Ex-Keeper Frank Rost hofft darauf, dass Werder Bremen den Abstieg in dieser Saison vermeiden kann, den Glauben hat der 46-Jährige nach den vergangenen Wochen aber ein Stück weit verloren. Im Interview mit ​Sky Sport kritisiert er allen voran Trainer Florian Kohfeldt.


Mit Abstiegskampf an der Weser kennt sich Frank Rost aus. Der ehemalige Torhüter erlebte 1998/99 eine dramatische Saison mit Bremen, das erst dank eines starken Endspurts unter Thomas Schaaf den Klassenerhalt einsacken und obendrein sogar den DFB-Pokal gewinnen konnte. Auch in der laufenden Saison hofft Rost, der zehn Jahre in Grün-Weiß verbrachte, dass Werder die Klasse halten wird. Optimismus klingt jedoch anders: "Dafür müssen diese Fehler aufhören. Das hat nichts mit allem anderen zu tun. Das sind fußballerische Sachen. Wenn du so einfach Tore zulässt, und so desorganisiert bist in der Abwehr, hast du keine Chance in der ​Bundesliga." 

Davie Selke,Nick Woltemade,Davy Klaasen

  Werder in der Krise: Aktuell spricht wenig für eine Trendwende.


Exemplarisch bedient sich Rost an den Gegentoren bei der 0:2-Niederlage gegen Union Berlin am vergangenen Wochenende. "Werder ist immer in der Überzahl, [...] und die Zuordnung stimmt nicht in einer einzigen Situation. [...] Entscheidend ist diese Abwehrorganisation und das System, das sie spielen. Teilweise mit fünf Spielern auf einer Linie, da nimmst du zeitweise einen Spieler komplett aus dem Spiel. Das ist nicht zeitgemäß." Ein weiteres Problem sei die mangelnde Kommunikation auf dem Platz: "Die Absprache stimmt einfach nicht. Toprak attackiert irgendwo am Mittelkreis und Eggestein musste die Position übernehmen."  


Rost zählt Kohfeldt an


Werder steckt tief in der Krise. Nur zwei der letzten zwölf Partien wurden gewonnen, das Torverhältnis steht in diesem Zeitraum bei 8:27. Anders als noch in der Vorsaison ist die Offensive völlig harmlos, die Defensive fällt Minute für Minute auseinander. 


Das große Ziel Europa ist längst ad acta gelegt worden. Es geht um nicht weniger als die Existenz eines weiteren Traditionsvereins, der nach einem kurzen Hoch wieder ein Tief erlebt. "Nach den letzten Spielen muss man sich ernsthaft die Frage stellen, wo der Weg hingeht", sagt Rost, der Florian Kohfeldt vor dem Auswärtsspiel bei RB Leipzig anzählt: "Wenn sie da jetzt auch noch eine Dusche kriegen und deutlich verlieren, dann ist auch Kohfeldt nicht mehr zu halten. [...] Du hast irgendwann alles versucht. Wenn in Leipzig jetzt nicht ein Big-Point kommt, dann ist die Glaubwürdigkeit dahin."