​​Borussia Mönchengladbach spielt eine bärenstarke Saison. Das bemerkenswerte daran: damit war zu rechnen! Viel zu häufig fällt unter den Tisch, dass Gladbach eines der spannendsten und zugleich erfolgreichsten Langzeitprojekte Europas ist. Das mag daran liegen, dass Bescheidenheit am Niederrhein immer noch groß geschrieben wird.


Es ist noch gar nicht so lange her, da stand Borussia Mönchengladbach mit einem Bein in der ​2. Bundesliga. Neuneinhalb Jahre, um genau zu sein. Damals, in der Relegation gegen den VfL Bochum, standen für die Borussia noch Spieler wie Igor de Camargo oder Frischling Marco Reus auf dem Rasen. Mittlerweile ist Gladbach so weit von der 2. Bundesliga entfernt, wie der VfL Bochum von der ​Champions League


Das ist - bei allem höchsten Respekt vor den übrigen handelnden Personen - vor allem einem Mann zuzuschreiben: Max Eberl. Auch wenn der Sportdirektor der Borussia dieses Kompliment sicher nicht gerne hören würde - aus Respekt vor erwähntem Kollektiv. Trotz der Erfolgsgeschichte der vergangenen Jahre definiert sich Eberl noch immer über Bescheidenheit; welch wunderbarer Antrieb für diesen Traditionsclub. 


Borussia Mönchengladbach: Realisten am Werk


Apropos Tradition: Gladbach war einmal der heißeste Scheiß Deutschlands. Dass die Gier der Fans und des direkten Umfelds sich trotzdem in Grenzen hält, untermauert den Wert der in Gladbach vorgelebten Bescheidenheit. Es sind Realisten, die den Verein führen und leben; keine Träumer. Und die von Max Eberl und Co. geschaffene Realität schlägt sich in finanziellem Wachstum, einem aufpolierten Image und zahlreichen Teilnahmen am Europapokal nieder. 

Max Eberl

Die neue Tradition, die am Niederrhein Einzug hält, ist der Blick nach unten; ohne, dass sich der Verein dabei klein macht. Anstatt größenwahnsinnige Risiko-Kurse einzuschlagen, schraubt die Fohlenelf seit Jahren an einer soliden Basis, um einen neuen Status Quo zu etablieren: ein regelmäßiger Anwärter auf die europäischen Plätze zu sein. Schritt für Schritt für Schritt entfernt sich Gladbach vom Unterhaus und nähert sich der nationalen Spitze an. Geduld und Bescheidenheit: Das Langzeitprojekt Gladbach funktioniert.


Und es trägt erste Früchte. Das spiegelt sich vor allem in dieser Spielzeit wieder. Gladbach schielt auf die Champions League - und das mit Recht. Clever wirtschaftend lotste Max Eberl in den vergangenen Jahren funkelnde Namen wie Marcus Thuram, Weltmeister Matthias Ginter oder Denis Zakaria an den Niederrhein. Dort steht weiterhin die Entwicklung im Vordergrund. Dass die Borussia nicht in Zugzwang kommt, ihre Juwelen unbedingt verkaufen zu müssen, ist der Zement der neuen Gladbacher Ausgangsbasis. Oder anderes ausgedrückt: Gladbach hält die eigenen Trümpfe fest in der Hand und hat die Fallhöhe mittlerweile auf ein Minimum reduziert. 


Borussia Mönchengladbach bleibt bescheiden


Gladbach hält den Kurs: die Fohlenelf bleibt bescheiden. Vor der Saison als Meisterkandidat auserkoren, spielt die Borussia ihren Stiefel unbeeindruckt herunter und knabberte sogar an der Herbstmeisterschaft. Trotzdem werden die federführenden Autoritäten nicht müde, den Blick nach unten zu richten und vor allem auf finanzielle Differenzen zu den anderen Top-Clubs hinzuweisen. 


Mit dem aktuellen Mannschaftsgefüge - und mit Cheftrainer Marco Rose, dessen Akquisition ebenfalls Ausdruck der attraktiven Entwicklung Gladbachs ist - wird der Blick früher oder später aber auch mal nach oben schnellen. Das ist ohne das Risiko einer gewissen Fallhöhle die so ziemlich angenehmste Ausgangslage, die ein Fußballverein haben kann. Wir ziehen unseren Hut vor Borussia Mönchengladbach - und sind gespannt, was das vielleicht erfolgreichste Langzeitprojekt Europas in den kommenden Jahren noch abwerfen wird.