​Eigentlich ist ​Leroy Sané - gefühlt - seit letztem Jahr schon irgendwie voll in die personellen Planungen beim deutschen Rekordmeister ​FC Bayern München integriert. Im vergangenen Sommer verhinderte wohl nur eine schwere Verletzung des Nationalspielers seine Verpflichtung schon für diese laufende Spielzeit. Jetzt steht der ehemalige Schalker vor seiner Rückkehr aufs Spielfeld - und vor einer ungewissen Zukunft.


Was sowohl Bayerns Planungen betrifft, als auch Sanés Stellung beim von der UEFA-Sperre gebeutelten amtierenden englischen Meister. 


Drohen City auch nationale Strafen?


Noch-Meister muss man ja mittlerweile sagen, denn über die bislang verhängte Strafe hinaus (zwei Jahre darf Manchester City nicht an der Champions League teilnehmen) drohen den Sky Blues auch im nationalen Liga-Betrieb ernsthafte Konsequenzen. Bis zu nachträglichen Punktabzügen, die dann in der Folge sogar die gewonnene Meisterschaft 2018/19 in Frage stellen könnten. So zumindest berichtet es die Münchener tz, unter Berufung auf Aussagen des englischen Sportjuristen John Mehrzad. 


Doch was machen die Münchener nun draus? Die Frage muss gestellt werden, angesichts der Meldung des kicker, wonach die Verantwortlichen an der Säbener Straße offenbar immer mehr Zweifel daran hegen, den 24-Jährigen unbedingt und unter allen Umständen in die Allianz-Arena zu locken. 


Hält man sich Sanés Leistungsdaten aus der vergangenen Saison vor Augen, geht an seiner Verpflichtung eigentlich kein Weg vorbei. In 47 wettbewerbsübergreifenden Spielen für die Citizens konnte Sané bockstarke 34 Scorerpunkte beisteuern (18 Treffer, 16 Vorlagen). Und das war nur die Bestätigung der davorliegenden Spielzeit (2017/18), in der er auf eine ähnlich beeindruckende Bilanz kam: in 49 Spielen gelangen ihm vor zwei Jahren gleichsam stattliche 33 direkte Torbeteiligungen (14 Tore, 19 Assists). Und das in der vorgeblich stärksten Liga der Welt, und in einer Mannschaft, in die es schon schwer genug ist, überhaupt als Stammspieler reinzukommen. Auch seine Auftritte im DFB-Dress waren häufig genug spektakulär. So gelangen ihm in den letzten drei Länderspielen vor seinem Kreuzbandriss insgesamt vier Scorerpunkte (drei Tore, ein Assist), darunter beim 3:2-Prestigeerfolg in den Niederlanden. Der sportliche Wert des Spielers steht damit außerhalb jeglicher Diskussion.


Bayerns Zweifel an Sané-Verpflichtung nur taktisches Geplänkel?


Was also hindert die Bayern, jetzt Nägel mit Köpfen zu machen? Nun, da wäre zunächst einmal die geänderte Situation was Sanés Management betrifft. Neuer Berater - neue Verhandlungen. 

Und natürlich sind auch die Bayern voll informiert über die Dinge, die beim Tabellenzweiten der Premier League gerade passieren. Der erwähnte Sportjurist Mehrzad schließt nämlich das Schreckenspanorama eines massiven Exodus von Spielern nicht aus. Wenngleich er es nicht für sehr wahrscheinlich hält. Aber allein: die Möglichkeit ist gegeben.


Die hochbezahlten Stars wollen sich natürlich auf der für sie besten Bühne zeigen - das ist und bleibt nun mal die Königsklasse. Die Aussicht, für zwei Jahre auf dieses Schaufenster des Spitzenfußballs verzichten zu müssen, dürfte so den einen oder anderen Akteur im Etihad-Stadion ins Grübeln bringen. Mehrzad schließt entsprechend sogar einen ablösefreien Abgang, auch von Sané (dessen Vertrag in Manchester noch bis zum Sommer 2021 läuft), nicht völlig aus. Was für City ein Super-GAU wäre und für den FC Bayern wie Weihnachten, Ostern und Geburtstag zusammen. 


Von daher halte ich die jetzt angeblich aufgekommenen Zweifel der Münchener an der Sinnhaftigkeit eines Sané-Transfers für rein taktische Manöver. Die Zeit spielt nämlich für die Münchener. Denn von einem Interesse anderer Klubs an dem deutschen Nationalspieler ist, bis auf ein halbgares Gerücht, das ihn mit Juventus Turin verbindet, bislang nichts bekannt. Der Spieler selbst soll sich wohl auch schon pro Bayern entschieden haben.


Sollte Bayern den Spieler also tatsächlich zu einem weitaus geringeren Preis kriegen als die vor Jahresfrist veranschlagten 150 Millionen Euro, hätte man auch wieder mehr Optionen, um den anderen großen Traum (Havertz) in die Realität umzusetzen. Auf mehreren Ebenen und bezogen auf mehrere Akteure werden die kommenden Wochen und Monate auf jeden Fall mehr als interessant. Da gerät das Champions-League-Achtelfinale, in dem die Citizens nächste Woche auf die Königlichen aus Madrid und die Bayern auf Chelsea treffen, fast ein wenig in den Hintergrund.