kann er auch als eine Art zweiter Spielmacher (neben dem jeweiligen Zehner) überzeugen - dafür hat er den Überblick und die technischen Fähigkeiten. Durch seine eher geringe Geschwindigkeit eignet er sich jedoch nicht ganz so gut für das schnelle Anlaufen, wie Raman.

Apropos Pressing: Auch ein Guido Burgstaller sitzt noch auf der Bank. Angesichts der sich bietenden Alternativen ist der Österreicher momentan wohl zurecht keine Wahl für die Startelf. Geht es um den spielerischen Aspekt, sind Raman, Gregoritsch und auch Ahmed Kutucu vor ihm. Beim Pressing ist Raman durch sein Tempo ebenfalls wertvoller, und "einen Ball festmachen" können sie ohnehin alle. Ihn in die Startelf zu beordern, oder ihm wieder eine größere Rolle zu geben, wird daher eher kein Gegenmittel zu den Offensiv-Problemen sein.

Ahmed Kutucu bietet sich weiterhin primär als Einwechselspieler und Joker an. Auch wenn es durchaus interessant wäre, ihm das ein oder andere Liga-Spiel in der Startelf zu sehen, wird Wagner weiterhin als Joker auf ihn setzen. Alternativ könnte er auch über den rechten Flügel kommen, da er diese Rolle so ähnlich auch schon in der S04-Jugend gespielt hat. So hätte man dort einen kämpferischen Spieler, der auch den Zug zum Tor nicht vermissen lässt.

Miranda eine Option für die Offensive?


Leihspieler Juan Miranda könnte ebenfalls eine größere Rolle im Spiel nach vorne übernehmen. Der 20-jährige Spanier ist bekannt für seine offensiven Ausflüge und seine Spielintelligenz. So würde sich durchaus die Möglichkeit bieten, ihm mal eine Aufgabe weiter vorne zu überlassen, beispielsweise als linker Flügel im thematisierten 4-2-3-1. Dann könnte Raman als Sturmspitze agieren, Kutucu oder auch Rabbi Matondo über rechts, sowie Harit durch das Zentrum. Mit Suat Serdar als offensiver Sechser an der Seite von Mascarell hätte man so mehr Optionen sowie mehr Kreativität.