Die Rassismus-Problematik im europäischen Fußball nimmt derzeit Überhand. Fredi Bobic, Sportvorstand von Eintracht Frankfurt, plädierte am Rande der Vergabe der Laureus-Sportpreise für deutliche Signale.


Vorfälle ​in Deutschland und zuletzt ​in Portugal rücken die Rassismus-Problematik in Fußballstadien weiter in den Vordergrund. Fredi Bobic plädierte am Montag dafür, dass in solchen Fällen klare Zeichen gesetzt werden müssen.


Rassismus-Problematik: Bobic plädiert für Spielabbrüche - aber...


"Notfalls, wenn sowas passiert, muss ein Spiel auch mal stoppen oder komplett beendet werden. Dann ist es das richtige Zeichen", sagte er bei der Vergabe der Laureus-Sportpreise in Berlin. 

 

Allerdings sei dies nur das äußerste Mittel. "Wenn einer oder zwei Leute eine dumme Aktion machen, warum sollen die anderen 60 000 dafür büßen. Du musst diese zwei rauspicken. Wenn es Einzelfälle gibt, dann müssen wir sie ausfindig machen, sie raustun aus den Stadien", führte Bobic aus. 


Und genau da liegt der Hund begraben. Beim Drittliga-Spiel zwischen Preußen Münster und den Würzburger Kickers reagierten die Fans mit "Nazis-Raus"-Rufen auf die rassistischen Beleidigungen eines Mannes gegen den Würzburger Leroy Kwadwo; der Mann wurde identifiziert und ausfindig gemacht. Das sind allerdings Einzelfälle. 

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Portos Moussa Marega (m.) wurde bei einem Spiel in der portugiesischen Liga rassistisch beleidigt


Das von Bobic deklarierte äußerste Mittel, Spiele zu stoppen oder zu beenden, ist das in dieser Zeit bitter benötigte Signal. Die Annahme, dass zigtausend andere dafür büßen müssen, ist zwar korrekt, liefert den rassistischen Idioten allerdings auch eine gewisse Narrenfreiheit. Dass nämlich diese zigtausend anderen im Kollektiv gegen rassistische Beleidigungen vorgehen, ist wünschenswert, dürfte aber kaum gängige Praxis werden.


Fakt ist: es braucht Lösungen. Bislang wird auf Zusammenhalt gesetzt - mit mäßigem Erfolg. Radikalere Mittel, wie Spielabbrüche, könnten genau die Zeichen sein, die es jetzt braucht - auch wenn unschuldige Fans darunter leiden müssen. Solange die Vereine und Verbände keine Möglichkeiten finden, um die von Bobic angesprochenen Einzelfälle ausfindig zu machen und aus den Stadien zu verbannen, sind äußerste Mittel beinahe alternativlos.