​Borussia Mönchengladbach hat in dieser Saison im ​offensiven Bereich die große Auswahl, stehen doch neben Marcus Thuram, Alassane Plea und Breel Embolo auch Patrick Herrmann und Lars Stindl dem Trainer Marco Rose zur Verfügung. Während die genannten Spieler regelmäßig zu ihren Einsätzen und zu Torbeteiligungen kommen, ist der einst unverzichtbare Raffael mittlerweile weniger gefragt. Der Maestro stand in der laufenden Spielzeit nur magere achtmal für die Borussia auf dem Platz und trug sich in den insgesamt 113 Minuten in keine der für Stürmer so relevanten Listen ein. Der Vertrag des bald 35-jährigen Brasilianers läuft im Sommer aus und Gespräche hinsichtlich einer Verlängerung gab es bislang nicht - dennoch zeigt sich Raffael optimistisch.   


Mit zarten 18 Jahren verließ Raffael im Jahr 2003 seine brasilianische Heimat und wagte den Schritt nach Europa. Während andere Landsmänner gerne sofort bei den ganz großen Klubs anheuern, zog es ihn ablösefrei in die Schweiz zum zweitklassigen FC Chiasso. Es dauerte nicht lange, bis ein damals noch recht unbekannter Trainer auf den technisch beschlagenen aber sehr schmächtigen Raffael aufmerksam wurde und ihn im Jahr 2005 zum FC Luzern holte - es war der Beginn einer langjährigen Zusammenarbeit mit Lucien Favre. 


Im Sommer 2007 ging der kauzige Trainer in die deutsche Bundesliga zu ​Hertha BSC und Raffael folgte ihm im darauf folgenden Winter. Zwei Jahre später war Favre in Berlin Geschichte doch Raffael blieb noch bis zum Sommer 2012 in der Hauptstadt. Jeweils ein halbes Jahr auf Schalke und in Kiew später landete der Brasilianer zur Saison 2013/14 bei seiner jetzigen Station in Mönchengladbach, damaliger Coach der Fohlen - Lucien Favre.

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Raffael nach seinem Traumtor für Gladbach bei Ex-Klub Hertha BSC (2015)



Während Favre nun die andere Borussia coacht, blieb Raffael den Fohlen treu und sammelte bislang in 198 Spielen für die Gladbacher 71 Tore und 35 Vorlagen. Zum Ende der aktuellen Spielzeit läuft sein Vertrag aus und eine Verlängerung ist sehr fraglich, doch der stets positive wie schüchterne Raffael will bleiben - in welcher Funktion auch immer.


In Gladbach ist Raffael heimisch geworden


Gegenüber der RP verriet Raffael, dass er gerne in Mönchengladbach verweilen würde. Vor kurzem baute er im nahe gelegenen Jülich ein Haus, seine Familie fühlt sich wohl im Rheinland. Doch sind seine Dienste bei der Borussia noch erwünscht? "Ich habe Bock, Borusse zu bleiben. Ich bin guter Dinge, dass ich noch gebraucht werde in diesem Projekt, zum Beispiel als Zehner", gab er sich kämpferisch, obwohl im von Rose neu implementierten System mit zwei hängenden Spitzen oder "Doppel-Zehn" neben Lars Stindl auch der vielseitige Jonas Hofmann momentan die Rollen hinter der Sturmspitze ausfüllen. 


Zudem wurde ihm selbst gar eine versprochene Einwechslung beim Spiel in Düsseldorf durch Rose verwehrt, als dieser statt Raffael den ebenfalls kaum beachteten Ibrahima Traoré brachte. Der Brasilianer: "Ich kann das nachvollziehen, die Hauptsache ist, dass wir das Spiel so gewonnen haben. Das gehört im Fußball dazu, ich muss weiter arbeiten und bereit sein. Manchmal geht es im Fußball ganz schnell." Zudem hat sich der Trainer sofort nach dem Spiel rührend um den enttäuschten Raffael gekümmert.

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 Raffael bei seinem bislang letzten Kurzeinsatz im Hinspiel gegen die Bayern



Falls die Borussia im nächsten Jahr nicht mehr mit dem Spieler Raffael planen sollte, blickt der Altmeister bereits seine Zukunft. "Ich fühle mich hier wohl. Ich kann mir vorstellen, nach der Karriere bei Borussia zu bleiben, aber darüber haben wir noch nicht gesprochen", sagte der laut RP gerne noch eine weitere Saison spielen wollende Brasilianer. 


Kaum Chancen auf Einsätze - dennoch Gold wert


Wie Manager Max Eberl verlautbaren ließ, wird es ab sofort keine aus der Vergangenheit bekannten "Verlängerungen aus Dankbarkeit mehr geben". Zudem zollte Raffael seinem hohen Fussballer-Alter auch letzte Saison schon Tribut, als er über die Hälfte der Spielzeit mit Wadenproblemen und einem Schlüsselbeinbruch ausfiel - bei Roses physisch fordernden Ansprüchen an die Spieler wird dieser Umstand nicht besser. 


Die Situation in Hinsicht einer Weiterbeschäftigung Raffaels ist mit dem ebenfalls im Sommer auslaufenden ​Arbeitspapier von Oscar Wendt vergleichbar.

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Raffael im Training mit Ramy Bensebaini



Ebenso wie beim Schweden wird die Borussia schauen, ob es im Sommer einen perspektivischen Ersatz für den Kaderplatz des Maestros geben kann. Doch anders als bei den Linksverteidigern sind die Gladbacher im Sturm jetzt schon quasi überbesetzt, was gegen eine Verlängerung von Raffael spricht. 


Und dennoch ergibt ein einjähriger "Gnadenkontrakt" Sinn, bedenkt man die Ruhe, mit der sich Raffael auf die Bank oder die Tribüne setzt, seine Qualität im täglichen Training oder eine eventuelle Anstellung im Trainerstab über seine aktive Zeit hinaus. Raffael als Technik-Coach in Gladbach klingt stimmig, zudem könnte er im nächsten Jahr schon in einer Doppelfunktion als (Ersatz-)Spieler und angehender Trainer fungieren. Die Chance, einen so sympathischen und mit der Borussia verbundenen Edeltechniker als Ausbilder zu binden, sollte sich Eberl nicht entgehen lassen - es hätte nichts mit Dankbarkeit zu tun.