Bei ​Borussia Dortmund zielt man seit Jahren darauf ab, junge und talentierte Spieler zu verpflichten, diese auszubilden, von ihnen sportlich und schlussendlich auch finanziell zu profitieren. Eine zuletzt sehr erfolgreiche Philosophie, wie der BVB-Nachwuchskoordinator der BBC erklärte.


Auch wenn Borussia Dortmund bereits seit einigen Jahren wieder regelmäßig um die nationalen Titel der Meisterschaft und des DFB-Pokals konkurriert und sie vor wenigen Jahren auch noch gewinnen konnte, weicht man von der erfolgreichen Transfer- und Ausbildungsphilosophie nicht ab. Schließlich hat es sich immer wieder bewährt und bezahlt gemacht, dass man auf die Entwicklung junger und talentierter Spieler setzt. 


Dortmund mit "klarer und eindeutiger Strategie": Junge Talente ausfindig machen und sie ausbilden


Diese Entwicklung ist natürlich nicht nur ein sportlicher Selbstzweck für die Spieler, sondern auch für den BVB. Auch der finanzielle Aspekt darf selbstredend nicht verschwiegen werden. "Dass wir die Dinge so angehen passiert ja nicht ausversehen oder durch Zufall", so Lars Ricken gegenüber der BBC. Ricken, der selbst eine Spielerlegende der Borussia war, bekleidet seit dem Ende seiner aktiven Fußballer-Zeit das wichtige Amt des Nachwuchskoordinators. Innerhalb der letzten zehn Jahre kann man auf sehr erfolgreiche Beispiele dieser Transfer- und Spieler-Philosophie zurückblicken. 

Lars Ricken

Lars Ricken ist schon seit vielen Jahren für den BVB-Nachwuchs tätig


"Wir haben die klare und eindeutige Strategie, dass wir keine Superstars kaufen, sondern sie kreieren", fasste Ricken zusammen. Immer wieder konnte man junge, bis dato unbekannte Talente ausbilden und sie zu wichtigen Stammspielern formen. Das aktuell beste Beispiel dafür ist Jadon Sancho: Lediglich rund acht Millionen Euro zahlte Schwarz-Gelb 2017 an ​Manchester City, um sich die Dienste des mittlerweile 19-jährigen Briten zu sichern. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Flügelspieler noch kein Profispiel absolviert - ein Testament an die gute und enorm wichtige Arbeit des Scoutings. Wenn der wahrscheinliche Fall eintritt, dass Sancho Dortmund im kommenden Sommer verlässt, wird man diese damalige Ablöse locker mehr als verzehnfachen. Nach drei Jahren, in denen der Youngster sportlich so wertvoll war, profitiert man schlussendlich auch finanziell. Das Grundgerüst des nachhaltigen Erfolgs. 


Ricken erkennt auch, dass diese Herangehensweise Einfluss auf die Stimmung im Stadion hat: "Der Grund dafür, dass die Atmosphäre in unserem Stadion so gut ist, ist die vorherrschende große Identifikation zwischen Spielern und Fans. Die Fans sehen, dass es für die [jungen] Spieler ein Geschenk ist, hier auflaufen zu dürfen."


Von Reyna, über Haaland, bis hin zu Dembele: BVB macht Spieler "zu Superstars"


Mit Erling Haaland (19) und Giovanni Reyna (17) hat man derzeit erneut zwei junge Talente, die beim BVB für mächtig Eindruck sorgen. Haaland, der zuvor schon in Europa bekannt und von vielen Vereinen gejagt war, ist ebenso wie Reyna noch kein voll ausgebildeter Fußballer. Diesen Schritt wollen beide Spieler mit dem Verein gehen - vorige Erfolgsgeschichten, wie die von Sancho oder auch Christian Pulisic machen sich bezahlt: Man kann mehrere erfolgreiche Beispiele aufzeigen, die den erhofften Weg bereits gegangen sind. "Ousmane Dembele und Pierre-Emerick Aubameyang waren auch keine Superstars als sie nach Dortmund kamen", so Ricken zu zwei mittlerweile großen Stars des europäischen Fußballs. Man habe sie in Dortmund "zu Superstars gemacht", was "für den Verein sehr wichtig" sei. 


Christian Pulisic

Auch Christian Pulisic hat beim BVB wichtige Schritte machen können


Natürlich bezieht man sich beim Scouting und bei der Auswahl von neuen Nachwuchstalenten auf bestimmte Kriterien, wie der 43-Jährige betonte: "Technische Fähigkeiten sind sehr wichtig. Ebenso die Handlungs- und Bewegungsschnelligkeit. [...] Die Spieler in unserer ersten Mannschaft sind alle so unglaublich schnell. Das ist unglaublich."


So habe man vor wenigen Monaten einen aussichtsreichen Spieler abgelehnt, weil dieser nicht die geforderte Geschwindigkeit vorweisen konnte. "Etwas anderes ist die Mentalität. Der Druck, der auf den Spielern lastet ist sehr hoch. Schule, Fußball, Nationalmannschaften. Das alles kann zusammen 70 oder 80 Stunden in der Woche einnehmen", bezog sich Ricken weiter auf die Kriterien. Derartige Talente müssten schon "sehr reif, fokussiert und diszipliniert sein", trotz ihres jungen Alters. 


Gerade wegen dieser großen Verantwortung wolle man den Jungen auch unter die Arme greifen. "Wenn sie Probleme in der Schule oder anderen Teilen ihres Lebens haben, möchten wir diese lösen. Wir haben auch Sozialarbeiter hier", so der Nachwuchskoordinator, der sich auch um diese Themen kümmert.