​Seit Jahren wird in Deutschland die Debatte um das Für und Wider der sogenannten "50+1"-Regel geführt. Die Befürworter gibt es weiterhin, und sie bilden wohl auch immer noch die Mehrzahl, doch immer mehr Stimmen machen sich zumindest für eine Aufweichung dieser Regel stark. So wie jetzt der neue Präsident des ​FC Bayern München​Herbert Hainer.


In einem Interview gegenüber der SportBild sagte Hainer: "Ich war früher immer ein Befürworter, da ich nicht wollte, dass sich ein Investor als eine Art Selbstdarsteller einkauft." Doch offenbar hat bei Hainer seitdem ein Umdenken eingesetzt. Denn: "Inzwischen wäre ich eher dafür, 50+1 aufzugeben und den Vereinen die Chance zu überlassen, ihre eigenen Regeln zu machen." 


Die bei dem von ihm präsidierten Klub nochmal ganz anders aussehen. Denn beim FC Bayern herrscht sozusagen eine Art "70+1"-Regel. Der Klub muss stets über mindestens 70 Prozent der Anteile am Aktienkapital verfügen, nur 30 Prozent dürfen an (externe) Investoren verkauft werden. 

Jan-Christian Dreesen,Herbert Hainer

Die Gefahr, die von Befürwortern der 50+1-Regel immer wieder angeführt worden ist, nämlich die einer feindlichen Übernahme von irgendeiner Heuschrecke, ob aus Europa oder Südostasien oder den Vereinigten Staaten, die dann, wenn das Geschäft doch nicht so läuft, wie geplant, dem Klub den Rücken kehrt und einen finanziellen Scherbenhaufen hinterlässt, ist im Grunde genommen von der Realität selbst gebannt worden. Ein Roman Abramovich, z.B., hat über mehr als eineinhalb Jahrzehnte gezeigt, dass es ihm bei seinem Engagement beim FC Chelsea eben nicht nur um den kurzfristigen Gewinn ging. Erst nach jahrelangen Investitionen im hohen dreistelligen Millionenbereich konnte er mit dem Champions-League-Titel 2012 ("dahoam!") eine kleine Rendite einfahren. 


50+1: Nicht jedes externe Investment ist per se schlecht


Letztlich geht es auch um die Eigenverantwortung der Vereine, wen sich sich als strategischen Partner ins Boot holen. Ein Messer ist per se auch nicht schlecht, nur weil ich damit einen Menschen umbringen kann. Und nicht jeder Investor denkt nur an seinen schnellen persönlichen Profit, sondern kann durchaus auch mit Herzblut bei der Sache sein (siehe Dietmar Hopp in Hoffenheim oder auch Klaus-Michael Kühne, bei allen sonstigen Schwierigkeiten die es gab, in Hamburg). 


Von daher halte ich diesen Vorschlag von Hainer für begrüßenswert - und folgerichtig: man kann nicht einerseits am Ende einer jeden Saison darüber wehklagen, wie sehr die Big Shots im Fußball-Business mittlerweile der Konkurrenz enteilt sind, und gleichzeitig auf dem bisherigen Status Quo verharren. Ich habe schon vor zwei Jahren prognostiziert, dass die 50+1-Regel in den folgenden fünf Jahren fallen wird. Drei bleiben also noch.