Endlich geht sie wieder los: Die Champions League. Zum Achtelfinal-Start gibt's mit dem Duell BVB gegen PSG gleich einen Leckerbissen. Wir blicken mit Hilfe unserer Kollegen von 90min Frankreich durch die französische Brille auf die Partie. 


​Wenn der ​BVB am Dienstagabend zum ​Achtelfinal-Hinspiel der ​Champions League Paris Saint-Germain empfängt, gibt es viele Geschichten um dieses Kracher-Spiel: Die Rückkehr von Ex-Trainer Thomas Tuchel, das Duell der Super-Duos Sancho/Haaland auf der einen und Mbappé/Neymar auf der anderen Seite - oder etwas allgemeiner: zwei explosive Offensiven gegen jeweils schwächelnde Hintermannschaften.

Wir haben unsere Kollegen von 90min Frankreich gefragt, wie man in der Grande Nation dieses Duell bewertet, wer der Favorit ist, wie der BVB wahrgenommen wird und worauf und auf wen es besonders ankommen könnte.


Romantische Borussia gegen zusammengekaufte Star-Truppe


Vorneweg: Die Borussia genießt in Frankreich hohes ansehen. "Die Fans lieben Dortmund und sehen ihn als 'romantischen Verein' mit viel Tradition und tollen Fans", sagt 90min-Frankreich-Redakteur Alexis Amsellem. "Der BVB hat sich viel Anerkennung damit verdient, immer wieder Stars wie Marco Reus, Robert Lewandowski oder früher Mats Hummels auszubilden. Heute sind es Brandt, Sancho, Haaland und einige mehr. Am meisten beeindruckt die Franzosen aber die "Leidenschaft der Fans und die berühmte Gelbe Wand."


Dennoch sieht man PSG als Favoriten an und erwarte, dass das Star-Ensemble von der Seine sich gegen den BVB durchsetzt - auch wenn es in der Vergangenheit bittere Enttäuschungen in der K.o.-Phase gegeben hatte.


PSG im 4-4-2? Fragezeichen in der Zentrale


Leicht anders als in Deutschland wahrgenommen, erwarten die Franzosen PSG in einem 4-4-2-System mit Mbappé und Icardi in vorderster Front. Neymar und di Maria sollen über die Flügel kommen. Die Besetzung der Mittelfeldzentrale ist noch offen. Gesetzt ist Marco Veratti, daneben könnten Marquinhos oder Gueye auflaufen. Beide kommen gerade erst von kleineren Verletzungen zurück. Die Viererabwehrkette steht soweit: Meunier rechts, Thiago Silva und Kimpembe in der Mitte - nur auf der linken Seite muss sich Tuchel noch zwischen dem Ex-Münchner Bernat oder Kurzawa entscheiden.


So sehen die Franzosen die PSG-Startelf:

​PSGNavas - Meunier, Thiago Silva, Kimpembe, Bernat/Kurzawa - Marquinhos/Gueye, Verratti - di Maria, Neymar - Icardi, Mbappé​


Neymar - das Herzstück des PSG-Spiels


Gefragt nach dem wichtigsten Spieler im Team, fiel die Antwort klar aus: Neymar jr. Zwar besitzt PSG mit Kylian Mbappé möglicherweise einen kommenden Weltfußballer, der Brasilianer aber ist es, der das Spiel der Franzosen bestimmt, so Alexis.

Neymar

"Neymar ist die Mannschaft", drückt er es plastisch aus. "Ein Sieg von PSG in Dortmund läuft nur über ihn. Er ist das Alpha und das Omega der Mannschaft." Alexis liefert dabei auch ein wichtiges Indiz, das man als Fan heute Abend gut beobachten kann. Es geht um Neymars Positionierung auf dem Feld, und wo der PSG-Superstar die Bälle erhält um das Offensivspiel aufzuziehen.


"Man sieht, wie gefährlich PSG wird, wenn man darauf achtet, wo Neymar seinen ersten Ballkontakt bekommt. Je näher das zum gegnerischen Tor passiert, desto gefährlicher wird es. Passiert das in der Nähe der Mittellinie, ist das meist ein Anzeichen, dass PSG Probleme hat, das Spiel zu gestalten bzw. zu kontrollieren. Dann muss Neymar häufig die Aufgabe von Verratti übernehmen, der eigentlich für die Spielauslösung zuständig sein soll." 


Die Pariser Achillesferse: Die linke Defensivseite


Mit der großen Verantwortung von Neymar in der Offensive geht auch die größte PSG-Schwachstelle einher: Die linke Defensivseite. Zum einen, weil Neymar nicht immer konsequent seine Defensivaufgaben verrichten, zum anderen, weil Bernat oder Kimpembe (egal welcher von beiden als Linksverteidiger aufläuft), große Schwächen in der Defensive zeigen. Alexis nennt das die "Autobahn für Gegentore". Da er auch Meunier auf der anderen Seite nicht mehr als ein durchschnittlicher Außenverteidiger sei, kann der BVB Paris insbesondere über die Flügel knacken.


Vor allem Bernat tendiert laut Alexis dazu, häufig zu hoch zu stehen. Sein Nebenmann in der Innenverteidigung, Kimpembe, neigt zudem dazu, dann zu aggressiv herauszurücken und die Zweikämpfe zu suchen, anstatt Bernats Rücken abzudecken. "Der Raum hinter Bernat bietet für den BVB die besten Optionen. Dort ist die größte Schwachstelle der PSG-Defnesive", erklärt Alexis.

Juan Bernat


Thiago Silva der Organisator


Gerade deshalb wird viel auf die Erfahrung von Thiago Silva ankommen. Der brasilianische  Abwehr-Routinier hat schon viele große Spiele gespielt und muss versuchen, seine Nebenleute zu führen. "Er muss die Hintermannschaft organisieren. Thiago Silva ist zudem sehr kopfballstark, was gerade gegen den großen Haaland helfen sollte", meint Alexis. 


Auf der anderen Seite ist es leicht zu erahnen wo die Kehrseite der Medaille liegt. Der BVB glänzt ebenfalls mit tollem Offensivfußball, die Schwächen in Schwarz-Gelb liegen aber genau wie bei PSG auf den Außenbahnen, wo Hakimi im besonderem Maße und Guerreiro häufig viel Raum in ihrem Rücken aufgeben. Gerade nach Ballverlusten ist das eine große Gefahr. 


Mbappé muss einen Makel ausmerzen


Wenn man die Schlüsselspieler von PSG aufzählt, muss man deshalb auch Mbappé erwähnen. Mit seiner Geschwindigkeit ist er im Umschaltspiel wohl die größte Gefahr. Gerade wenn Favre auf Lukasz Piszczek als rechter Innenverteidiger in einer Dreierkette setzt, ist der Geschwindigkeitsunterschied schon eklatant. Hier muss es der BVB schaffen, nach Ballverlust sofort Druck auf den Ball zu generieren und braucht dazu eine gute Absicherung im Rücken des Polen.


Keine all zu angenehme Aufgabe - zumal Mbappé noch etwas beweisen muss: "Die PSG-Fans denken immer noch daran zurück, wie er im letzten Jahr beim Aus gegen Man United viele Möglichkeiten liegen ließ. Gegen diese BVB-Abwehr, die bekanntlich viele Tore kassiert, muss er zeigen, dass er in diesen Spielen die Tore machen kann. Chancen dafür sollte er bekommen", sagt Alexis.


Egal, welches Team die Schwachstellen des anderen heute Abend besser ausnutzen kann: Alle Zuschauer können sich auf einen echten Leckerbissen freuen - in Deutschland ebenso wie in Frankreich. Die Champions League ist endlich wieder da!



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